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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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23. November 2015

Radiojod-refraktäre und medulläre Schilddrüsenkarzinome: Fortschritte durch TKIs

Schilddrüsenknoten sind in Deutschland häufig, jeder vierte Erwachsene ist betroffen. Auch wenn bösartige Veränderungen selten sind, müssen die Knoten abgeklärt werden, um Krebs auszuschließen. Eine Radiojod-Therapie kommt bei differenzierten, jedoch nicht für medulläre Schilddrüsenkarzinome in Frage. Mit Tyrosinkinase-Hemmern haben Ärzte nun Medikamente, um den Krebs aufzuhalten.

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Nur in wenigen Fällen sind Knoten, die sich in der Schilddrüse bilden, bösartig. „Jeden im Ultraschall oder der Szintigraphie verdächtigen Knoten müssen wir untersuchen, damit ein Schilddrüsenkarzinom rechtzeitig erkannt wird“, sagt Prof.Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter des Endokrinen und Neuroendokrinen Tumorzentrums der Universitätsmedizin Mainz. Der Schilddrüsenkrebs gehört zu den selteneren und in der Regel gut behandelbaren Krebsformen. Pro Jahr diagnostizieren Ärzte bei etwa 7.200 Menschen ein Schilddrüsenkarzinom. Rechtzeitig erkannt, seien die Heilungschancen sehr gut, so der Experte der DGE.

Am häufigsten sind die sogenannten differenzierten Schilddrüsenkarzinome. Sie können nach Operation der Schilddrüse mit einer Radiojodtherapie behandelt werden. „Mit ihr zerstören wir die nach der Operation verbliebenen Krebszellen und erreichen auch eventuell im Körper ausgetretenen Tumorzellen, also die Metastasen“, erklärt Prof. Weber. Damit erreichen Mediziner vor allem beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom eine hohe Heilungschance. Anders als diese Schilddrüsenkarzinome kann das medulläre Schilddrüsenkarzinom, das oft auf einen Gendefekt zurückzuführen ist, nicht mit einer Radiojodtherapie behandelt werden. Prof. Dr. med. Thomas J. Musholt, Leiter der Endokrinen Chirurgie an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, erklärt: „Bei diesem auch C-Zell-Karzinom genannten Tumor entfernen wir das krankhafte Gewebe ebenfalls operativ. Da die C-Zellen jedoch kein Jod speichern, ist eine nachfolgende Radiojodtherapie nicht sinnvoll.“ Eine klassische Chemotherapie, die bei anderen Krebserkrankungen häufig helfe, wirke bei diesem Schilddrüsenkrebs meist nicht, so der Experte.

Aber auch bei den ursprünglich gut auf die Radiojodtherapie ansprechenden Tumorformen kann es im Verlauf der Erkrankung zu einem Wirkungsverlust dieser Therapie kommen, sodass für diese sogenannten Radiojod-refraktären Patienten ebenso wie für Patienten mit medullärem Schilddrüsenkrebs dringend neue Therapieoptionen benötigt werden.

Mit der Entwicklung von sogenannten Tyrosinkinase-Inhibitoren, die sowohl im Tumor als auch in der Tumorumgebung Wachstumssignale ausschalten, haben die Ärzte nun neue Behandlungsmöglichkeiten. So kann mit den beiden neuen Substanzen Sorafenib und Lenvatinib das sogenannte progressionsfreie Überleben, das heißt der Zeitraum, in dem eine definierte Tumorläsion nicht wächst, bei Patienten mit Radiojod-refraktärem Schilddrüsenkrebs deutlich um 6 bis 14 Monate verlängert werden. Eine ähnlich gute Wirksamkeit konnte auch beim fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkrebs mit zwei weiteren neuen Substanzen Vandetanib und Cabozantinib gefunden werden. „Wir können nun auch die Patienten, denen die Operation und die Radiojodtherapie nicht helfen kann, wirkungsvoll behandeln“, sagt Professor Musholt.

Die Therapie mit Tyrosinkinase-Inhibitoren kann jedoch eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen: Bluthochdruck, Durchfälle, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme sind häufig, und zum Teil schwellen Hände und Füße an. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch beherrschen. Hier sind Endokrinologen mit onkologischem Schwerpunkt gefragt, betonen die beiden Experten aus Mainz.

Auf einer Fachtagung in Mainz vom 19. bis am 21. November 2015 diskutieren die Experten den Einsatz der neuen Tyrosinkinase -Inhibitoren als wichtigen Fortschritt für die Behandlung des Radiojod-refraktären Schilddrüsenkarzinoms.

Weitere Schwerpunkte der Tagung sind die Themen gutartige Strumen, der primäre Hyperparathyreoidismus und die Diagnostik und Therapie von Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Terminhinweis:
34. Arbeitstagung der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Endokrinologie (CAEK) und 45. Jahrestagung der Sektion Schilddrüse der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: 19. bis 21. November 2015
Ort: Hilton Hotel Mainz, Rheinstr. 68, 55116 Mainz
http://www.caek-sd-dge2015.de/

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
 
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