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Medizin

17. Juli 2017 Harnblasenkarzinom: Start einer Studie zur Antikörper-Therapie

Blasenkrebs mit Antikörpern zu therapieren, könnte in Zukunft Standard werden. „Die ersten Ergebnisse der Immuntherapie sind sehr vielversprechend, aber noch verbesserungsfähig“, so Prof. Marc-Oliver Grimm. Wie die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Harnblasenkarzinom noch wirkungsvoller werden kann, steht im Fokus einer neuen Studie an 30 Krebszentren in Deutschland und Österreich, die jetzt gerade gestartet ist. Alle Fäden laufen dabei am Universitätsklinikum Jena (UKJ) zusammen, wo Prof. Grimm als Studienleiter agiert. Alle Daten werden im hier ansässigen Zentrum für klinische Studien erfasst und ausgewertet.
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„Die Immuntherapie mit Antikörpern ist derzeit stark im Kommen“, so Prof. Grimm. Vereinfacht dargestellt könne man sagen, dass einige Tumorzellen sich mit bestimmten Proteinen gegen Angriffe des Immunsystems schützen. Eine kürzlich zugelassene Substanz ist in der Lage, diese Hemmung des Immunsystems aufzuheben und die Tumorzellen für die körpereigene Abwehr wieder angreifbar zu machen. „Wir behandeln also nicht den Tumor direkt, sondern aktivieren das Immunsystem der Patienten gegen den Tumor“, so Prof. Grimm. Per Infusion bekommen diese den Antikörper verabreicht.
 
Die 250 Patienten, die an der neuen Studie beteiligt werden sollen, erhalten zunächst 4 Mal im Abstand von je 14 Tagen einen Antikörper. Spricht die Therapie nicht an oder führt nur zu einer Stabilisierung der Tumorerkrankung, erhalten sie einen zweiten Antikörper, der über einen anderen Mechanismus die körpereigenen Immunzellen zusätzlich aktiviert. Mit diesem abgestuften Behandlungskonzept wollen die Mediziner einerseits die Wirksamkeit der Immuntherapie erhöhen, andererseits die Nebenwirkungen minimieren.
 
Um die Reaktionen des Immunsystems auf die Therapie zu analysieren und in Zukunft besser vorhersagbar zu machen, begleiten Experten des Instituts  für Immunologie der Medizinischen Fakultät Dresden und des Instituts für Pathologie des Universitätsklinikums Dresden die Studie. „Ziel ist es zu verstehen, welche Patienten besonders von der Immuntherapie profitieren können, und wann mit immunvermittelten Nebenwirkungen zu rechnen ist“, so der Immunologe Prof. Schmitz. Die durch die AIO-Studien gGmbH – eine gemeinnützige Sponsorenorganisation der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. – organisierte Studie schließt sowohl Patienten ohne Chemotherapie ein als auch solche, die bereits einmal oder mehrfach eine Chemotherapie erhalten haben.
 
Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 5.600 Menschen an den Folgen eines Blasentumors. Das Risiko zu erkranken steigt mit steigendem Lebensalter deutlich an, wobei überwiegend Raucher betroffen sind. Gleichzeitig nehmen die Erfolgsmeldungen über Krebstherapien mit Antikörpern zu. Trotz vieler positiver Hinweise seien weitere verlässliche Studien äußerst wichtig, betont Prof. Grimm. „Diese Verfahren müssen sehr gründlich wissenschaftlich untersucht werden. Ich freue mich, dass die Thüringer Universitätsmedizin hier einen wichtigen Beitrag leisten kann.“ Die Jenaer Klinik für Urologie war bereits bei mehreren Studien mit Antikörpern zur Stimulation des Immunsystems bei Nieren-, Blasen- und Prostatakrebs beteiligt.

Quelle: Uniklinikum Jena


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