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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

30. Oktober 2006 Lokale Chemotherapie verlängert Überlebenszeit

Die lokale Chemotherapie mit Hilfe von Carmustin-Implantaten bietet eine innovative Option für Patienten mit hochgradig malignem Gliom und mit Glioblastoma multiforma. In einer vorwiegend in Europa durchgeführten Phase-III-Langzeitstudie ergab sich gegenüber Plazebo eine signifikante Verlängerung der medianen Überlebenszeit. Zudem wurde das Mortalitätsrisiko um 27% eingedämmt.

Um die lokale Tumorkontrolle zu verbessern, werden seit wenigen Jahren unmittelbar nach der Resektion mit Carmustin beschichtete Implantate eingesetzt, die eine intrakavitäre Chemotherapie, also direkt am Ort des Glioms, bewirken. Über umfangreiche Erfahrungen mit Carmustin-Implantaten (Gliadel®) verfügt der Hamburger Neurochirurg Prof. Manfred Westphal. Von dem Standard-Chemotherapeutikum, dessen Wirksamkeit bei malignen Gliomen gesichert ist, sind pro Implantat 7,7 mg in einer bioabbaubaren Copolymermatrix homogen verteilt. Intra operationem können bis zu 8 dieser Implantate direkt in die Resektionshöhle eingelegt werden. Die Matrix wird hydrolytisch abgebaut und der Wirkstoff wird über 2 bis 3 Wochen unmittelbar in das angrenzende Gewebe freigesetzt.
Die günstigen Resultate hinsichtlich der Überlebenszeit ließen sich jetzt durch die Studiengruppe um Westphal anhand einer Phase-III-Langzeitstudie bestätigen. Teilnehmer waren 240 Patienten mit neu diagnostiziertem und hochgradig malignem Gliom, überwiegend einem Glioblastoma multiforma. Jeweils 120 Patienten erhielten intraoperativ Implantate mit Carmustin oder mit Plazebo und anschließend eine Standard-Radiotherapie. Im Verlauf von 30 Monaten zeigte sich unter Verum gegenüber Plazebo eine signifikante Reduktion des Mortalitätsrisikos um 29%. Es bildete sich keinerlei systemische Toxizität, wie sie mit der konventionellen Chemotherapie verbunden ist.
In der Carmustin-Gruppe überlebten 59,2% der Patienten länger als ein Jahr (Plazebo 49,2%), 15,8% länger als zwei Jahre (Plazebo 8,3%) und 9,2% länger als drei Jahre (Plazebo 1,7%). Das Schicksal einiger Patienten konnte bis zu 56 Monate lang verfolgt werden. Davon gehörten 13 zu den Langzeit-Überlebenden nach drei Jahren. Und davon stammten 11 aus der mit Carmustin-Implantaten behandelten Gruppe. Die mediane Überlebenszeit von 11,6 Monaten unter Plazebo wurde um 2,2 auf 13,8 Monate unter Verum verlängert. Das entspricht einer Risikosenkung von 27%. Die Differenz ist statistisch signifikant.

kbf

Quelle: Satelliten-Symposium „Future Directions with Multimodal Therapy in Malignant Gliomas“ anlässlich des Kongresses der European Association of Neuro-Oncology (EANO), Wien, 14. September 2006; Veranstalter: Link Pharmaceuticals, Esteve und Dompé Pharma


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