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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. März 2008 Therapie des hormonabhängigen fortgeschrittenen Prostatakarzinoms: Der erste GnRH-Antagonist ist jetzt verfügbar

Für die Hormontherapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms wurden bisher LHRH-Analoga sowie Antiandrogene als Monotherapeutika favorisiert und häufig auch kombiniert eingesetzt. Seit der Einführung von Abarelix (Plenaxis®) als erstem zugelassenen Vertreter der neuen Wirkstoffklasse der GnRH-Antagonisten kann den Patienten jetzt eine weitere Form der Behandlung angeboten werden. Die Substanz blockiert kompetitiv die hypophysären GnRH-Rezeptoren und bewirkt damit eine sofortige Senkung der Testosteron-Konzentration.
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Die meisten Männer mit hormonsensitivem Prostatakarzinom in einem fortgeschrittenen Stadium ziehen die medikamentöse Hormonablation der chirurgischen Kastration vor. Die medikamentöse Ablation ist durch die Hemmung der Testosteron-Produktion oder die Blockade der Androgen-Rezeptoren bei erhaltener Testosteron-Produktion zu erreichen. Die Androgen-Produktion lässt sich mit LHRH-Agonisten, Östrogenen und jetzt auch mit GnRH-Antagonisten wie Abarelix inhibieren, erläuterte Professor Peter Hammerer, Braunschweig.

Die Prophylaxe des Flare-up-Phänomens entfällt
Die Behandlung mit GnRH-Antagonisten bewirkt eine sofortige und kompetitive Blockade der in der Hypophyse lokalisierten LHRH-Rezeptoren. Und deswegen werden die GnRH-Antagonisten auch als LHRH-Antagonisten bezeichnet. Wird Abarelix gegeben, fällt die LH-Konzentration innerhalb von acht bis 24 Stunden um 51 bis 84 Prozent ab, und der FSH-Spiegel geht um etwa 30 Prozent zurück. „Es kommt zu einem schnellen und reversiblen Abfall der Gonadotropine und Androgene ohne Auslösung eines Flare-up-Phänomens“, sagte Hammerer. Deshalb entfällt die begleitende Gabe eines Antiandrogens, mit dem sonst diesem Phänomen vorgebeugt wird. Die Nebenwirkungen gleichen jenen nach chirurgischer Kastration.

Die europäischen Leitlinien zum Prostatakarzinom wurden im vergangenen Jahr aktualisiert. Demnach gilt beim hormonsensitiven fortgeschrittenen Prostatakarzinom die hormonelle Behandlung als Alternative zur oder als Ergänzung der Strahlentherapie bzw. der Operation. Bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom hat sich die Hormontherapie mittlerweile als Standardverfahren etabliert.

Testosteron-Spiegel sinkt binnen einer Woche auf Kastrationsniveau
Abarelix wird monatlich als intramuskuläre Injektion mit einer zusätzlichen Injektion an Tag 15 appliziert. Welche Effekte davon zu erwarten sind, wurde in zulassungsrelevanten randomisierten sowie in späteren klinischen Studien analysiert. Dabei verglich man Abarelix mit LHRH-Agonisten, die als Monotherapeutika oder in Kombination mit Antiandrogenen eingesetzt wurden.

Die Daten signalisieren die klare Überlegenheit des GnRH-Antagonisten: So sank die Testosteron-Konzentration unter Abarelix bereits innerhalb von sieben Tagen auf Kastrationsniveau. Bei einem Drittel der Männer war das schon nach drei Tagen der Fall. Eine vergleichbare Reduktion des Testosterons stellte sich unter der Kombination aus LHRH-Agonisten und Antiandrogenen erst nach drei Wochen ein, berichtete Professor Lothar Weißbach, Fürth.

Die Therapie mit LHRH-Analoga führt dazu, dass die Testosteron-Produktion initial ansteigt und die Konzentration erst nachlässt, wenn die Rezeptoren herabreguliert sind. Eine solche initiale Anflutung von Testosteron, die speziell das metastasierte Prostatakarzinom negativ beeinflusst, wurde in den verschiedenen Studien bei 80 bis 95 Prozent der Patienten festgestellt, die LHRH-Agonisten – auch in Kombination mit Antiandrogenen – erhalten hatten. Von den Patienten, die man einer Monotherapie mit Abarelix unterzogen hatte, war davon nicht ein einziger betroffen. Die Bestimmung der PSA-Spiegel ließ erkennen, dass Abarelix eine schnellere Tumorkontrolle bewirkt als LHRH-Agonisten. Und das gilt auch für die Langzeitbehandlung.

Schmerzlinderung durch Abarelix in neun von zehn Fällen
Die zwölfwöchige Monotherapie mit Abarelix führte in einer offenen Studie mit 72 Patienten, die an einem symptomatischen Prostatakarzinom litten, in 90 Prozent der Fälle zur Reduktion der Schmerzen bzw. des Analgetikaverbrauchs. Die Männer hatten Knochenschmerzen aufgrund von Skelettmetastasen, neurologische Symptome oder Ureterobstruktionen infolge einer bilateralen retroperitonealen Ausbreitung des Tumors. Die Bildgebung zeigte eine Verbesserung oder Stabilisierung der Metastasen sowie eine Rückbildung der Obstruktion und der Hydronephrose.

Dass Abarelix gut vertragen wird, belegen die Daten von 1.397 Patienten, die bis zur Zulassung damit therapiert wurden. Anaphylaktoide Reaktionen vom Soforttyp wie Urtikaria, Pruritus, Hypotension oder Synkopen traten nur in 1,1 Prozent der Fälle auf. Von Vorteil ist ferner die rasche Normalisierung der Testosteron-Werte nach Absetzen der Therapie.

kbf

Quelle: Launch-Symposium „Abarelix in der Therapie des hormon-abhängigen Prostatakarzinoms – eine Klasse für sich“ anlässlich des 28. Deutschen Krebskongresses, Berlin, 21. Februar 2008; Veranstalter: Speciality European Pharma GmbH, Ratingen


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