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Medizin
28. Juni 2017
Seite 1/2

Jung, Krebs und Kinderwunsch. Ein Tabu?

"Als ich mit 25 Jahren die Diagnose Krebs erhielt, erklärten mir die Ärzte, dass ich durch die Chemotherapie meine Fruchtbarkeit verlieren und keine eigenen Kinder mehr bekommen kann“, sagt die heute 28-jährige Joana. „Neben der Angst vor der lebensgefährlichen Krankheit ist dieser Verlust eine unbeschreibliche Belastung.“ Vor ihrer Krebsbehandlung ließ Joana deshalb Eizellen einfrieren. Das ist aber teuer: Etwa 500 Euro für Männer und bis etwa 4.300 Euro für Frauen kosten die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen, Spermien oder Eierstockgewebe. „Die Krankenkassen übernehmen diese Kosten für die jungen Krebspatienten in der Regel nicht. Jährlich erkranken ca. 15.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren an Krebs. Etwa 80% von ihnen können geheilt werden. Nach erfolgreicher Behandlung wollen sie ihr Leben so normal wie möglich fortsetzen – und das auch als zukünftige Eltern eigener Kinder“, erklärt Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.
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Wie bei Joana übernehmen oft die Eltern der jungen Patienten die Kosten für die Fruchtbarkeitserhaltung. Doch sehr vielen ist das nicht möglich. Deshalb setzt sich die junge Frau für andere Betroffene ein und startete nach ihrer ganz persönlichen Erfahrung 2016 eine Online-Petition (1). „Nur wer das Geld hat, kann sich heute die Chance auf eigene Kinder nach der Krebserkrankung leisten. Das wollen wir ändern. Das Sozialgesetzbuch V muss zugunsten der jungen Betroffenen geändert werden“, fordert Freund. Die Stiftung hat dazu Vorschläge ausgearbeitet.

Auf eine Umfrage der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs antworteten zahlreiche junge krebskranke Frauen und Männer zum Thema. „Die Erfahrungen waren sehr unterschiedlich. Ein zentraler Punkt aber war die Beratung vor Therapiebeginn. Ihre Qualität wurde unterschiedlich empfunden. Einige Patienten entschieden sich auch gegen eine Fruchtbarkeitserhaltung. Die Bewältigung der Diagnose Krebs und die kurze Zeit bis zur Therapie sind eine große Belastung für die jungen Menschen und können zur Überforderung führen“, erklärt Freund. Die Stiftung hat die Zuschriften in einer Dokumentation zusammengestellt.

Aufklärung zur Fruchtbarkeitserhaltung muss bei Diagnosestellung erfolgen

„Das Zeitfenster für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen ist sehr eng. Deshalb sollten Betroffene mit ihrem Arzt möglichst früh offene Fragen klären“, hebt Dr. med. Peter Sydow, Facharzt für Gynäkologie und Leitender Arzt im Medizinischen Versorgungszentrum VivaNeo – Praxisklinik Sydow Berlin, hervor.

Viele Patienten beschreiben eine einfühlsame und ausführliche Beratung. Aber auch heute noch erhalten zu viele der Patienten keine ausreichende Aufklärung über die Folgen der Chemo- oder Strahlentherapie und über die Möglichkeiten zur Fruchtbarkeitserhaltung.

„Wir wünschen uns für die Aufklärung und Zuwendung in dieser Situation unbedingt mehr Zeit. Die so wichtigen Gespräche mit Patienten in besonders sensiblen Krankheitssituationen werden gegenüber der Apparatemedizin leider viel zu schlecht bewertet und sind in den Budgets praktisch nicht vorgesehen", sagt Prof. Dr. med. Maike de Wit, Chefärztin des Onkologischen Zentrums, Vivantes Klinikum Berlin-Neukölln und Mitglied im Beirat der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.

„Mehr Zeit und Zuwendung für die Patienten. Aber auch Hilfen für die jungen Ärzte, damit die schwierigen Gespräche gut geführt werden können. Würde die Finanzierung der Fruchtbarkeitserhaltung durch die Krankenkassen abgesichert, würde das die Gespräche mit den jungen Patienten um einen wichtigen Problempunkt entlasten“, betont Freund.
 
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