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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. August 2006 Liposomales Cytarabin bietet sich zur Prophylaxe an

ZNS-Rezidive leukämischer und lymphatischer Erkrankungen

Das liposomale Cytarabin (DepoCyte®) hat den Vorteil, dass es bei Injektion in den Lumbalsack langsamer freigesetzt wird und sich besser in der Zerebrospinalflüssigkeit verteilt als freies Cytarabin. Über zwei Wochen wird ein therapeutisch wirksamer Spiegel im Liquorraum aufrechterhalten und die intrathekalen Applikationen sind nur noch alle 2 Wochen notwendig. Studien weisen auf die hohe Effektivität der intrathekalen Therapie mit liposomalem Cytarabin bei ZNS-Rezidiven leukämischer und lymphatischer Erkrankungen hin und legen den prophylaktischen Einsatz nahe.
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Wegen des hohen Rezidiv-Risikos wird bei allen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) eine ZNS-Prophylaxe durchgeführt, mit der die Inzidenz einer ZNS-Beteiligung auf unter 5% reduziert werden kann. Die Behandlung besteht aus wiederholten intrathekalen Injektionen, i. d. R. 2-3 pro Woche, und einer systemischen Hochdosistherapie mit Methotrexat oder freiem Cytarabin sowie ZNS-Bestrahlung. Die Toxizität dieser Therapie ist jedoch nicht unbeträchtlich und eine Radiotherapie kann die Toxizität der systemischen Behandlung zusätzlich erhöhen. Ein wichtiges Ziel ist es daher, die Radiotherapie durch andere, effektive Theapieregime zu ersetzen. Eine Phase-II-Studie der GMALL (German Study Group for Adult ALL) untersucht daher derzeit die Wirksamkeit und Sicherheit von liposomalem Cytarabin (DepoCyte®) bei Patienten mit ZNS-Rezidiv bei ALL oder hoch aggressiven Lymphomen.
Dr. Nicola Gökbuget, Frankfurt am Main, berichtete von den Ergebnissen einer ersten Interimsanalyse, in der die Daten von 14 Patienten ausgewertet werden konnten, die mit liposomalem Cytarabin behandelt wurden. Eingeschlossen waren Patienten mit sehr ungünstiger Prognose (Ph+ALL, Burkitt’s Lymphom, Rezidiv nach Stammzelltransplantation). Sie erhielten liposomales Cytarabin (50 mg) intrathekal alle 2 Wochen zusammen mit Dexamethason systemisch 4 mg 2xtägl. (Tage 1-5) zur Prophylaxe einer Arachnoiditis. Eine partielle Remission erreichten 4 von 5 Patienten mit Ph- ALL und 3 von 4 mit Ph+ ALL sowie 3 von 5 der Patienten mit Burkitt’s Lymphom. Nach einer DepoCyte®-Injektion lag die Remissionsrate bei 67%, nur 2 Patienten benötigten 2 Injektionen. Nach zwei Therapiezyklen lag die Gesamtansprechrate bei 80%.
Aufgrund der Vorteile von liposomalem Cytarabin, insbesondere der seltener notwendigen Liquorpunktionen, würde sich liposomales Cytarabin nicht nur als Salvage-Therapie bei ZNS-Rezidiv, sondern auch zur ZNS-Prophylaxe und in Kombination mit systemischer Therapie anbieten, sagte Göbuget. Die intrathekalen Therapien bei neu diagnostizierter ALL könnten reduziert und so die Lebensqualität der Patienten erhöht werden. Außerdem besteht laut Gökbuget die Hoffnung auf eine geringere kumulative Toxizität mit liposomalem Cytarabin. Mehrere Studien in Europa untersuchen mittlerweile diesen Ansatz.
Cytarabin in Kombination mit Hochdosis-Methotrexat hat sich auch als effektiv in der Therapie der primären Lymphome des ZNS (PZNSL) erwiesen. In einer Studie, über die Dr. Hendrik Pels, Bochum, berichtete, war eine primäre Chemotherapie mit Hochdosis Methotrexat und freiem Cytarabin (nach dem sog. Bonner Protokoll) bei Patienten mit PZNSL der Altersgruppe jünger als 60 Jahre hocheffektiv. Die Resultate waren vergleichbar mit den besten Ergebnissen, die mit einer kombinierten Radiochemotherapie erzielt werden. Das freie Cytarabin wurde mittels Ommaya Reservoir intraventrikulär appliziert. Ein Nachteil dieser Behandlung war die hohe Rate an Ommaya Reservoir-Infektionen (23%).
Unabhängig davon, ob liposomales Cytarabin über ein Ommaya-Reservoir oder über eine lumbale intrathekale Injektion verabreicht wird, verteilt es sich gleichmäßig im gesamten Liquorraum. Durch eine Injektion alle 2 Wochen werden Spiegel erreicht, die über der minimalen inhibitorischen Konzentration für Tumorzellen liegen.
Satelliten Symposium. 11th Congress of the European Hematology Association, Amsterdam, 15. Juni 2006. Sponsor: Mundipharma/Napp Independent Associated Companies

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Quelle:


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