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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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03. Juni 2015

Harnblasenkarzinom oft Zufallsbefund: Urologen wollen das Bewusstsein von Risikopatienten schärfen

Das Harnblasenkarzinom ist die zweithäufigste urologische Tumorerkrankung. Der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) macht deshalb wiederholt darauf aufmerksam, dass ein Tumor in der Blase zunächst ohne charakteristische Symptome wächst. "Ein gesetzliches Früherkennungsprogramm gibt es zurzeit nicht", sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. "Auch verschiedene Harnblasenkarzinom-Schnelltests, die seit einiger Zeit Schlagzeilen machen, sind noch nicht weit genug entwickelt, um für ein generelles Screening in der Bevölkerung geeignet zu sein." Umso wichtiger sei eine risikoadaptierte Früherkennung für Personen mit einem erhöhten Gefährdungspotenzial, so der Neumünsteraner Urologe weiter.

Das Robert Koch-Institut verzeichnet jährlich rund 29.000 Neuerkrankungen. 2010 erkrankten 21.550 Männer und 7.240 Frauen in Deutschland am Harnblasenkarzinom. Damit sind Männer fast dreimal so oft betroffen wie Frauen. Das Harnblasenkarzinom ist die vierthäufigste Krebsart des Mannes. Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt bei Männern 72 Jahre, bei Frauen etwa 74 Jahre. Aber auch jüngere Männer und Frauen können erkranken.
 
Mögliche Symptome wie Blut im Urin, Schmerzen oder Störungen beim Wasserlassen treten oft erst spät auf, sind unspezifisch und können auch gänzlich andere Ursachen haben. BDU-Präsident Schroeder: "Häufig wird der Tumor als Zufallsbefund etwa bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, überwiegend in frühen Stadien. Dennoch sind etwa 25-30% der Tumore bei Diagnosestellung nicht mehr oberflächlich, sondern bereits in die Blasenmuskulatur eingewachsen oder haben auf andere Organe übergegriffen."
 
"Hauptrisikofaktor ist Tabakkonsum", sagt Dr. Axel Schroeder. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe sind 30-70% aller Harnblasenkarzinomerkrankungen auf Zigarettenrauchen zurückzuführen. Auch der, meist berufliche, Kontakt mit krebserregenden Stoffen, wie aromatischen Aminen, die in der Gummi-Industrie, in Farben und in der chemischen und pharmazeutischen Industrie zum Einsatz kommen, erhöht das Risiko. Daher wird das Harnblasenkarzinom zum Teil auch als Berufskrankheit anerkannt. Chronische Harnwegsinfekte und bestimmte Medikamente sind weitere Risikofaktoren. Familiäre Häufungen werden beobachtet, ebenfalls gibt es Hinweise auf genetische Faktoren bei der Entstehung des Harnblasenkarzinoms. Gezielte Früherkennung für diese Risikogruppen hält der Präsident des Berufsverbandes für sinnvoll.
 
Das Internet-Tool www.risikocheck-blasenkrebs.info kann die Einschätzung des individuellen Harnblasenkarzinomrisikos durch einen Urologen unterstützen. "Der Risiko-Check ist in 12 verschiedenen Sprachen verfügbar und wird regelmäßig aktuellen Änderungen angepasst. Verifiziert wurde er von der IQUO in Berlin, dem Interessenverband zur Qualitätssicherung der Arbeit niedergelassener Uro-Onkologen in Deutschland e.V.", erklärt Dr. Gerson Lüdecke, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie an der Universität Gießen, der den kostenlosen Online-Check entwickelt hat.
 
Schnelltests auf urinlösliche Harnblasenkarzinommarker kommen bei der Früherkennung inzwischen zum Einsatz und können die Diagnostik unter Umständen ergänzen. "Während herkömmliche Tests nur "positiv" oder "negativ" anzeigen, können die neuesten Verfahren die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor in der Harnblase vorliegt, quantifizieren", sagt Dr. Lüdecke. Eine Blasenspiegelung zur sicheren Diagnostik ersetzen sie dennoch nicht. Vor freiverkäuflichen Harnblasenkarzinom-Schnelltests warnen die Experten. "Die Früherkennung eines Harnblasenkarzinoms gehört in die Hände eines erfahrenen Urologen", so Dr. Axel Schroeder.

BDU
 
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