Montag, 25. September 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
18. Oktober 2013

Prostatabiopsie

L. Skrobek, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Marburg.

Das Prostatakarzinom ist in Deutschland das häufigste Malignom bei Männern und Gegenstand zahlreicher Studien. Trotz stetiger Verbesserung der bildgebenden und laborchemischen Diagnostik in den letzten Jahrzehnten kann das Vorliegen eines Prostatakarzinoms weiterhin nur durch eine histologische Sicherung bewiesen werden. Zudem erlaubt der histologische Differenzierungsgrad (Gleason-Score) eine Abschätzung des Progressionsrisikos und hat einen hohen Einfluss auf die Therapiewahl. Die Prostatabiopsie ist bei den meisten Patienten ein einfach durchzuführendes Verfahren mit hoher diagnostischer Aussagekraft und insgesamt nur geringer Morbidität und Mortalität. Im Folgenden werden die Indikationen und unterschiedlichen Techniken der Prostatabiopsie (transrektal, perineal, MRT-gestützt) mit aktueller Datenlage vorgestellt.

Anzeige:
 
 

Indikation

Die Biopsie der Prostata ist indiziert zur histologischen Sicherung eines Prostatakarzinoms vor Einleitung einer spezifischen Therapie. Der Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms stellt sich bei einem erhöhten Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA > 4 ng/ml), bei einem Anstieg des PSA-Wertes im Verlauf (z.B. um mehr als 0,75 ng/ml in 1 Jahr), bei einem auffälligen Tastbefund bei der digital rektalen Untersuchung (1-3) oder beim Vorliegen von Metastasen, welche den V.a. ein Prostatakarzinom nahe legen (z.B. osteosklerotische Metastasen). Auch einige histologische Befunde einer bereits erfolgten Prostatabiopsie rechtfertigen die Wiederholung der Probenentnahme. So sind ausgedehnte high-grade prostatische intraepitheliale Neoplasien (HGPIN) oder atypische kleindrüsige Proliferationen (ASAP) kontrollbedürftige Befunde, welche nach 6-12 Monaten mittels erneuter Biopsie verfolgt werden sollten (1-3). Aufgrund der meist langsamen Progression eines Prostatakarzinoms mit jahrelangem asymptomatischen Verlauf sollte vor der Durchführung einer Prostatabiopsie aber stets überprüft werden, ob bei Nachweis eines Prostatakarzinoms auch eine therapeutische Konsequenz folgen würde. Falls nicht, sollte auf die Prostatabiopsie verzichtet werden (z.B. beim 83-Jährigen ohne klinische Hinweise für Metastasen).

Eine weitere Indikation für die Biopsie der Prostata besteht in der regelmäßigen Kontrolle auf Progression im Rahmen eines active-surveillance-Konzeptes des lokalisierten Prostatakarzinoms mit niedrigem Risiko. Bei diesem Konzept werden Patienten mit äußerst vorteilhafter Prognose (niedriger Gleason-Score, niedriges PSA, nur wenige Biopsien positiv) mittels engmaschiger Kontrolle überwacht und nur im Falle einer Progression einer lokalen Therapie (OP oder Radiatio) zugeführt. Die Kontrollen erfolgen dabei mittels dreimonatlicher PSA-Bestimmung und digital-rektaler Untersuchung sowie einer jährlichen Prostatabiopsie (1, 2).

Standard: transrektale ultraschallgesteuerte Biopsie

Das Standardverfahren der Prostatabiopsie stellt die Probenentnahme unter Verwendung des transrektalen Ultraschalls (TRUS) dar (1-3). Die Probengewinnung erfolgt in der Regel ambulant beim niedergelassenen Urologen. Mithilfe einer Hochgeschwindigkeitspistole werden dabei Stanzzylinder (eine Feinnadelbiopsie ist nicht ausreichend) unter Ultraschallkontrolle nach einem festgelegten Schema aus jedem Anteil der Prostata entnommen. Laut aktuellen Leitlinien der DGU und EAU zum Prostatakarzinom sollten mindestens 10 bis 12 Biopsien gewonnen werden (1, 2). Die Anzahl der Stanzzylinder ist jedoch auch abhängig von der Prostatagröße und evtl. negativen Vorbiopsien. Auffällige Bereiche im TRUS können zusätzlich gezielt biopsiert werden. Allerdings kann ein Prostatakarzinom nicht zuverlässig im TRUS erkannt werden. Er dient daher hauptsächlich der Visualisierung der verschiedenen Prostatazonen, um eine systematische Biopsie möglich zu machen. Der Karzinomnachweis gelingt am häufigsten, wenn die Proben möglichst lateral und dorsal aus der Prostata entnommen wurden (Abb. 1). Neuere Ultraschalltechniken (z.B. Kontrastmittel-Sonographie oder Real-Time-Elastographie) zeigen teils vielversprechende Ergebnisse und könnten die Zuverlässigkeit der transrektalen ultraschallgesteuerten Prostatabiopsie weiter verbessern (4-7). Derzeit sind diese Verfahren aber noch Bestandteil von Studien und auch fast nur in spezialisierten Zentren verfügbar.

