Montag, 26. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Medical Cloud CAR T
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. Januar 2008 Aktuelle Daten zur Therapie schwerer Infektionen bei hämato-onkologischen Patienten

Hämato-onkologische PatientInnen sind aufgrund von Immunsuppression und Neutropenie besonders häufig von bakteriellen, viralen und Pilzinfektionen betroffen. Bei einem Expertenmeeting (1) diskutierten Hämatologen, Infektiologen, Pulmologen, Pädiater und Intensivmediziner die aktuellen Daten zur Therapie schwerer Infektionen in diesem Patientenklientel.
Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 
Über 38% der Erreger, die bei Patienten mit septischem Schock gefunden werden, sind Gram-positiv, darunter macht allein Staphylococcus aureus mehr als 15% aller Infektionen aus, erklärte Prof. Arne C. Rodloff, Mikrobiologe an der Universität Leipzig. Bei septischem Schock zählt jede Minute, die bis zum Beginn einer Antibiotikatherapie vergeht. Beträgt die Überlebensrate bei Administration von Antibiotika innerhalb der ersten Stunde nach Blutdruckabfall noch fast 80%, so sinkt sie nach 24 Stunden Verzögerung auf ca. 10% ab.

Die Besiedelung verschiedener Kunststoffoberflächen, wie z.B. Katheterspitzen, künstliche Herzklappen, künstliche Gelenke u.a., sowie auch biologischer Oberflächen (Zahnplaques, chronische Sinusitis u.a.) durch bestimmte Keime ist ein zunehmendes Problem. Derartige Infektionen können u.a. Ausgangspunkt einer Sepsis werden. Oft handelt es sich dabei um Keime, die unter anderen Bedingungen nicht als hoch virulent anzusehen sind, zum Beispiel Erreger aus der physiologischen Hautflora. „Siedeln sich diese Bakterien jedoch an den Oberflächen bestimmter Medizinprodukte, wie Katheter oder Gelenksprothesen, an, so kommt es zur Bildung des so genannten Biofilms, einer Art Schleimschicht, in der sich die Erreger vermehren und besondere Eigenschaften wie langsameres Wachstum und veränderte Gentranskription ausbilden“, erläuterte Prim. Prof. Helmut Mittermayer, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz.

„Über eine Reihe von Mechanismen kommt es u.a. dazu, dass diese Keime eine Reihe von Antibiotikaresistenzen entwickeln, die sie außerhalb des Mikrofilms nicht besitzen“, ergänzt Mittermayer. In einer In-vitro-Studie (3) zeigten Minocyclin, Daptomycin (Cubicin®) und Tigecyclin die beste Hemmwirkung gegen Katheterinfektionen durch Biofilm-bildenden Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), während Linezolid und Vancomycin weitgehend wirkungslos blieben. Hinsichtlich der Geschwindigkeit der Eradikation von MRSA aus dem Biofilm erwies sich Daptomycin am wirksamsten, gefolgt von Minocyclin und Tigecyclin.

Daptomycin ist das erste Antibiotikum aus der Klasse der zyklischen Lipopeptide. Es zeigt in vitro eine starke bakterizide Wirkung gegen Gram-positive Erreger, wie Koagulase-positive und -negative Staphylokokken, z.B. Staph. aureus, inklusive MRSA, Streptokokken, Enterokokken, z.B. VREF, und andere. Daptomycin wirkt nicht gegen Gram-negative Keime. „Bei nosokomialer Sepsis nach Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation machen Gram-positive Kokken ca. 75% der Erreger aus“, sagte Prof. Elisabeth Presterl, Klinische Abteilung für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien. „Mehr als die Hälfte der Sepsiserreger, die bei neutropenischen Patienten nach Knochenmarkstransplantation aus Blutkulturen isoliert werden, sind Koagulase-negative Staphylokokken wie Staphylococcus epidermidis“, so Presterl. In einer Studie (4), die in zwölf Ländern durchgeführt wurde, zeigten sowohl Staphylokokken (im Mittel knapp 30% Resistenz gegen Oxacillin) als auch Enterokokken (im Mittel 18% Resistenz gegen Vancomycin) in vitro eine 100-prozentige Empfindlichkeit gegen Daptomycin. „Wir konnten das mit Daten aus unserer Abteilung bestätigen“, ergänzte Presterl.

Eine klinische Studie, die 2006 im „New England Journal“ publiziert wurde (5), verglich bei Patienten mit Bakteriämie durch Staph. aureus mit oder ohne Endokarditis in einem Non-Inferiority-Design eine Therapie mit 6 mg Daptomycin pro Kilogramm Körpergewicht mit einer Standardbehandlung (initial niedrig dosiertes Gentamicin plus entweder Staphylokokken-wirksames Penicillin oder Vancomycin). Daptomycin zeigte sich in dieser Studie der Standardtherapie gleichwertig. Unter Standardtherapie fand sich ein nicht-signifikanter Trend zu mehr Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen. Unter Daptomycin traten signifikant weniger Störungen der Nierenfunktion auf als unter Standardtherapie (11,0% vs. 26,3%; p=0,004).

„In der empirischen Therapie von Infektionen bei neutropenischen Patienten mit mittlerem Risiko ist die Zugabe von Vancomycin von sehr geringem Nutzen“, so Prof. Winfried V. Kern, Medizinische Universitätsklinik, Freiburg. Gerade bei Patienten mit höherem Risiko und persistentem Fieber unklarer Ursache (FUO) muss in einer empirischen Kombinationstherapie auf jeden Fall auch der Gram-positive Bereich abgedeckt werden. Kern begrüßt daher die neuen Antibiotika gegen Gram-positive Erreger, die wirksamer und verträglicher sind als Vancomycin. Zusätzlich ist oft ein Antimykotikum erforderlich.

Quelle: 1.­ Expertentreffen „Neue Antibiotika und Antimykotika – Behandlung von Infektionen bei hämato-onkologischen Patienten“, 9.-11. November 2007, Wien; Veranstaltung von Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
2. Kumar A et al., Crit Care Med 2006;34(6):1589–1596
3. Raad I et al., Antimicrob Agents Chemother 2007;51(5):1656–1660
4. Sader HS et al., BMC Infect Dis 2007;7:29
5. Fowler VG et al., N Engl J Med


Anzeige:
Xospata
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Aktuelle Daten zur Therapie schwerer Infektionen bei hämato-onkologischen Patienten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab