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Medizin
26. August 2015

67. Urologen-Kongress thematisiert kontinenten Harnblasenersatz

Harnblasenkrebs ist mit jährlich rund 28.000 Neuerkrankungen der zweithäufigste urologische Tumor. Muss die Blase wegen einer fortgeschrittenen Erkrankung entfernt werden, kann der kontinente Harnblasenersatz die Lebensqualität weitestgehend erhalten und stellt für viele Patienten die beste Behandlungsoption dar. DGU- und Kongresspräsident Prof. Stephan Roth thematisiert die komplexe Operationstechnik auf dem 67. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 23. bis 26. September 2015 im Hamburger Congress Center (CCH), denn er fürchtet um den Erhalt dieser rekonstruktiven operativen Expertise.

„Natürlich können Ersatzblasen nie so gut sein wie die eigene gesunde Blase, aber sie ermöglichen den Patienten einen zufriedenstellenden Ersatz ohne das Stigma des Urinbeutels. Besonders jüngere Patienten und Patientinnen profitieren bei einer kontinenten Harnableitung von einer hohen Lebensqualität; die körperliche Integrität bleibt erhalten, sie können Sport treiben, sogar unbelastet Schwimmen gehen“, sagt Roth.
 
Bei der funktionserhaltenden Operation kann der Blasenersatz an die Harnröhre angeschlossen werden, sodass der Patient auf natürlichem Wege Wasser lassen kann. Dieses Verfahren bietet sich vorwiegend bei Männern an. Außerdem gibt es die Darmersatzblase mit kontinentem Nabelanschluss, die sogenannte Bauchnabelblase. Bei der Frau ist dieser Blasenersatz die Urinableitung der ersten Wahl. DGU- und Kongresspräsident Roth: „Hierbei wird ebenfalls aus Darm ein Reservoir konstruiert, das dann über ein Darmsegment dergestalt im Bauchnabel verbunden wird, dass die Patientin keinen Urin verliert, sondern alle 3-5 Stunden schmerzfrei über einen kleinen Katheter aktiv den Urin ablässt.“
 
Vor allem die letztgenannte Methode ist ein komplexes operatives Verfahren. „Gerade die deutsche Urologie hat auf diesem Gebiet unglaublich viele Techniken entwickelt“, so Roth. „Allerdings muss ich mit Bestürzung feststellen, dass dieses operative Wissen und die operativen Fähigkeiten mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten drohen. Ob dies kritischeren Indikationen, Veränderungen in der operativen Weiterbildung, der aufwendigen Technik oder dem Zeitdruck und damit der Ökonomisierung in den urologischen Kliniken geschuldet ist, wollen wir auf dem Hamburger DGU-Kongress in einem eigenen Forum diskutieren.“ Roth sieht die operative Urologie hier an einem Scheideweg: „Wir dürfen die große urologische Expertise in der Rekonstruktion von Harnblasen unseren Patienten, darunter sind auch viele junge Frauen mit fortgeschrittenen gynäkologischen Tumoren mit Blasenbeteiligung, auch in der Zukunft nicht vorenthalten. Sie bedeutet für viele Betroffene entscheidende Lebensqualität. Wir operativen Lehrer müssen dieses Problem deshalb bei der Gestaltung des Generationenwechsels thematisieren.“

Quelle: DGU


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