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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. November 2014 Über 70% der jungen europäischen Onkologen zeigen Burnout-Symptome

ESMO 2014

"Onkologie ist eine außerordentlich lohnende und interessante Fachrichtung, kann aber manchmal ebenso anstrengend und stressig sein", sagte Studienleiterin Dr. Susana Banerjee, The Royal Marsden NHS Trust in London, UK. Banerjee und andere Mitglieder des ESMO Young Oncologists Committee haben 595 Onkologen unter 40 Jahren in ganz Europa befragt: 71% von ihnen zeigten eine Burnout-Symptomatik. Onkologen müssten komplexe Behandlungsentscheidungen treffen, die Verabreichung der toxischen Therapien überwachen, viele Stunden arbeiten, und würden zudem ständig mit leidenden und sterbenden Patienten konfrontiert.

"Hinzu kommen auch in der Onkologie immer mehr Bürokratie, Dokumentationspflicht, Verwaltungsaufgaben, juristische Klagen, gestiegene Erwartungen und höhere Arbeitsbelastung mit dünnerer Personaldecke. Nimmt man all dies zusammen, haben Onkologen ein gewisses Risiko, Burnout zu entwickeln. Das Syndrom äußert sich in emotionaler Erschöpfung, sie neigen dazu, Menschen wie Objekte zu behandeln (Depersonalisierung) und sehen den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr. Der "ESMO Young Oncologists Committee burnout survey" zeigt, dass Burnout ein häufiges, universales Problem junger Onkologen heutzutage darstellt", sagte Banerjee. Dies kann für den betroffenen Arzt eine Spirale aus Angst, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch bis hin zum Selbstmordversuch bedeuten. Ein Onkologe mit Burnout kann auch seine Profession, in der er Anteil am Schicksal seiner Patienten nimmt und ihnen die beste Therapie zuteil werden lässt, nicht mit voller Kraft ausführen.

Unterschiede innerhalb Europas

Die Umfrage zeigte, dass die Burnout-Raten innerhalb Europas erheblich differieren: während in Zentraleuropa 85% betroffen sind, sind es in Nordeuropa einschließlich Großbritannien nur 52%. Faktoren für ein höheres Risiko waren eine unausgewogene Work-Life-Balance, zu wenig Freizeit und Urlaub, Single-Dasein, Kinderlosigkeit. Arbeitstechnisch tragen kleine Abteilungen mit höheren Patientenzahlen ohne Zugang zu weiterer Unterstützung ebenfalls zum Risiko bei. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, wohingegen das Phänomen der Depersonalisierung Männer häufiger betrifft (60 vs. 45%).

Problem erkannt, Problem gebannt?


Banerjee sagte, der erste Schritt sei getan, indem man das Ausmaß des Burnout-Problems erkannt habe. Nun gelte es, den jetzigen und künftigen Generationen von Onkologen zur Seite zu stehen, dies müsse von jeder Seite her, der Universität, den Kliniken, Fachgesellschaften wie der ESMO erfolgen. Burnout darf nicht als Schwäche stigmatisiert werden. Kollegen müssen unterstützt werden, dass es nicht dazu kommt bzw. dass sie den Burnout bewältigen. Strategien sind eine gute Work-Life-Balance, fachliche Unterstützung und die Möglichkeit, stressige Aspekte der Arbeit zuhause und im Kollegenkreis zu diskutieren. Außerhalb der täglichen klinischen Arbeit tragen Hobbies, Sport, Zeit mit Freunden und Familie zur Prävention bei, und berufsnahe sinnstiftende Tätigkeiten sind auch die klinische Forschung, Unterrichten, Studenten-Mentoring und dergleichen.

Im Job zufrieden zu sein verbessert für den Onkologen auch den Umgang mit den Patienten sowie die Kommunikation und den Zusammenhalt mit den Kollegen. "Diese Fachrichtung bleibt eine der faszinierendsten und lohnenswertesten, in der Ärzte maßgeblich die Lebensqualität und das Schicksal des Patienten beeinflussen. Auf keinen Fall sollten die Umfrageergebnisse einen jungen Kollegen davon abhalten, Onkologe werden zu wollen", betonte Committee-Vorsitzender Dr. Raffaele Califano.

Literaturhinweis:
(1) Banerjee SR et al. Abstract 1081O_PR. Professional Burnout in European Young Oncologists: a European Survey conducted by the European Society for Medical Oncology (ESMO) Young Oncologists Committee.


Weitere Beiträge zum ESMO unter: http://www.journalonko.de/esmo_2014.php
 


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