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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

07. Juli 2014 Nachgefragt: Paradigmenwechsel in der Onkologie durch Immuncheckpoint-Inhibitoren

Interview mit Dr. Fouad Namouni, Leiter R&D (Forschung und Entwicklung) Bristol-Myers Squibb Co., New York.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Immunonkologie war wieder eines der Hot Topics beim diesjährigen ASCO - wie erklärt sich der Durchbruch der "Immuncheckpoint-Inhibitoren" für die Tumortherapie?

Namouni:
Letztendlich geht es um die Erkenntnis, dass der menschliche Organismus mit dem Immunsystem über ein natürliches und einzigartiges Verteidigungssystem verfügt, das antitumoral aktiv ist. Es bietet effektive Mechanismen, um Tumorzellen, die wahrscheinlich bei jedem von uns hier und da auftreten, zu erkennen und zu beseitigen. Manche Tumorzellen entziehen sich allerdings der "immune surveillance" und wachsen zu einem Tumor heran. Hier ist das Immunsystem nicht mehr imstande, effektiv gegen ihn vorzugehen. Das verbesserte Verständnis der tumoreigenen Fluchtmechanismen hat uns die Entwicklung von sogenannten "Immuncheckpoint"-Modifiern ermöglicht. Sie zielen auf immunregulatorische Schlüsselproteine wie z.B. das CTLA-4, welches T-Lymphozyten davon abhält, Tumorzellen anzugreifen. Im Zuge der CTLA-4-Blockade können T-Zellen wieder proliferieren, antitumoral aktiv werden und bei einem Teil der Patienten eine Regression des Tumors induzieren.

JOURNAL ONKOLOGIE: Ein weiterer Immuncheckpoint-Inhibitor setzt am PD-1-Checkpoint an - warum spielt dieser "Pathway" eine wichtige Rolle?

Namouni:
Maligne Tumore verfügen ihrerseits über verschiedene Möglichkeiten, sich den aktivierten T-Zellen zu widersetzen: Eine davon ist der "Programmed-Cell-Death"-(PD)-1-Pathway. Über eine vermehrte Exprimierung des inhibitorischen PD-1-Oberflächenmarkers und seines Liganden (PD-L1) können Tumore eine Hemmung der T-Zell-Aktivierung induzieren und die periphere T-Zell-Toleranz so begünstigen, dass der Tumor weiter wachsen kann. Anti-PD-1-gerichtete Substanzen können diesen Signalweg inhibieren, so dass der Tumor dem Immunsystem nicht länger widerstehen kann. Das Schöne an diesem Konzept: Die therapeutische Aktivität richtet sich nicht direkt gegen den Tumor, sondern zielt auf die Reaktivierung bzw. Reinstrumentalisierung des eigenen Immunsystems ab.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wer könnte künftig von anti-PD-1-gerichteten Therapiestrategien profitieren?

Namouni:
Derzeit wird die anti-PD1-gerichtete Therapie bei einem breiten Tumorspektrum evaluiert: Frühe Phase-I-Studien hatten gezeigt, dass der Wirkansatz zum Beispiel auch bei schwerst vorbehandelten Karzinomen der Lunge funktionieren kann, also Tumoren, die klassischerweise nicht als "immunogen" gelten wie etwa das Melanom oder Nierenzellkarzinom. Unser aktuelles Entwicklungsprogramm umfasst mehr als 35 Studien, die u.a. Patienten mit Tumoren des Gastrointestinaltrakts, gynäkologischen oder auch hämatologischen Malignomen einschließen, wobei der PD-1-Immuncheckpoint-Inhibitor allein oder in Kombination mit Ipilimumab sowie auch anderen, neuen Kombinationsansätzen exploriert wird. Dabei kommt uns entgegen, dass wir im Umgang mit immunonkologischen Therapieansätzen bereits über viele Erfahrungen und Expertise verfügen. Sollten sich die ersten vielversprechenden Phase-I-Daten auch durch Phase-III-Daten bestätigen, könnten sich die Therapiechancen für Krebspatienten in mehreren Teilbereichen indikationsübegreifend verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch!


* Informationen für Text und Interview wurden weder von Bristol-Myers Squibb München/Deutschland zur Verfügung gestellt noch gesehen: Alle Angaben stammen aus den offiziellen internationalen Presseinfos, die Bristol-Myers Squibb am 15.05.14 freigab und dem persönlichen Telefon-Interview mit Dr. Fouad Namouni, R&D Bristol-Myers Squibb Co, das die US-Zentrale von Bristol-Myers Squibb im Vorfeld ermöglicht hat).


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