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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. März 2002 Pflegeforschung im Interesse von Krebspatienten

Studien in der onkologischen Pflege – diesem Thema widmete sich Anfang Dezember letzten Jahres eine mit internationalen Referenten besetzte Konferenz in Halle. Anlass war, den extremen Rückstand der onkologischen Pflegeforschung in Deutschland zu thematisieren, mit internationalen Methoden und Standards vertraut zu machen sowie Wege für eine qualifizierte Pflegeforschung aufzuzeigen. Das Ziel heißt Evidence Based Nursing.
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Die vom Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veranstaltete Tagung hatte das Ziel, die „Pflege-Elite in der Onkologie” an deutschen Kliniken mit dem internationalen Stand der onkologischen Pflegeforschung vertraut zu machen. Leitende Pflegekräfte und Fachpflegende von hämatologisch-onkologischen Kliniken, Stationen an Universitätskliniken und Fachkrankenhäusern waren aufgerufen, aus ihrer Praxis Fragestellungen für Studien zur onkologischen Pflege zu formulieren.
Unter den deutschen Pflegenden wächst das Interesse, ihr professionelles Handeln wissenschaftlich zu begründen und damit den extremen Rückstand aufzuholen, den die deutsche Pflegeforschung im Vergleich zur internationalen Situation aufweist, stellte Prof. Margarete Landenberger vom gastgebenden Institut einleitend fest. Das Ziel von Evidence Based Nursing (EBN) sei es, die Wirksamkeit pflegerischer Interventionen nachzuweisen und die Überlegenheit einer Maßnahme gegenüber einer anderen zu belegen. Nur so können Pflegende erkennen, dass sie einen eigenständigen professionellen Beitrag zur Heilung des Patienten und zur Verbesserung seiner Lebensqualität leisten und dass ihre Leistung nicht nur undefinierter Teil der diagnostischen und therapeutischen Leistung der Ärzte darstelle. Impulse für die Pflegeforschung in Deutschland Besonders die Universitätskliniken beginnen sich der Pflegeforschung zu öffnen. Anknüpfungspunkt sei das überdurchschnittliche Interesse der onkologischen Pflege an klinischer Forschung, betonte Landenberger. Die europäische Forschung biete zahlreiche Möglichkeiten für deutsche Studiengruppen, Fragestellungen aufzugreifen und eigene Projektanträge bei den Förderorganisationen zu stellen. Landenberger verwies auf die wertvolle Unterstützung, die dabei von den deutschen und europäischen Fachorganisationen der onkologischen Pflege ausgehe. Dies seien vor allem die Konferenz Onkologischer Krankenpflege (KOK) als Fachgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft, die pflegerische Arbeitsgruppe „Knochenmarktransplantation“ (AG KMT) und die European Oncological Nursing Society (EONS).
0 Ein weiterer Themenblock galt den Methoden der klinischen Pflegeforschung. Prof. Johannes Haerting, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik in Halle, erläuterte Design und Forschungsschritte bei randomisierten klinischen Studien in der Onkologie. Er machte das Angebot, pflegerische Studien methodisch und biometrisch zu beraten und am örtlichen Studienzentrum ein Register für laufende Studien und verfügbare Erhebungsinstrumente einzurichten.
Die „Theorie der onkologischen Pflege“ von Prof. Dr. Sigridur Halldorsdottir, Akureyri/Island geht von der Erkenntnis aus, dass professionelle Pflege nicht handwerklich-technische Verrichtung, sondern problemlösende Beziehung zwischen Patienten und Pflegenden ist. Nur wenn es den Pflegenden gelingt, eine therapeutische Beziehung zum Patienten herzustellen, kann das Ziel der Pflege, die Wiederherstellung bzw. Förderung der Selbstständigkeit des Patienten, seine aktive Mitarbeit an Behandlung und Pflege (Compliance) erreicht werden. Patienten nehmen professionelle Pflegende als förderlich wahr, wenn sie ihnen zum unentbehrlichen Begleiter bei ihrem Behandlungsverlauf werden, eine gegenseitige Beziehung und Vertrauen entsteht und Pflege als Empowerment, Solidarität, Wohlbefinden und Heilung empfunden wird. Klinische Interventionsstudien in der Pflege Anhand von Ergebnissen exemplarischer Interventionsstudien gab die Tagung einen Überblick über den internationalen Forschungsstand zu diesem Thema. Morvin Miller, Glasgow, stellte die kontrollierte randomisierte