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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
23. April 2010

Nierenverträglichkeit unter Bisphosphonat-Therapie

Interview mit PD Dr. Raoul Bergner, Nephrologe/Rheumatologe, Klinikum der Stadt Ludwigshafen
Herr Dr. Bergner, was muss nach Ihrer Einschätzung im Hinblick auf die Nierenverträglichkeit beim Einsatz eines Bisphosphonates beachtet werden? "Die Empfehlungen zum Einsatz von Bisphosphonaten bei Niereninsuffizienz unterscheiden sich erheblich: Bei einigen Bisphosphonaten ist während der Therapie ein laufendes Monitoring der Nierenfunktion sowie die GFR-Bestimmung vor jeder Infusion erforderlich, und die Dosierung muss bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden. "
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PD Dr. Raoul Bergner, Ludwigshafen



Welche Rolle spielt eine mögliche Bisphosphonat-Vorbehandlung?

Daten zeigen, dass bei einem Wechsel von Pamidronat zu Zoledronsäure das Risiko nephrotoxischer Effekte steigt. Daten aus einer großen Anwendungsbeobachtung belegen, dass ein solcher Effekt bei Umstellung auf Ibandronat nicht zu befürchten ist.

Bei welchen Patienten ist die richtige Auswahl des Bisphosphonates besonders wichtig?

Insbesondere bei Patienten mit Multiplem Myelom hat die Auswahl unter dem Aspekt „Nierenverträglichkeit“ sicher eine hohe Bedeutung. Abgeschwächt gilt das aber für alle Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Nierenfunktion von Tumorpatienten wird dabei in der Praxis aufgrund der reduzierten Muskelmasse der Betroffenen oft zu positiv eingeschätzt.

Was sind für Sie Parameter für die Nierensicherheit bei einem Bisphosphonat?

Langfristig sollte es durch das Bisphosphonat zu keinen weiteren Einschränkungen der Nierenfunktion kommen, auch nicht bei renalen Risiken wie hoher Leichtkettenlast oder nephrotoxischer Chemotherapie.

Wie schätzen Sie das renale Verträglichkeitsprofil von Ibandronat ein?

Sehr gut. Ich gebe Ibandronat ohne regelmäßiges vorheriges Nierenfunktions-Monitoring. Das ist ein Unterschied zu anderen Bisphosphonaten. Das Risiko für eine Kumulation von Ibandronat im Nierengewebe ist sehr gering, was durch die verschiedenen pharmakokinetischen Profile begründet ist.

Wie schätzen Sie die nephrologischen Auswirkungen von oraler und i.v.-Gabe von Ibandronat ein? Ist sie in Ihren Augen vergleichbar?

Aufgrund der niedrigen Serumspitzenspiegel bei geringer Bioverfügbarkeit sind nephrotoxische Aspekte bei oral eingenommenen Bisphosphonaten generell kein Thema. Ich halte Ibandronat i.v. aus nephrologischer Sicht aber für vergleichbar unproblematisch.

Wie beurteilen Sie die Verträglichkeit bei Patienten unter Ibandronat-Langzeitbehandlung?

Wir haben Patienten, die bis zu 7 Jahre ohne substanzbedingte Auffälligkeiten mit Ibandronat behandelt wurden. Die Behandlung ist bei Patienten mit ossären Metastasen beendet, wenn sie aufgrund ihrer progredienten Tumorerkrankung versterben.

Aktuell ist eine Dosisanpassung auf 4 mg (Infusionszeit 60 min.) bei Kreatinin-Clearance 30-50 ml/min in der Fachinformation aufgrund einer klinisch-pharmakologischen Studie in Australien erfolgt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Ich kenne diese Studie und verstehe ihre Konsequenz hinsichtlich der vorgenommenen Dosisanpassung nicht. Unsere eigenen Daten aus einer Untersuchung mit Patienten mit Multiplem Myelom und Niereninsuffizienz in verschiedenen Stadien wurden 2008 im Journal of Clinical Pharmacology veröffentlicht und zeigen, dass unter Ibandronat-Therapie bis zu einer GFR von 30 ml/min keine Dosisreduktion erforderlich ist. Auch in der bisherigen Empfehlung von 2 mg Iban-dronat bei einer GFR < 30 ml/min sehe ich eher die Gefahr einer Unterdosierung. 4 mg halte ich in diesem Fall für die eher angemessene Dosis.

Gibt es aktuelle Daten zur Nierenverträglichkeit von Ibandronat?

Ich kann auf die REBOND-Studie verweisen, die beim IBMS-Workshop 2010 von Prof. Luc Frimat aus Nancy vorgestellt wurde und in der Effekte auf die Nierenfunktion einer 15-minütigen Ibandronat-Infusion mit einer 60-minütigen Infusionsdauer verglichen wurden. Außerdem möchte ich auf die Langzeitsicherheitsprofile der 15-minütigen Ibandronat-Infusion von Roger von Moos sowie die Teilauswertung der COMPARE-Studie hinweisen, in der MM-Patienten mit Ibandronat oder Zoledronat verglichen wurden, und auf unsere aktuelle Datenauswertung zur renalen Verträglichkeit von Ibandronat bei Patienten mit Multiplem Myelom und unterschiedlichen Stadien der Nierenfunktion, die alle in Davos 2010 vorgestellt wurden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle:


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