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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Dezember 2014 Finale Auswertung der CLEOPATRA-Studie beim HER2-positiven mBC

Patientinnen überleben fast fünf Jahre mit Pertuzumab/Trastuzumab und Docetaxel

Die finale Auswertung der CLEOPATRA-Studie (1) zum Gesamtüberleben der Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom bestätigt die doppelte Antikörper-Blockade mit Pertuzumab/Trastuzumab plus Docetaxel als Erstlinien-Standard für diese Patientinnen. Im Median überlebten die Patientinnen fast fünf Jahre und damit im Median fast 1,5 Jahre länger als die Patientinnen im Kontrollarm, die mit Trastuzumab/Docetaxel alleine behandelt wurden.

"Es gibt derzeit keine andere Erstlinien-Behandlung, die für besagte Patientin-nen eine vergleichbar lange mediane Überlebenszeit erreicht hat. Wir haben einen bedeutenden Zugewinn an Lebenszeit für unsere Patientinnen erreicht. Das sind phänomenale Ergebnisse, die uns und unseren Patientin-nen Hoffnung geben", erläuterte Prof. Andreas Schneeweiss, Heidelberg.

PFS-Vorteil erneut bestätigt

Für die 2-armige randomisierte Phase-III-Studie CLEOPATRA (2) waren insgesamt 808 Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom mit Trastuzumab/Docetaxel ± Pertuzumab bzw. Placebo behandelt worden. Die Studienpatientinnen durften für die metastasierte Erkrankung keine Chemotherapie und keine anti-HER2-gerichtete Substanz erhalten haben. Primärer Studienendpunkt war die progressionsfreie Überlebenszeit (PFS), die durch ein unabhängiges Expertengremium validiert wurde. Hier hatte sich bereits in der ersten Interimsanalyse ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten der zusätzlich mit Pertuzumab behandelten Patientinnen gezeigt (6,1 Monate; HR 0,62; p<0,0001) (2). Dieser wurde im Rahmen der aktuellen Auswertung erneut bestätigt (6,3 Monate; HR 0,68; p<0,0001) (1).

Medianer Überlebensvorteil von fast 16 Monaten

Die Gesamtüberlebenszeit war ein sekundärer Studienendpunkt. Im Rahmen der vorangegangenen Auswertungen (2, 3) hatte sich ein statistisch signifikanter medianer Überlebensvorteil angedeutet. Bislang war jedoch die für eine valide Auswertung benötigte Anzahl der Ereignisse (n=385) nicht erreicht worden. Die finale Analyse basiert auf einer medianen Nachbeobachtungszeit von 50 Monaten und zeigt für die Patientinnen unter doppelter Antikörper-Blockade eine statistisch signifikante Verlängerung der mediane Gesamtüberlebenszeit auf 56,5 Monate im Vergleich zu 40,8 Monate im Kontrollarm (HR 0,68; p=0,0002; Abb. 1). Der mediane Überlebensvorteil beträgt damit fast 16 Monate. Auffällig ist, so Schneeweiss, dass die beiden Kaplan-Meier-Kurven zum Gesamtüberleben nach wie vor nicht zusammenlaufen, und dass sich sogar ein Plateau auszubilden scheint.

 

Abb. 1: Unter doppelter Antikörper-Blockade mit Pertuzumab/Trastuzumab plus Docetaxel überleben die Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom im Median fast 16 Monate länger als die Patientinnen, die kein Pertuzumab erhalten haben (mod. nach (1)). KI=Konfidenzintervall; Pla=Placebo; Ptz=Pertuzumab.
 

Der Überlebensvorteil zeigte sich konsistent auch im Rahmen der Subgruppenanalysen - unter anderem unabhängig vom Alter der Patientin, der (neo)adjuvanten Vorbehandlung und dem Hormonrezeptor(HR)-Status. Für die Therapieentscheidung ist es daher unerheblich, ob die Patientin adjuvant bzw. neoadjuvant bereits ein Taxan oder eine anti-HER2-gerichtete Therapie erhalten hat. Auch ein höheres Lebensalter ist per se kein Ausschlusskriterium. Besteht eine Chemotherapie-Indikation ist die doppelte Antikörper-Blockade mit Pertuzumab/Trastuzumab plus Docetaxel für Patientinnen mit HER2-positivem und Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom genauso Therapie der Wahl für die Erstlinienbehandlung wie für Patientinnen mit negativem Hormonrezeptor-Status, betonte Schneeweiss. Die Chemotherapie-Indikation ist aufgrund der aggressiven Tumorbiologie des HER2-positiven Mammakarzinoms bei fast allen Patientinnen mit positivem Hormonrezeptor-Status gegeben.

Gute Verträglichkeit von Pertuzumab/Trastuzumab

Die hohe Wirksamkeit der doppelten Antikörper-Blockade wurde, so Schneeweiss, nicht durch Nebenwirkungen erkauft. Nur während der Chemotherapie-Phase kam es zu einer diskreten Zunahme einzelner Nebenwirkungen. Primär waren Haut und Schleimhäute betroffen. Außerdem zeigte sich ein vermehrter Abfall der weißen Blutkörperchen. Alle Nebenwirkungen ließen und lassen sich jedoch klinisch handhaben, erläuterte Schneeweiss. Da es etwas häufiger zu Diarrhoen kommt, empfiehlt Schneeweiss, der Patientin prophylaktisch ein Loperamid-Rezept mitzugeben. Nach Abschluss der Chemotherapie war die Nebenwirkungsrate unter der alleinigen doppelten Antikörper-Blockade nicht erhöht, betonte Schneeweiss. Auch die kardiale Verträglichkeit war gut und im Pertuzumab-Arm tendenziell sogar besser.

Empfehlung der AGO-Leitlinie bestätigt

Laut Schneeweiss sind das beeindru-ckende Ergebnisse, die die aktuelle Therapieempfehlung der AGO und damit auch die klinische Praxis in Deutschland bestätigen. Die AGO empfiehlt die doppelte Antikörper-Blockade mit Pertuzumab/Trastuzumab in Kombination mit Docetaxel in ihrer aktuellen AGO-Therapieleitlinie auf hohem Evidenzniveau als einziges Erstlinien-Regime mit Doppelplus (4). Schneeweiss: "Wir haben mit Pertuzumab/Trastuzumab und Docetaxel eine neue Standardtherapie für die Erstlinien-Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem metastasierten Mammakarzinom."

Birgit-Kristin Pohlmann

Roche-Pressebriefing: "Long-term follow-up from CLEOPATRA study", im Rahmen des ESMO, Madrid, 28.09.2014

Literaturhinweise:

(1) Swain S et al. ESMO/ECCO-Jahrestagung 2014; #3500.
(2) Baselga J et al. NEJM 2012; 365:109-119.
(3) Swain S et al. Lancet Oncol. 2013; 14:461-71.
(4) www.ago-online.de


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