Multicenterstudie WISECARE (Workflow Information System for European Nursing Care) vor, die von der EONS unterstützt und von der EU gefördert wurde. Beteiligt waren Institutionen aus zehn europäischen Ländern. Bei der untersuchten Intervention handelte es sich um eine strukturierte Patientenanamnese für Chemotherapie-Patienten, die einer evidenzbasierten Leitlinie entspricht und die mit Hilfe einer hierfür entwickelten elektronischen Pflegedokumentation umgesetzt wurde. Die Ergebnisse belegen die Überlegenheit dieses Praxiskonzepts onkologischer Pflege gegenüber der herkömmlichen unspezifischen Pflege. Symptome wie Fatigue, Übelkeit/Erbrechen, Schmerz und Schleimhautveränderungen wurden signifikant reduziert.
Eine deskriptive korrelative Längsschnittstudie, die von der Niederländischen Krebsgesellschaft unterstützt wird, untersucht an 150 Frauen mit Mammakarzinom unter adjuvanter Chemotherapie das subjektive Erleben von Fatigue und den Einfluss von Faktoren wie Depression, sozialer Unterstützung, Coping, Selbstpflegeverhalten sowie die Dosierung der Zytostatika auf Schwere und Verlauf dieser häufigen und schwerwiegenden Nebenwirkung. Erste Ergebnisse sollen Ende dieses Jahres vorliegen, berichtete Nynke de Jong, Maastricht.
An der Mayo-Klinik in Rochester/USA hat eine Evaluationsstudie die Wirkung der Patientenbetreuung durch ein multidisziplinäres onkologisches Rehabilitations-Team untersucht. Die Ergebnisse, so die Pflegeexpertin Janine Kokal, zeigen die Bedeutung der interdisziplinären Kooperation zwischen allen an der Rehabilitation beteiligten Berufsgruppen, um onkologische Patienten bei der Linderung funktionaler Einschränkungen, Fatigue und anderer Behandlungswirkungen zu unterstützen.
Es müssten alle an der Behandlung onkologischer Patienten beteiligten Berufsgruppen befähigt werden, Nebenwirkungsmuster der Patienten individuell zu erkennen, mit wissenschaftlich geprüften Assessmentverfahren zu erfassen und ihnen mit geeigneten fachpflegerischen Interventionen zu begegnen. Diesen Schluss zog Prof. Carol Noll Hoskins, New York, aus einer deskriptiven Studie an 93 Frauen mit Mammakarzinom, die zu mehreren Zeitpunkten im Verlauf eines Jahres nach ihrer Operation bzw. konservativen Behandlung befragt wurden und die zusätzlich zu Hause ein vorstrukturiertes Tagebuch führten. Die Ergebnisse zeigen, dass Fatigue und emotionale Belastung Probleme darstellen, über die alle Frauen unabhängig von der Behandlungsart klagen. Hingegen gibt es andere Muster von Nebenwirkungen und Belastungen, die behandlungsspezifisch auftreten. Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung Ein weiteres Schwerpunktthema des Workshops galt der Qualitätsentwicklung in der onkologischen Pflege. Prof. Dr. Marianne Borneff-Lipp, Direktorin des Instituts für Hygiene der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, stellte die Ergebnisse einer prospektiven klinischen Interventionsstudie vor, die für Medizin und Pflege gleichermaßen von Interesse sind. Anlass gab das Auftreten von Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) auf onkologischen Stationen eines Universitätsklinikums. Ziele waren, die stationsweite endemische Verbreitung von VRE einzudämmen, eine Ausbreitung außerhalb der Stationen zu unterbinden und im Rahmen der Qualitätssicherung ein Frühwarnsystem zu implementieren.
Die Ergebnisse der Studie zeigen zum einen die verursachenden Faktoren der Hygieneprobleme. Ärzte, Pflegende, Physiotherapeuten, Reinigungspersonal wurden aufgrund unzulänglicher Hände-Desinfektion als Überträger der Keime identifiziert. Jedoch auch die Übertragung von Patient zu Patient spielt eine Rolle. Als Ursache wurde die nur teilweise umgesetzte Isolation von VRE-Patienten durch das Stationspersonal festgestellt. Über die Untersuchungszeit von zwei Jahren ergab sich aus der Längsschnittstudie, dass sowohl die Implementierung eines hygienischen Frühwarnsystems als auch die Installierung eines hygienischen Kontrollsystems die Anzahl der nosokomialen Infektionen bei hämatologisch-onkologischen Patienten signifikant eindämmen konnten. Diese Interventionen sind in der Untersuchungsklinik als dauerhafter Bestandteil der klinisch-pflegerischen Qualitätssicherung übernommen worden.

Birgit Krumrei/ra


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