Donnerstag, 3. Dezember 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Adcetris
Adcetris
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

22. Februar 2019
Seite 2/3




Sorafenib: Systemische Therapie im fortgeschrittenen Stadium
 
Sorafenib war seit der Zulassung im Jahr 2007 der einzige für die systemische Therapie des fortgeschrittenen HCC zugelassene Wirkstoff, der einen signifikanten Überlebensvorteil gegenüber Placebo zeigte. In der zulassungsrelevanten SHARP-Studie hatten mit Sorafenib behandelte Patienten ein Gesamtüberleben (OS) von 10,7 Monaten im Vergleich zu 7,9 Monaten in der Placebo-Gruppe (HR=0,69; 95%-KI: 0,55-0,87; p<0,001) (10). Eine ebenfalls für die Zulassung wichtige asiatische Studie bestätigte diesen Vorteil mit einer Hazard Ratio für das OS von 0,68 (median 6,5 Monate vs. 4,2 Monate; p=0,014) (11). Die häufigsten Nebenwirkungen unter Sorafenib von Grad 3 oder 4 waren in der SHARP-Studie Diarrhoe (8%), Hand-Fuß-Syndrom (8%), Fatigue (4%), Hypertonie (2%) und Abdominalschmerzen (2%) (10).
 
Seit der Zulassung von Sorafenib hatten mehrere Phase-III-Studien mit verschiedenen anderen zielgerichteten Wirkstoffen wie Sunitinib, Linifanib, Brivanib oder mit Kombinationen aus Sorafenib + Erlotinib oder Sorafenib + Doxorubicin ihre primären Endpunkte, die Überlegenheit oder die Nichtunterlegenheit im OS gegenüber Sorafenib allein, verfehlt (10, 12).
 

Lenvatinib: Neue Option für die Erstlinie
 
Mit der Zulassung von Lenvatinib in Japan, den USA und Europa für Patienten mit fortgeschrittenem oder nicht-resezierbarem HCC, die noch keine Systemtherapie erhalten haben (Erstlinientherapie), haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in der Erstlinientherapie des HCC erweitert. Ausschlaggebend waren die Daten der internationalen, multizentrischen, offenen Phase-III-Studie REFLECT (13). In dieser Studie wurden 954 Patienten mit nicht resezierbarem HCC (BCLC-Stadium B oder C, Child-Pugh A) und ohne vorangegangene systemische Behandlung 1:1 randomisiert auf 2 Studien-Arme und mit Lenvatinib oder Sorafenib behandelt.
 
Der Multikinase-Inhibitor Lenvatinib zeigte gegenüber Sorafenib eine Nichtunterlegenheit im primären Endpunkt OS mit 13,6 Monaten (95%-KI: 12,1-14,9) vs. 12,6 Monate (95%-KI: 10,4-13,9) und einer HR von 0,92 (95%-KI: 0,79-1,06) (Abb. 1) (13, 14).
 
Signifikant überlegen war Lenvatinib in mehreren sekundären Endpunkten: Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) verdoppelte sich unter Lenvatinib auf 7,4 Monate (95%-KI: 6,9-8,8) gegenüber 3,7 Monaten mit Sorafenib (95%-KI: 3,6-4,6; HR=0,66; p<0,0001) und auch die Zeit bis zur Progression war mit 8,9 Monaten (95%-KI: 6,9-8,8) vs. 3,7 Monate (95%-KI: 3,6-4,6; HR=0,66; p<0,0001) deutlich länger. In der Lenvatinib-Gruppe war zudem die objektive Ansprechrate (ORR) mit 24,1% (95%-KI: 20,2-27,9) signifikant höher als im Sorafenib-Arm mit 9,2% (95%-KI: 6,6-11,8; Odds Ratio: 3,13; p<0,0001) (14).
 
Das Sicherheitsprofil umfasste die für Lenvatinib bekannten Nebenwirkungen. Im Vergleich zur Sorafenib-Gruppe kam es unter Lenvatinib zu weniger Fällen von Diarrhoe (39% vs. 46%) und Hand-Fuß-Syndrom (27% vs. 52%), aber in mehr Fällen zu Hypertonie (42% vs. 30%). Die einzigen Nebenwirkungen von Grad 3 oder 4, die bei mehr als 10% der Patienten auftraten, waren in der Lenvatinib-Gruppe Hypertonie (23%) und in der Sorafenib-Gruppe ebenfalls Bluthochdruck (14%) und zusätzlich das Hand-Fuß-Syndrom (11%) (14).
 
Für Patienten in der palliativen Situation ist auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität unter Therapie von großer Bedeutung. In der REFLECT-Studie wurde diese mit den standardisierten Fragebögen EORTC QLQ-C30 (generisch) und dem EORTC QLQ-HCC18 (HCC-spezifisch) erfasst. Unter Lenvatinib ergab sich in Bezug auf Diarrhoe, Rollenfunktion, Schmerzen, Ernährung und Körperbild eine bessere Lebensqualität im Sinne einer langsameren Verschlechterung als bei den mit Sorafenib behandelten Patienten, während sich in allen weiteren Dimensionen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Substanzen zeigten (15).
 
Abb. 1: OS-Analyse in der REFLECT-Studie (Lenvatinib vs. Sorafenib) (mod. nach (14)).
Lupe
OS-Analyse in der REFLECT-Studie

 
 

Anzeige:
Tecentriq
Tecentriq
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Fortgeschrittenes Leberzellkarzinom: Neue Therapieoption in der Erstlinientherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab