Montag, 13. Juli 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juni 2018
Seite 2/2




Wirksam und verträglich?
 
Unter der Kombinationstherapie Lenvatinib + Everolimus treten Nebenwirkungen vor allem in den ersten Wochen nach Behandlungsbeginn auf (1). Dabei gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen aller Grade Diarrhoe, verminderter Appetit, Fatigue/Asthenie, Übelkeit und Erbrechen (2). „Insgesamt sind die Nebenwirkungen der Grade 3 und 4 kaum höher als bei vergleichbaren Monotherapien“, kommentiert PD Dr. Manfred Johannsen, Berlin, die Zahlen zur Verträglichkeit der Kombinationstherapie. Doch auch Nebenwirkungen 1. und 2. Grades können den Patienten belasten und behandlungsbedürftig werden, vor allem wenn sie dauerhaft bestehen (Tab. 1). Damit es dennoch nicht zum Therapieabbruch kommt, ist eine intensive Aufklärung und Vorbereitung des Patientensowie dessen Motivierung zur Mitwirkung am Therapieerfolg notwendig.
 
Tab. 1: Auswahl häufiger Nebenwirkungen unter Lenvatinib + Everolimus , die bereits bei Grad 1-2 behandlungsbedürftig sind bzw. sein können (mod. nach (2)).
Nebenwirkung n (%) Grad 1-2 Grad 3 Grad 4
Diarrhoe 33 (65) 10 (20) 0
Fatigue/Asthenie 23 (45) 7 (14) 0
Erbrechen 19 (37) 3 (6) 0
Übelkeit 18 (35) 3 (6) 0
Stomatitis 15 (29) 0 0
Hypertonie 14 (27) 7 (14) 0
 
 

Ziel: Therapieadhärenz
 
Um beim Patienten Therapieakzeptanz und somit auch Therapieadhärenz beim Auftreten von Unverträglichkeiten zu erreichen, ist ein effektives Therapiemanagement erforderlich. Dieses beinhaltet die Arzt-Patienten-Kommunikation sowie das Vorbeugen, Erkennen und Behandeln von Nebenwirkungen (7). Präventive Maßnahmen und therapeutische Interventionen sind unter Mitwirkung des Patienten oft einfach umzusetzen (Tab. 2). Leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen (Grad 1-2) erfordern i. d. R. keine Dosisanpassung oder Unterbrechung der Therapie. Erst wenn die Nebenwirkungen trotz optimaler Behandlung schwerwiegend (≥ 3. Grades) oder für den Patienten nicht tolerierbar sind, kann eine Unterbrechung, Dosisanpassung oder ein Absetzen der Therapie erforderlich sein (1).
Patienten, die bereits vor Behandlungsbeginn darüber aufgeklärt worden sind, welche Nebenwirkungen möglicherweise auftreten und wie man diesen entgegenwirken kann, sind oft weniger geneigt wegen unerwünschter oder unerwarteter Arzneimittelwirkungen die Therapie von sich aus abzubrechen. Auch sollten die Patienten ermutigt werden, bei Nebenwirkungen oder anderen Auffälligkeiten unverzüglich den Arzt zu informieren oder die Praxis aufzusuchen. „Eine gute Kommunikation mit dem Patienten, Aufklärung, präventive Maßnahmen, Behandlung von Nebenwirkungen, ggf. Dosisreduktionen und -unterbrechungen sowie engmaschige Kontrollen sind geeignet und erforderlich, um beim Patienten Therapieadhärenz zu erreichen. Nur mit einem proaktiven Therapiemanagement können wir als behandelnde Ärzte sicherstellen, dass Patienten, bei denen die Therapie wirksam ist, auch lange von dieser profitieren“, begründet Johannsen die Notwendigkeit eines konsequenten Nebenwirkungsmanagements.
 
 
Tab. 2: Maßnahmen zur Prävention und Therapie ausgewählter Nebenwirkungen gemäß Tabelle 1.
Nebenwirkung Präventive und therapeutische Maßnahmen
Hypertonie Blutdruck vor Therapie kontrollieren und ggf. einstellen, erneute überprüfung nach der 1. Behandlungswoche, anschließend in den ersten 2 Monaten alle 14 Tage, dann monatlich, ggf. antihypertensive Behandlung (1, 8)
Diarrhoe Vorbeugend häufige kleine leichte Mahlzeiten/Schonkost, Diarrhoe jeden Grades umgehend behandeln: Loperamid bei Grad 1-2, ab Grad 3 zusätzlich Octreotid (9)
Fatigue/Asthenie Mögliche andere Ursachen abklären, Patienten empfehlen, körperlich aktiv zu bleiben und feste Ruhezeiten einzuplanen (7, 9)
Übelkeit/Erbrechen Vorbeugend häufige kleine Mahlzeiten, antiemetische Prophylaxe in Abhängigkeit von patientenindividuellen Risikofaktoren, ggf. antiemetische Behandlung (9)
Stomatitis/Mukositis Vorbeugung und Behandlung durch häufige und sanfte Mundpflege, Arzneitees, mildes weiches Essen, milde Getränke, Vermeidung harter Speisen, sowie scharfer, saurer, heißer oder sehr kalter Speisen und Getränke, ggf. Behandlung mit Anästhetika, Antiinfektiva und/oder Antimykotika (9)
 
 
Fazit
 
Die Kombinationstherapie Lenvatinib + Everolimus zeigte bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem RCC eine enorme PFS-Verlängerung und eine hohe Ansprechrate bei handhabbarem Toxizitätsprofil. Damit die hohe Wirksamkeit nicht zu Lasten der Verträglichkeit geht, sind eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation und ein gemeinsam mit dem Patienten gestaltetes Therapiemanagement essentiell. Nur so kann der Patient jede Therapielinie bei bestmöglicher Lebensqualität voll ausschöpfen.
 

Mit freundlicher Unterstützung der Eisai GmbH

Dr. Jeannine Gaber

Literatur:

(1) Fachinformation Kisplyx® 4mg/10mg Hartkapseln, Stand: März 2017.
(2) Motzer RJ et al. Lancet Oncol 2015 Nov;16(15):1473-82.
(3) Pressemitteilung der Eisai Co., Ltd. vom 15.09.16.
(4) Fachinformation Afinitor® 2,5 mg/5 mg/10 mg Tabletten, Stand Mai 2016.
(5) Adachi Y et al. AACR Annual Meeting 2016, Abstract 3264.
(6) Matsuki M et al. Cancer Sci 2017 Jan 20. (epub ahead of print).
(7) Grünwald V et al. World J Urol 2010;28:343-51.
(8) Ancker OV et al. Int J Mol Sci 2017 Mar 14;18(3). pii: E625.
(9) S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 1.1, 04/2017.

Nächste Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Individualisierte Schmerztherapie

Individualisierte Schmerztherapie
© Dan Race / Fotolia.com

Schmerz ist eine komplexe Empfindung. Der menschliche Körper besitzt ein weitverzweigtes Netzwerk aus Schmerzrezeptoren und Schmerzleitungen.  Schmerzen können bei Krebserkrankungen durch das Wachstum eines Tumors oder auch durch unerwünschte Begleiterscheinungen von Therapien verursacht werden.  Um das Schmerzerleben adäquat behandeln zu können, ist es notwendig, eine individuelle Schmerztherapie durchzuführen. Die Mitarbeit der Betroffenen ist dabei...

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf
© littlebelli / Fotolia.com

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine sehr komplexe und aggressive Erkrankung, häufig mit einer ungünstigen Prognose. Oft bleiben nach dem ersten Schock für die Patienten viele Fragen im Arzt-Patientengespräch ungestellt oder die Betroffenen können nicht alle Informationen aufnehmen und verarbeiten. Auf der Patientenwebsite www.krebsratgeber.de von Janssen können Betroffene gezielt Antworten rund um das Thema AML in expertengeprüften...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Kombinationstherapie – Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden