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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
17. Dezember 2010

Editorial: Pädiatrische Onkologie

Innerhalb der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) werden in Deutschland in über 50 spezialisierten Behandlungszentren fast alle Kinder und Jugendliche mit bösartigen Erkrankungen im Rahmen von kooperativen Studien behandelt. Bei diesen Studien geht es um die kontinuierliche Therapieoptimierung nach bestem Stand des Wissens – nicht um die Zulassung neuer Medikamente wie bei den Studien der Pharmaindustrie. Im Artikel „Kooperative multizentrische Studien in der pädiatrischen Onkologie“ wird diese Konzeption beschrieben und auf die Schwierigkeiten eingegangen, denen besonders die pädiatrischen Onkologen aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen für derartige Studien gegenüberstehen. Die Studien sind jedoch notwendig, um auch in Zukunft nicht nur die Prognose zu verbessern, sondern auch um Nebenwirkungen zu vermeiden.
Die akute myeloische Leukämie (AML) war noch vor 30 Jahren eine für die Mehrzahl der Patienten tödliche Erkrankung. Inzwischen können auch bei dieser Leukämie hohe Heilungsraten im Rahmen der AML-BFM-Studien erzielt werden. Heute können fast 70% der Kinder mit AML langfristig überleben. Dieser Erfolg ist durch eine sehr intensive zytostatische Therapie, große Behandlungserfahrung der Ärzte und verbesserte supportive Maßnahmen möglich geworden. U. Creutzig und D. Reinhardt stellen dar, dass eine umfangreiche, spezialisierte Diagnostik einer dem individuellen Risiko angepassten Therapie vorausgehen muss. Auch bei der AML geht es in Zukunft nicht nur darum, die Heilungsraten zu erhöhen, sondern auch um die Verringerung von Langzeitfolgen.
Die Langzeitfolgen nach Therapie eines Hodgkin-Lymphoms bei Kindern und Jugendlichen stellt W. Dörffel dar. Schon seit etwa 30 Jahren werden Überlebensraten von über 90%, mittlerweile 97%, erreicht. Die Nebenwirkungen waren in den ersten Studien noch sehr hoch. Durch Therapieoptimierungsstudien in Deutschland wurde seit 1982 zunächst unter der Leitung von G. Schellong, später W. Dörffel und heute D. Körholz die Behandlung optimiert, indem die Intensität der Radiotherapie stufenweise reduziert wurde und teilweise besonders toxische Zytostatika vermieden wurden. W. Dörffel stellt die im Erwachsenenalter auftretenden Nebenwirkungen dar, auch unter dem Aspekt, dass diese ehemaligen pädiatrischen Hodgkin-Patienten eine Nachsorge durch Allgemeinmediziner oder Internisten dringend benötigen. Sowohl Patienten als auch betreuenden Ärzten sollten die möglichen Langzeitfolgen bekannt sein, um die sekundäre Morbidität und Mortalität zu verringern.

Neben den Leukämien gehören Tumoren des zentralen Nervensystems zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Auch diese Patienten werden im Rahmen von nationalen und internationalen Studien behandelt, in deren Rahmen bisher ebenfalls eine kontinuierliche Verbesserung der Prognose erreicht wurde. Fortschritte in den neurochirurgischen Operationsverfahren erlauben es zunehmend, intrakranielle Tumoren makroskopisch vollständig zu entfernen. D. Kort-mann berichtet über die Strahlentherapie, die bei fast allen Patienten anschließend durchgeführt wird und die Prognose für viele Patienten entscheidend verbessert. Allerdings ist das wachsende Gehirn gerade bei Kleinkindern besonders vulnerabel. Aus diesem Grund wird mit Hilfe optimierter Behandlungsverfahren versucht, eine höhere lokale Tumorkontrolle zu erzielen und durch maximale Schonung des umgebenden, gesunden Gehirngewebes Spätfolgen zu vermeiden. Ein wesentliches Element ist die enge Kooperation mit den neurochirurgischen, neuropathologischen und neuroradiologischen Referenzzentren, die durch die Studienzentralen für die verschiedenen Hirn-Tumorentitäten koordiniert wird. Dies hat sich im Hinblick auf die kontinuierliche Verbesserung der Therapieergebnisse bewährt.

Um jedem Kind und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr mit Krebserkrankung die Chance zu geben, eine Diagnostik und Behandlung nach bestem Stand des Wissens zu erhalten, sollten die Patienten bereits bei Verdacht auf eine maligne Erkrankung in ein pädiatrisch-onkologisches Zentrum überwiesen werden. Im Internetportal www.kinderkrebsinfo.de sind die aktuell aktiven Studien und Register der pädiatrischen Onkologie aufgelistet, die Leitlinien finden Sie unter: http://www.kinderkrebsinfo.de/e1676/e4842/index_ger.html

Ursula Creutzig, Hannover

Quelle:


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