Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. November 2014 Über 70% der jungen europäischen Onkologen zeigen Burnout-Symptome

ESMO 2014

"Onkologie ist eine außerordentlich lohnende und interessante Fachrichtung, kann aber manchmal ebenso anstrengend und stressig sein", sagte Studienleiterin Dr. Susana Banerjee, The Royal Marsden NHS Trust in London, UK. Banerjee und andere Mitglieder des ESMO Young Oncologists Committee haben 595 Onkologen unter 40 Jahren in ganz Europa befragt: 71% von ihnen zeigten eine Burnout-Symptomatik. Onkologen müssten komplexe Behandlungsentscheidungen treffen, die Verabreichung der toxischen Therapien überwachen, viele Stunden arbeiten, und würden zudem ständig mit leidenden und sterbenden Patienten konfrontiert.

Anzeige:
Fachinformation

"Hinzu kommen auch in der Onkologie immer mehr Bürokratie, Dokumentationspflicht, Verwaltungsaufgaben, juristische Klagen, gestiegene Erwartungen und höhere Arbeitsbelastung mit dünnerer Personaldecke. Nimmt man all dies zusammen, haben Onkologen ein gewisses Risiko, Burnout zu entwickeln. Das Syndrom äußert sich in emotionaler Erschöpfung, sie neigen dazu, Menschen wie Objekte zu behandeln (Depersonalisierung) und sehen den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr. Der "ESMO Young Oncologists Committee burnout survey" zeigt, dass Burnout ein häufiges, universales Problem junger Onkologen heutzutage darstellt", sagte Banerjee. Dies kann für den betroffenen Arzt eine Spirale aus Angst, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch bis hin zum Selbstmordversuch bedeuten. Ein Onkologe mit Burnout kann auch seine Profession, in der er Anteil am Schicksal seiner Patienten nimmt und ihnen die beste Therapie zuteil werden lässt, nicht mit voller Kraft ausführen.

Unterschiede innerhalb Europas

Die Umfrage zeigte, dass die Burnout-Raten innerhalb Europas erheblich differieren: während in Zentraleuropa 85% betroffen sind, sind es in Nordeuropa einschließlich Großbritannien nur 52%. Faktoren für ein höheres Risiko waren eine unausgewogene Work-Life-Balance, zu wenig Freizeit und Urlaub, Single-Dasein, Kinderlosigkeit. Arbeitstechnisch tragen kleine Abteilungen mit höheren Patientenzahlen ohne Zugang zu weiterer Unterstützung ebenfalls zum Risiko bei. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, wohingegen das Phänomen der Depersonalisierung Männer häufiger betrifft (60 vs. 45%).

Problem erkannt, Problem gebannt?


Banerjee sagte, der erste Schritt sei getan, indem man das Ausmaß des Burnout-Problems erkannt habe. Nun gelte es, den jetzigen und künftigen Generationen von Onkologen zur Seite zu stehen, dies müsse von jeder Seite her, der Universität, den Kliniken, Fachgesellschaften wie der ESMO erfolgen. Burnout darf nicht als Schwäche stigmatisiert werden. Kollegen müssen unterstützt werden, dass es nicht dazu kommt bzw. dass sie den Burnout bewältigen. Strategien sind eine gute Work-Life-Balance, fachliche Unterstützung und die Möglichkeit, stressige Aspekte der Arbeit zuhause und im Kollegenkreis zu diskutieren. Außerhalb der täglichen klinischen Arbeit tragen Hobbies, Sport, Zeit mit Freunden und Familie zur Prävention bei, und berufsnahe sinnstiftende Tätigkeiten sind auch die klinische Forschung, Unterrichten, Studenten-Mentoring und dergleichen.

Im Job zufrieden zu sein verbessert für den Onkologen auch den Umgang mit den Patienten sowie die Kommunikation und den Zusammenhalt mit den Kollegen. "Diese Fachrichtung bleibt eine der faszinierendsten und lohnenswertesten, in der Ärzte maßgeblich die Lebensqualität und das Schicksal des Patienten beeinflussen. Auf keinen Fall sollten die Umfrageergebnisse einen jungen Kollegen davon abhalten, Onkologe werden zu wollen", betonte Committee-Vorsitzender Dr. Raffaele Califano.

Literaturhinweis:
(1) Banerjee SR et al. Abstract 1081O_PR. Professional Burnout in European Young Oncologists: a European Survey conducted by the European Society for Medical Oncology (ESMO) Young Oncologists Committee.


Weitere Beiträge zum ESMO unter: http://www.journalonko.de/esmo_2014.php
 


Das könnte Sie auch interessieren

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

Der lange Weg bis zur Zulassung eines Arzneimittels

Die Zulassung eines neuen Arzneimittels und die Erweiterung der Indikation eines bereits zugelassenen Arzneimittels sind streng geregelt. Die europäische oder deutsche Zulassungsbehörde fordert den Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit, wofür das Arzneimittel verschiedene Phasen der klinischen Prüfung durchlaufen muss. Wie die Arzneimittelprüfung durchzuführen ist, legt das Arzneimittelgesetz (AMG) von 1976 fest, das zuletzt durch die 15. Novelle von...

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?

Diagnose Krebs: Wer hilft bei hoher psychischer Belastung?
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

„Sie haben Krebs“ – kaum ein Betroffener wird diesen Satz je vergessen. Von jetzt auf gleich gerät das Leben aus den Fugen. Fragen, Ängste, Traurigkeit, Wut – alles wirbelt durcheinander. Auch die Zeit der Behandlung bis hin zur Nachsorge bringt Belastungen mit sich, die Betroffene an ihre Grenzen bringen können. Nimmt die psychische Belastung überhand oder dauert sie lange an, kann psychotherapeutische Hilfe sinnvoll sein. Der...

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Über 70% der jungen europäischen Onkologen zeigen Burnout-Symptome"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich