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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Januar 2021

Weiteres Target beim mBC und Blockade der pro-tumoralen Inflammation beim NSCLC

Prof. Dr. Hans Tesch, Frankfurt, sprach über die erweiterten Therapiemöglichkeiten des Hormonrezeptor-positiven (HR+)/HER2-negativen metastasierten Mammakarzinoms (mBC). Prof. Dr. Martin Reck, Großhansdorf, stellte eine neue additive Behandlungsoption beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) vor, die in der Erprobung ist. Dabei handelt es ich um die Blockade der chronischen pro-tumoralen Inflammation (PTI).
Längst hat die Immuntherapie (IO) bei der Behandlung des NSCLC einen festen Platz eingenommen. „Die IO kann in dieser Indikation auf vielfältige Weise eingesetzt werden“, sagte Reck, „sowohl mono oder als Doppel-IO oder in Kombination mit Chemotherapien.“ Aber dennoch verblieben zahlreiche Fragen. Eine von ihnen ist, wie sich die chronische PTI adressieren lässt. Dabei sei zwischen einer das Immunsystem (und damit die IO) unterstützenden Entzündung – und eben der PTI – zu unterscheiden, so Reck. „Ein Faktor, der diese unerwünschte Inflammation triggert, ist Interleukin-1β (IL-1β), das von Canakinumab inhibiert wird. Da IL-1β in verschiedensten Stadien des NSCLC präsent ist, untersucht gegenwärtig das CANOPY-Studienprogramm diesen Antikörper über alle Tumorstadien hinweg.“ Ferner wird Canakinumab in der Neoadjuvanz und in diversen Therapielinien sowie unterschiedlichen Kombinationen untersucht.

Weitere Zielmutation beim Brustkrebs

Tesch referierte über Alpelisib, einen PI3Kα spezifischen Inhibitor (PI3KA-I), der beim HR+/HER2-negativen mBC erfolgreiche Studien absolviert hat. In der SOLAR-1-Studie wurde Alpelisib + Fulvestrant gegen Placebo + Fulvestrant getestet, und zwar in 2 Kohorten: mit und ohne PI3KA-Mutation. In der Subgruppe mit dieser Mutation konnte Alpelisib einen signifikanten Vorteil beim primären Endpunkt, dem progressionsfreien Überleben (PFS) erzielen. Das mediane PFS betrug 11 Monate gegenüber 5,7 Monate in dem Kollektiv, in dem Placebo zu Fulvestrant hinzugegeben worden war (p=0,00065). Dies war in der nicht-mutierten Kohorte nicht der Fall. Somit war das Proof-of-principle erbracht (1).

Bei den Nebenwirkungen gab es unter Alpelisib mehr Hyperglykämien und mehr Hautmanifestationen (Rash). „Die Hyperglykämien sind dadurch erklärbar, dass der Glukosestoffwechsel ebenfalls über diesen Pathway läuft“, erklärte Tesch. Durch proaktives Management würden diese Nebenwirkungen geringer bis kontrollierbar, so Tesch. Auf Basis dieser Studie kam es zur Zulassung von Alpelisib durch die europäische Arzneimittelagentur (EMA).

Da zahlreiche Patienten, die sich einer Behandlung mit CDK4/6-Inhibitoren (CDK4/6-I) unterziehen, gleichzeitig eine PI3KA-Mutation aufweisen, liegt es nahe, diese ebenfalls mit Alpelisib zu behandeln. Daher wurde in der open-label Phase-II-Studie BYLieve die Sequenz CDK4/6-I und danach die Applikation von Alpelisib + endokriner Therapie in einem einarmigen Design getestet. Den primären Endpunkt, ein PFS über mind. 6 Monate, erreichten 50,4% der Patienten (2). „Damit ist auch dies eine positive Studie, die zeigt, dass die Patienten von dieser Sequenz profitieren“, kommentierte Tesch.

Reimund Freye

Quelle: Satelliten-Symposium „Therapiemanagement moderner Ansätze in der Behandlung von Brust- und Lungenkrebs“, AIO 2020, 19.11.2020; Veranstalter: Novartis

Literatur:

(1) André F et al. ESMO 2020; Abstract LBA18.
(2) Rugo HS et al. ASCO 2020, Abstract 1006.


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