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Medizin

24. Juli 2019 PD-1-Inhibitor Cemiplimab beim fortgeschrittenen cSCC zugelassen

Der PD-1-Inhibitor Cemiplimab (Libtayo®) ist die erste zugelassene Immuntherapie zur Behandlung des fortgeschrittenen kutanen Plattenepithelkarzinoms (cSCC) und damit zugleich die bislang einzige evidenzbasierte Systemtherapie für diese Erkrankung. In der zulassungsrelevanten Studie EMPOWER-cSCC-1 erreichte Cemiplimab bei diesen Patienten eine klinisch bedeutsame Ansprechrate mit lang anhaltender Krankheitskontrolle (1).
Die Zulassung von Cemiplimab umfasst das metastasierte cSCC sowie das lokal fortgeschrittene cSCC, die beide mit lokalen Maßnahmen, Operation oder Strahlentherapie nicht mehr kurativ behandelbar sind. Für diese Patienten ist die Zulassung von hoher Relevanz, betonte Prof. Dr. Axel Hauschild, Universitätshautklinik Kiel, auf einer Pressekonferenz von Sanofi Genzyme in München. Denn bislang gab es für diese Patienten keine zugelassene, evidenzbasierte Systemtherapie. Mit nur mäßigem Erfolg wurden Platin-, Taxan- und/oder Fluoroupyrimidin-basierte Chemotherapien sowie EGFR-gerichtete Substanzen eingesetzt, schilderte Hauschild seine Beobachtungen. Cemiplimab biete den Patienten dagegen die Chance auf eine vergleichsweise lange progressionsfreie Zeit mit lang anhaltender Krankheitsstabilisierung (1). Das alles bei insgesamt guter Verträglichkeit und ohne invasiven Eingriff – gerade für die mehrheitlich älteren Patienten seien dies wichtige Vorteile, so die Erfahrungen von Hauschild.

Cemiplimab aktiviert das Immunsystem

Der PD-1-Inhibitor Cemiplimab ist ein hochaffiner und vollständig humaner monoklonaler IgG4-Antikörper, der in der Lage ist, das vom Tumor inaktivierte körpereigene Immunsystem zu reaktivieren. Dies geschieht, indem die Substanz an die PD-1-Rezeptoren auf den T-Zellen bindet und so die Interaktion des PD-1-Rezeptors mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2 blockiert. Durch die PD-1-Blockade gelingt es, die anti-tumorale Antwort der T-Zellen zu reaktivieren und die normale Abwehrreaktion des Körpers, die sogenannte Immunosurveillance, wiederherzustellen.

Anhaltende Krankheitskontrolle trotz fortgeschrittener Erkrankung

Die Zulassung von Cemiplimab basiert auf der Phase-II-Studie EMPOWER-cSCC-1 (2,3) sowie 2 Expansionskohorten einer multizentrischen Phase-I-Studie (4). Zusammen genommen ist dies derzeit der größte prospektive Datensatz zu Patienten mit fortgeschrittenem cSCC (1). Das cSCC der Studienpatienten war entweder metastasiert oder die Patienten hatten ein lokal fortgeschrittenes cSCC und eine kurative Operation kam nicht in Betracht. Obwohl in die Phase-I-Studie überwiegend ältere Patienten eingeschlossen wurden, die mehrheitlich systemisch oder mittels Bestrahlung vorbehandelt waren, erreichten insgesamt etwa 50% eine objektive Tumorrückbildung (ORR) und 57,7% eine dauerhafte Krankheitskontrolle. In der nicht-randomisierten Phase-II-Studie (Studie 1540) erreichten 47,5% der bereits fernmetastasierten und 43,5% der Patienten mit lokal fortgeschrittenem cSCC eine objektive Tumorrückbildung (ORR, nach RECIST 1.1; primärer Studienendpunkt) bei einer dauerhaften Krankheitskontrollrate von 61,9% bzw. 69,6%. Das aktuelle Studien-Update zeigt, dass in der metastasierten Kohorte nach 2 Jahren noch 70,6% der Patienten am Leben waren bei einer medianen progressionsfreien Zeit von 18,4 Monaten (5). Für die lokal fortgeschrittene Erkrankung sind diese Daten noch nicht erreicht. Hauschild wies darauf hin, dass das Ansprechen auf Cemiplimab unabhängig vom PD-L1-Expressionslevel des cSCC-Tumors ist (6).

Cemiplimab erfüllt einen medical need

Die Zulassung von Cemiplimab ist deshalb wichtig, weil die Inzidenz des cSCC deutlich ansteige (7), erläuterte Prof. Dorothée Nashan, Klinikum Dortmund, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster. Eine der wichtigsten Ursachen für ein cSCC ist UV-Licht, so die Expertin. Risikofaktoren für lokale Rezidive bzw. eine Fernmetastasierung sind die Lokalisation an Unterlippe und Ohren, eine Tumordicke von ≥ 6 mm und ein Tumordurchmesser ≥ 2 cm sowie eine ungünstige Histologie. Ein zum Teil deutlich erhöhtes Risiko haben zudem immunsupprimierte Patienten. Frühzeitig erkannt lasse sich ein cSCC problemlos operativ entfernen. Im fortgeschrittenen Stadium sei das cSCC aber nur schwer zu therapieren, da es aggressiv und invasiv wachse. Typisch für das fortgeschrittene cSCC sei eine hohe Mutationslast (8), die mit einer hohen Expression von Neoantigenen einhergehe, die dem körpereigenen Immunsystem als Target dienen. Die Immuntherapie mit Cemiplimab sei daher eine wichtige neue Option, bestätigte Nashan.

Quelle: Sanofi

Literatur:

(1) Midgen MR et al. NEJM 2018, 379: 341-51.
(2) Rischin D et al. JCO ASCO 2018, 36: 9519a.
(3) Migden MR et al. EADV, Paris/Frk, e-Poster: P0668.
(4) Owonikoko TK et al. JCO ASCO 2018, 36: 9557a.
(5) Guminski A et al. JCO ASCO 2019, 37: 9526.
(6) Papadopoulos KP et al. JCO ASCO 2017, 35: 9503a.
(7) Blaue Ratgeber der DKG 2018.
(8) Yarchoan M et al. NEJM 2017, 377: 2500-01.


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