Montag, 22. Juli 2019
Navigation öffnen

Medizin

06. Februar 2019 Krebsforschung: Zimmermann-Preis für Sebastian Kobold

Der Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis ist eine der höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland. Der Forschungsschwerpunkt des Preisträgers PD Dr. Sebastian Kobold ist die Tumorimmunologie und die Entwicklung von Immuntherapien zur Behandlung von Tumorerkrankungen. Ein wesentlicher Ansatz ist dabei der Einsatz gentechnisch veränderter T-Zellen und selbst entwickelter Rezeptoren, um Immunzellen effektiver gegen Tumorzellen einzusetzen. Mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2018/2019 wird Prof. Dr. Christa Fonatsch ausgezeichnet, eine Pionierin der Tumorzytogenetik.
Der mit 10.000 Euro dotierte Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2018/2019 – gerichtet an junge Krebsforscherinnen und Krebsforscher für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit – geht an PD Dr. Sebastian Kobold, Oberarzt in der Abteilung für Klinische Pharmakologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Tumorimmunologie und die Entwicklung von Immuntherapien zur Behandlung von Tumorerkrankungen. Ein wesentlicher Ansatz ist dabei der Einsatz gentechnisch veränderter T-Zellen und selbst entwickelter Rezeptoren, um Immunzellen effektiver gegen Tumorzellen einzusetzen.

„In diesem Jahr werden wieder herausragende Persönlichkeiten der Krebsforschung geehrt. Die Arbeitsgebiete beider Preisträger, Tumorgenetik und Immuntherapie von Tumoren, gehören zurzeit zu den aktuellsten Gebieten der Krebsforschung“, betonte Prof. Dr. Michael P. Manns, Präsident der MHH und Vorsitzender des Johann-Georg-Zimmermann Kuratoriums.

Tumorzellen überlisten, um den Krebs zu besiegen

Das Immunsystem vernichtet zuverlässig Substanzen, die den Körper schädigen können. Allerdings haben viele Tumorarten Strategien entwickelt, um ihre bösartige Identität zu verschleiern. Wo das Immunsystem normalerweise Antigene erkennt und vernichten kann, können Krebszellen diese z.B. als körpereigen erscheinen lassen – das Immunsystem kann sie nicht erkennen.

Kobold und seinem Team ist es gelungen, einen Ansatz zu entwickeln, der die Hemmung der Immunzellen durch Tumorzellen aufhebt, sodass sie ihre Aufgabe wieder erfüllen: Tumorzellen erkennen und gezielt abtöten. Dazu hat die Arbeitsgruppe um Kobold T-Zellen gentechnisch veränderte sowie selbst entwickelte Rezeptoren eingebaut, die es den T-Zellen ermöglichen, ein hemmendes in ein aktivierendes Signal umzukehren. Die Tumorzelle wird sozusagen überlistet.

„T-Zellen sind die stärksten Krebswaffen, die wir in unserem Immunsystem haben. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Zukunft T-Zellen bei einer viel größeren Patientenzahl als bisher effektiv einsetzen können, wenn es uns gelingt, diese adäquat zu verändern. Daran werden wir weiter intensiv arbeiten", erklärt Kobold.

Nach seinem Studium der Humanmedizin in Homburg, Bordeaux und Zürich begann Kobold seine klinische Ausbildung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Neben seiner klinischen Tätigkeit arbeitete er dort im Labor für Tumorimmunologie. Sein beruflicher Weg führte Kobold dann an das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, wo er seit 2011 die Arbeitsgruppe Immunpharmakologie leitet. Nach einem Jahr als Gastforscher am Dana Farber Cancer Institute in Boston, MA/USA, kam er zurück an die LMU. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt blieb auch in München die Tumorimmunologie, insbesondere zelluläre und Antikörpertherapien.

Johann-Georg-Zimmermann-Medaille

Mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2018/2019 wird Prof. Dr. Christa Fonatsch ausgezeichnet, emeritierte Professorin und ehemalige Direktorin des Instituts für Humangenetik der Universität Wien. Fonatsch ist eine Pionierin der Tumorzytogenetik und hat in bahnbrechenden Arbeiten den Weg für die Aufklärung vieler Chromosomenanomalien bei Leukämien und soliden menschlichen Tumoren aufgezeigt.

Die Förderstiftung MHHplus verleiht die von der Deutschen Hypothekenbank gestifteten Preise am Montag, 11. Februar 2019, in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Quelle: Klinikum der Universität München


Das könnte Sie auch interessieren

Biologie der Tumore besser verstehen, Fortschritte auch bei eher seltenen Krebserkrankungen

Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren vor allem beim Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs und insbesondere bei den Lymphomen gemacht. Nun richtet sich das Augenmerk der Forscher verstärkt auf seltenere Tumore. Auch bei diesen mehren sich Berichte über Therapiefortschritte. Ein Paradebeispiel ist das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs. Das wurde bei dem diesjährigen weltgrößten Krebskongress in Chicago, dem ASCO, deutlich. "Wir stehen damit vor einer...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

AugenBLICKE für seltene Erkrankung Morbus Gaucher

Am 1. Oktober 2016 ist Internationaler Morbus Gaucher-Tag. Für die Passanten in der Frankfurter Innenstadt und den angrenzenden Stadtteilen wird dies kein gewöhnlicher Einkaufssamstag werden. Denn an diesem Tag wollen Sanofi Genzyme und die Patientenorganisation Gaucher Gesellschaft Deutschland e. V. (GGD) das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die seltene Stoffwechselerkrankung Morbus Gaucher [sprich: go-schee] lenken – und zwar mit der Aktion „AugenBLICK für...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Krebsforschung: Zimmermann-Preis für Sebastian Kobold"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich