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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juni 2018
Seite 2/2




Wirksam und verträglich?
 
Unter der Kombinationstherapie Lenvatinib + Everolimus treten Nebenwirkungen vor allem in den ersten Wochen nach Behandlungsbeginn auf (1). Dabei gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen aller Grade Diarrhoe, verminderter Appetit, Fatigue/Asthenie, Übelkeit und Erbrechen (2). „Insgesamt sind die Nebenwirkungen der Grade 3 und 4 kaum höher als bei vergleichbaren Monotherapien“, kommentiert PD Dr. Manfred Johannsen, Berlin, die Zahlen zur Verträglichkeit der Kombinationstherapie. Doch auch Nebenwirkungen 1. und 2. Grades können den Patienten belasten und behandlungsbedürftig werden, vor allem wenn sie dauerhaft bestehen (Tab. 1). Damit es dennoch nicht zum Therapieabbruch kommt, ist eine intensive Aufklärung und Vorbereitung des Patientensowie dessen Motivierung zur Mitwirkung am Therapieerfolg notwendig.
 
Tab. 1: Auswahl häufiger Nebenwirkungen unter Lenvatinib + Everolimus , die bereits bei Grad 1-2 behandlungsbedürftig sind bzw. sein können (mod. nach (2)).
Nebenwirkung n (%) Grad 1-2 Grad 3 Grad 4
Diarrhoe 33 (65) 10 (20) 0
Fatigue/Asthenie 23 (45) 7 (14) 0
Erbrechen 19 (37) 3 (6) 0
Übelkeit 18 (35) 3 (6) 0
Stomatitis 15 (29) 0 0
Hypertonie 14 (27) 7 (14) 0
 
 

Ziel: Therapieadhärenz
 
Um beim Patienten Therapieakzeptanz und somit auch Therapieadhärenz beim Auftreten von Unverträglichkeiten zu erreichen, ist ein effektives Therapiemanagement erforderlich. Dieses beinhaltet die Arzt-Patienten-Kommunikation sowie das Vorbeugen, Erkennen und Behandeln von Nebenwirkungen (7). Präventive Maßnahmen und therapeutische Interventionen sind unter Mitwirkung des Patienten oft einfach umzusetzen (Tab. 2). Leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen (Grad 1-2) erfordern i. d. R. keine Dosisanpassung oder Unterbrechung der Therapie. Erst wenn die Nebenwirkungen trotz optimaler Behandlung schwerwiegend (≥ 3. Grades) oder für den Patienten nicht tolerierbar sind, kann eine Unterbrechung, Dosisanpassung oder ein Absetzen der Therapie erforderlich sein (1).
Patienten, die bereits vor Behandlungsbeginn darüber aufgeklärt worden sind, welche Nebenwirkungen möglicherweise auftreten und wie man diesen entgegenwirken kann, sind oft weniger geneigt wegen unerwünschter oder unerwarteter Arzneimittelwirkungen die Therapie von sich aus abzubrechen. Auch sollten die Patienten ermutigt werden, bei Nebenwirkungen oder anderen Auffälligkeiten unverzüglich den Arzt zu informieren oder die Praxis aufzusuchen. „Eine gute Kommunikation mit dem Patienten, Aufklärung, präventive Maßnahmen, Behandlung von Nebenwirkungen, ggf. Dosisreduktionen und -unterbrechungen sowie engmaschige Kontrollen sind geeignet und erforderlich, um beim Patienten Therapieadhärenz zu erreichen. Nur mit einem proaktiven Therapiemanagement können wir als behandelnde Ärzte sicherstellen, dass Patienten, bei denen die Therapie wirksam ist, auch lange von dieser profitieren“, begründet Johannsen die Notwendigkeit eines konsequenten Nebenwirkungsmanagements.
 
 
Tab. 2: Maßnahmen zur Prävention und Therapie ausgewählter Nebenwirkungen gemäß Tabelle 1.
Nebenwirkung Präventive und therapeutische Maßnahmen
Hypertonie Blutdruck vor Therapie kontrollieren und ggf. einstellen, erneute überprüfung nach der 1. Behandlungswoche, anschließend in den ersten 2 Monaten alle 14 Tage, dann monatlich, ggf. antihypertensive Behandlung (1, 8)
Diarrhoe Vorbeugend häufige kleine leichte Mahlzeiten/Schonkost, Diarrhoe jeden Grades umgehend behandeln: Loperamid bei Grad 1-2, ab Grad 3 zusätzlich Octreotid (9)
Fatigue/Asthenie Mögliche andere Ursachen abklären, Patienten empfehlen, körperlich aktiv zu bleiben und feste Ruhezeiten einzuplanen (7, 9)
Übelkeit/Erbrechen Vorbeugend häufige kleine Mahlzeiten, antiemetische Prophylaxe in Abhängigkeit von patientenindividuellen Risikofaktoren, ggf. antiemetische Behandlung (9)
Stomatitis/Mukositis Vorbeugung und Behandlung durch häufige und sanfte Mundpflege, Arzneitees, mildes weiches Essen, milde Getränke, Vermeidung harter Speisen, sowie scharfer, saurer, heißer oder sehr kalter Speisen und Getränke, ggf. Behandlung mit Anästhetika, Antiinfektiva und/oder Antimykotika (9)
 
 
Fazit
 
Die Kombinationstherapie Lenvatinib + Everolimus zeigte bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem RCC eine enorme PFS-Verlängerung und eine hohe Ansprechrate bei handhabbarem Toxizitätsprofil. Damit die hohe Wirksamkeit nicht zu Lasten der Verträglichkeit geht, sind eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation und ein gemeinsam mit dem Patienten gestaltetes Therapiemanagement essentiell. Nur so kann der Patient jede Therapielinie bei bestmöglicher Lebensqualität voll ausschöpfen.
 

Mit freundlicher Unterstützung der Eisai GmbH

Dr. Jeannine Gaber

Literatur:

(1) Fachinformation Kisplyx® 4mg/10mg Hartkapseln, Stand: März 2017.
(2) Motzer RJ et al. Lancet Oncol 2015 Nov;16(15):1473-82.
(3) Pressemitteilung der Eisai Co., Ltd. vom 15.09.16.
(4) Fachinformation Afinitor® 2,5 mg/5 mg/10 mg Tabletten, Stand Mai 2016.
(5) Adachi Y et al. AACR Annual Meeting 2016, Abstract 3264.
(6) Matsuki M et al. Cancer Sci 2017 Jan 20. (epub ahead of print).
(7) Grünwald V et al. World J Urol 2010;28:343-51.
(8) Ancker OV et al. Int J Mol Sci 2017 Mar 14;18(3). pii: E625.
(9) S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 1.1, 04/2017.

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