 

Abb. 1: Prostatabiopsie mittels transrektalem Ultraschall. Die gut erkennbare Biopsienadel erfasst die dorsalen und lateralen Anteile der peripheren Zone rechts.

Die Komplikationsrate der transrektalen Prostatabiopsie ist bei adäquater Vorbereitung gering. Aufgrund des transrektalen Zugangs ist eine präinterventionelle antibakterielle Abdeckung unbedingt erforderlich. Die Rate von fieberhaften Harnwegsinfekten kann damit auf unter 1% reduziert werden (Sepsis < 0,3%) (1, 2, 8). Üblicherweise kommen hierbei Fluorchinolone zum Einsatz, welche laut aktueller Datenlage bereits mit einem single-shot einen ausreichenden Infektschutz gewährleisten (9, 10). Bei Hochrisikopatienten (z.B. bei Herzklappenersatz) kann ein rektaler Abstrich Aufschluss über das Erregerspektrum liefern und eine an die Resistenzlage angepasste antibakterielle Abdeckung ermöglichen. Sehr häufige Komplikationen (20-30%), welche aber meist keiner Therapie bedürfen sind vorübergehende Blutbeimengungen im Urin, auf dem Stuhl und im Sperma (1, 2, 8).

Biopsie mit perinealem Zugang

Beim perinealen Zugang erfolgen die Probenentnahmen ebenfalls unter TRUS-Kontrolle, jedoch mit Nadelführung vom Damm des Patienten aus. Daher können auch Prostata-Areale erreicht werden, welche bei der transrektalen Methode nur schwer zugänglich sind (z.B. ventral der Harnröhre). Zudem wird das Risiko einer Keimverschleppung und Infektion gesenkt, was bei zunehmender Resistenzlage in den letzten Jahren eine immer größere Rolle spielen könnte (11). Bei der Erstbiopsie konnte keine Überlegenheit der perinealen Methode im Vergleich zum transrektalen Zugang nachgewiesen werden. Die Indikation für die perineale Prostatabiopsie stellt sich daher meist erst bei erforderlicher Wiederholungsbiopsie, d.h. wenn der dringende klinische V.a. das Vorliegen eines Prostatakarzinoms besteht, welches aber durch eine oder mehrere transrektale Prostatabiopsien noch nicht nachgewiesen werden konnte. Die Karzinom-Detektionsrate scheint in diesen Fällen mit der perinealen Methode höher zu liegen als beim transrektalen Zugang (12, 13), insbesondere bei Verwendung eines sogenannten Templates. Diese Schablone (=Template), welche auch bei der Brachytherapie der Prostata zum Einsatz kommt, enthält Führungshilfen für die Biopsienadel und kann die Systematik der Probenentnahme erhöhen (Abb. 2). Als Nachteile sind der größere OP-Aufwand, die etwas höhere Invasivität und die häufig erforderliche Allgemein- oder Regionalanästhesie zu nennen.
 

Abb. 2: Perineales Template mit Koordinatensystem und Führungshilfe für die Biopsienadel. Der transrektale Ultraschall ermöglicht eine 3D-Positionskontrolle.
 

MRT-Biopsie

Die Untersuchungen der letzten Jahre, welche sich mit der Bildgebung der Prostata beschäftigten, zeigten für die Magnetresonanztomographie (v.a. multiparametrisch) die vielversprechendsten Ergebnisse. Folgerichtig wurde das MRT auch als bildgebendes Verfahren bei der Biopsie der Prostata eingesetzt. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen.

