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Medizin

11. Dezember 2017 Myelofibrose: Chronische Phase stärker differenzieren

Bei myeloproliferativen Erkrankungen wie der Myelofibrose wird ähnlich wie bei der chronischen myeloischen Leukämie eine chronische und eine akzelerierte Phase unterschieden, wobei letztere durch einen Blastenanteil in Knochenmark oder peripherem Blut zwischen 10% und 19% charakterisiert ist. Unklar war bisher, ob Patienten mit Myelofibrose in der chronischen Phase mit leicht erhöhten Blastenzahlen (5-9%) sich anders verhalten als solche mit niedrigerem Blastenanteil und ob sie von einer Therapie mit dem JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib profitieren. In einer retrospektiven Analyse wurde das von Kollegen am M.D. Anderson Cancer Center in Houston untersucht.
Von 1.199 Patienten aus den Jahren 1984 und 2015, für die Informationen zu den Blastenzahlen verfügbar waren, hatten sich 1.020 (85%) in der chronischen Phase (CP) befunden, davon 123 (10%) mit leicht erhöhten Blasten zwischen 5% und 9% (CP-e). In ihren klinischen Charakteristika sowie bezüglich Parametern wie Leukozytose, Anämie, Thrombozytopenie, Splenomegalie, systemischen Symptomen und Zytogenetik ähnelten sie eher den Patienten in akzelerierter Phase als denjenigen mit Blastenzahlen von unter 5%, wie Lucia Masarova, Houston, bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta berichtete.

Nach median 27 Monaten Beobachtung ist die Hälfte der Patienten verstorben, von 1.030 Patienten, die eine Therapie für ihre Myelofibrose erhielten, wurden 328 (30%) mit Ruxolitinib behandelt. Die Prognose der Patienten in CP-e war schlechter als die von Patienten mit geringerem Blastenanteil (Gesamtüberleben median 34 versus 56 Monate; p<0,001) und nicht signifikant besser als bei denjenigen in akzelerierter Phase (median 23 Monate; p=0,26).

Die Behandlung mit Ruxolitinib konnte das Gesamtüberleben bei Patienten in der chronischen Phase signifikant positiv beeinflussen, und zwar sowohl bei niedrigen Blastenzahlen (median 61 versus 52 Monate; HR= 0,85; p=0,002) als auch insbesondere bei CP-e, wo die Überlebensdauer durch den JAK-Inhibitor verdoppelt wurde (von median 27 auf 54 Monate; HR=0,50; p=0,001) und sich nicht mehr signifikant von den Zeiten in der Gruppe mit niedrigem Blastenanteil unterschied. In der akzelerierten Phase wirkte sich Ruxolitinib nicht auf das Überleben aus. Es hatte auch keinen Einfluss auf das Risiko einer Progression zur AML, das deutlich von der Blastenzahl abhing (< 5%: 9%; CP-e: 20%; akzelerierte Phase: 39%).

Patienten mit Myelofibrose im chronischen Stadium und leicht erhöhten Blastenzahlen haben also gegenüber jenen mit niedrigen Blastenzahlen eine schlechtere Prognose – ein Unterschied, der aber durch die Behandlung mit Ruxolitinib weitgehend aufgehoben wird.


Josef Gulden

Quelle: 59. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH 2017)


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