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Medizin
Individuelle Krebs-Behandlung 15. Juli 2013

Patienten profitieren von Misteltherapie in Ergänzung zu Chemotherapie und Bestrahlung

"Nach einer Untersuchung von Fasching et al. wenden 50% aller Brustkrebs-Patientinnen neben ihrer konventionellen Therapie auch komplementäre Behandlungsverfahren an, davon ein Drittel die Misteltherapie"*, sagte Dr. med. Matthias Rostock, Universitätsspital Zürich. "Krebspatienten wissen um die teils starken Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie und die damit verbundene Einschränkung ihrer Lebensqualität. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Betroffene eine Erweiterung der Behandlungsoptionen suchen, die Zusatznutzen bringt und durch die sie einen Teil der verloren gegangenen Lebensqualität wiedererlangen können", sagte Dr. Daniela Paepke, München. Die Beratung der Patientinnen über CAM (Complementary and Alternative Medicine) fand in den Kliniken bislang entweder gar nicht oder nur mangelhaft statt. Hier hat jedoch ein Umdenken stattgefunden: Immer mehr spezialisierte Tumorkliniken haben die ganzheitliche Medizin in ihren Therapieplan mit aufgenommen.

"Patienten berichten immer wieder, dass erst ein individuell zusammengestelltes Therapiekonzept ihnen eine Tumorbehandlung erträglich und längerfristig durchführbar gemacht habe. Typische Behandlungsanlässe für eine Misteltherapie sind supportive und palliative Situationen sowie Versuche, Wachstum und Ausbreitung eines Tumors zu beeinflussen", erläuterte Rostock. Mistelpräparate gehören zu den am besten untersuchten Arzneimitteln in der Komplementärmedizin. 130 Studien wurden durchgeführt, 84 davon mit Iscador®.

Cochrane Review zeigt Benefit

Ein Review für die Cochrane Collaboration von 2008 hat die Ergebnisse der bis dahin durchgeführten prospektiv randomisierten Therapiestudien analysiert. Zwölf Studien hatten die Arzneimittelsicherheit überprüft und kamen zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Präparate gut verträglich waren. 13 Studien hatten einen möglichen Effekt des jeweils verwandten Präparates auf die Überlebenszeit untersucht, sechs davon mit positivem Resultat, sieben mit Null-Ergebnis. Von 16 Studien, die eine mögliche Wirksamkeit auf die Lebensqualität der Patienten bzw. eine Reduktion der durch eine parallel verabreichte antitumorale Behandlung bedingte Nebenwirkungen überprüft hatten, ergaben 14 Studien zumindest einen Hinweis auf einen möglichen Benefit. "Generell wurde die methodische Qualität bei vielen Studien bemängelt", sagte Rostock, "wobei zwei größere Studien, die einen positiven Effekt des verwandten Mistelpräparates auf die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen unter chemotherapeutischer Behandlung ergeben hatten, diesbezüglich als qualitativ höher eingeschätzt worden waren. Eine darauf aufbauende prospektive, randomisierte Studie mit Brustkrebspatientinnen unter Anthrazyklin-haltiger Chemotherapie konnte diese Ergebnisse bestätigen und ergab zusätzlich einen Hinweis darauf, dass Mistelpräparate möglicherweise das Auftreten einer Neutropenie unter Chemotherapie verringern könnten."

Ein Vorteil durch diese Therapie konnte in fast allen Untersuchungen gezeigt werden. Exemplarisch sei eine prospektive, randomisierte, offene Pilotstudie zur Lebensqualität und Neutropenie bei Patientinnen mit Mammakarzinom nach Operation angeführt: Insgesamt 95 Patientinnen wurden in drei Gruppen randomisiert und erhielten über drei Wochen sechs Zyklen mit Cyclophosphamid, Adriamycin und 5-Fluoruracil. Eine Gruppe erhielt zusätzlich Iscador M® spezial, eine weitere ein anderes Mistelpräparat. Die Lebensqualität wurde mit Hilfe des standardisierten EORTC-Fragebogens (European Organization for Research and Treatment of Cancer) erfasst. Zusätzlich wurde das Auftreten von Neutropenien innerhalb der Gruppen verglichen. In der Iscador®-Gruppe wurde zum Studienende eine bessere Lebensqualität festgestellt. Bei 12 Scores zeigte sich ein signifikanter Unterschied (p < 0,02), der in 9 Scores auch klinisch relevant war. Diese waren Rollenfunktion, emotionale Funktion, soziale Funktion, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit, mangelnder Appetit, Diarrhö und finanzielle Sorgen. Eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten war bei nur 3 Iscador®-Patientinnen aufgetreten (vs. 8 in der Kontroll-Gruppe). Insgesamt wurde die Therapie gut vertragen. In einer Follow up-Studie  wurden die Patientinnen über einen Zeitraum von fünf Jahren nachbeobachtet. Dabei erhielt keine der Patientinnen die Iscador®-Therapie nach dem Ende der Chemotherapie weiter verabreicht, aber ein Teil der Patientinnen beider Gruppen erhielt eine Hormon- oder Strahlentherapie. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die parallel zur Chemotherapie verabreichte Iscador®-Therapie keinen Einfluss auf die Fünf-Jahres Überlebenszeit hatte, es also keinen Anhaltspunkt dafür gab, dass die während der Chemotherapie verabreichte Iscador®-Therapie in irgendeiner Weise negative Wechselwirkungen zur Chemotherapie mit sich bringt. Andererseits war dieser Therapiezeitraum vermutlich zu kurz, um das Auftreten von Rezidiven oder Metastasen zu verzögern. Aber es zeigte sich, dass eine ergänzende Iscador®-Therapie während Chemotherapie einem Therapieabbruch der Patientinnen oder Verschieben der Chemotherapiezyklen entgegenwirken kann, da die Chemotherapie durch die Gabe von Mistelextrakten besser verträglich ist.   

"Die bis heute vorliegenden wissenschaftlichen Daten zur Misteltherapie reichen nicht dafür aus, dass sie zum Therapiestandard in der Onkologie gezählt würde. Dennoch zählen Mistelpräparate im deutschsprachigen Raum zu den am meisten im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung verordneten Arzneimitteln und werden - zumindest beim Vorliegen einer palliativen Therapiesituation mit fortgeschrittener Tumorerkrankung - auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Indikation zur Durchführung einer Misteltherapie sollte daher vom behandelnden Therapeuten jeweils individuell gemeinsam mit dem gut und objektiv informierten Patienten unter kritischer Abwägung diskutiert und gegebenfalls gestellt werden", schloss Rostock.

*Die Misteltherapie geht auf Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie zurück, der vor knapp 100 Jahren zusammen mit der Ärztin Ita Wegman das erste Mistelpräparat zur Injektion entwickelte. Die anthroposophischen Mittel werden streng nach Wirtsbäumen getrennt (u. a. M für Malus = Apfelbaum, P für Pinus = Kiefer, Qu für Quercus = Eiche, A für Abies = Tanne) und nach Mistelextraktkonzentrationen gestaffelt, wobei es zur individuellen Dosierung Serienpackungen mit ansteigendem Wirkstoffgehalt gibt. Im Gegensatz zu den anthroposophischen Medikamenten liegt das Phytotherapeutikum Lektinol® (der Extrakt stammt von der Pappelmistel) lediglich in einer Wirkstoffkonzentration vor, normiert auf den Gehalt an aktivem Mistellektin. Bei den anthroposophischen Präparaten hingegen ist die Wirksubstanz immer der Mistelgesamtextrakt.

Literaturhinweis:
Tröger W et al.: Five-year follow-up of patients with early stage breast cancer after a randomized study comparing additional treatment with Viscum album (L.) extract to chemotherapy alone. Breast Cancer: Basic and Clinical Research 1, 173-180 (2012)

Quelle: Weleda-Pressekonferenz "Warum sich die integrative Medizin an Unikliniken etabliert", 27.6.13, München


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