1. Der Radiologe benennt karzinomsuspekte Prostataregionen im multiparametrischen MRT (z.B. "rechts, basal, lateral"), welche vom Urologen unter TRUS-Kontrolle biopsiert werden.
2. Die MRT-Bilder werden auf das Sonographiegerät überspielt und mit den Live-Ultraschall-Bildern fusioniert. Die auffälligen Bereiche sind markiert und können unter TRUS-Kontrolle biopsiert werden.
3. Der Radiologie biopsiert unter MRT-Bedingungen karzinomsuspekte Bereiche.

Laut aktuellen Studien scheint die Detektionsrate, insbesondere von signifikanten Prostatakarzinomen bei der MRT-Biopsie höher zu sein als bei der konventionellen oder Template-gestützten Probenentnahme (13, 14). Allerdings wird das MRT-Verfahren in den Leitlinien nicht als Primärmaßnahme empfohlen. Die Indikation wird erst bei dringendem klinischen V.a. ein Prostatakarzinom trotz unauffälliger TRUS-Biopsie gesehen. Zudem wird die Verfügbarkeit einer MRT-Biopsie durch die anspruchsvollen technischen Voraussetzungen und die erforderliche Erfahrung des Radiologen mit multiparametrischen Prostata-MRTs auf spezialisierte Zentren limitiert.

Zusammenfassung

1. Nur biopsieren, wenn daraus eine therapeutische Konsequenz folgt!
2. Die transrektale ultraschallgesteuerte Prostatabiopsie ist das Verfahren der ersten Wahl.
3. Die transrektale ultraschallgesteuerte Prostatabiopsie wird flächendeckend angeboten und ist ein einfach durchzuführendes, sicheres sowie kostengünstiges Verfahren.
4. Prostatabiopsien mittels perinealem Template oder MRT zeigen höhere Detektionsraten, sollten aber nicht als primäres Verfahren empfohlen werden.

 


 

Dr. med. Lennart Skrobek

Klinik für Urologie und Kinderurologie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Standort Marburg
Baldingerstraße
35043 Marburg

Tel.: 06421/5869 895
E-Mail: Skrobek@uni-marburg.de



Abstract

L. Skrobek, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Marburg

Prostate Cancer is the most common malignancy among men. Although diagnostic methods constantly improved in the last decades, bioptic specimen remains the only way to supply evidence of prostate cancer. Furthermore histologic Gleason-grade is one of the best predictors of disease progression and plays an important role in risk evaluation and choice of therapy. This article summarizes indications for and different methods of prostate biopsy.

Keywords: prostate cancer, diagnosis, prostate biopsy



Literaturhinweise:

(1) S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom, Version 2.0, 1. Aktualisierung von 2011.
(2) EAU Guidelines on Prostate Cancer 2013.
(3) Prostatakarzinom - Leitlinien des Arbeitskreises für Urologische Onkologie AUO der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie 2010.
(4) Mitterberger M, Horninger W, Pelzer A, et al. A prospective randomized trial comparing contrast-enhanced targeted versus systematic ultrasound guided biopsies: impact on prostate cancer detection. Prostate. 2007;67(14):1537-42.
(5) Taymoorian K, Thomas A, Slowinski T, et al. Transrectal broadband-Doppler sonography with intravenous contrast medium administration for prostate imaging and biopsy in men with an elevated PSA value and previous negative biopsies. Anticancer Res 2007;27(6C):4315-20.
(6) Wink M, Frauscher F, Cosgrove D, et al. Contrast-enhanced ultrasound and prostate cancer; a multicentre European research coordination project. Eur Urol 2008;54(5):982-92.
(7) Miyagawa T, Tsutsumi M, Matsumura T, et al. Real-time elastography for the diagnosis of prostate cancer: evaluation of elastographic moving images. J Clin Oncol 2009;39(6):394-8.
(8) Loeb S, Carter HB, Berndt SI, et al. Complications after prostate biopsy: data from SEER-medicare. J Urol 2011;186(5):1830-4.
(9) Aron M, Rajeev TP, Gupta NP. Antibiotic prophylaxis for transrectal needle biopsy of the prostate: a randomized controlled study. BJU Int 2000;85(6):682-5.
(10) Cam K, Kayikci A, Akman Y, Erol A. Prospective assessment of the efficacy of single dose versus traditional 3-day antimicrobial prophylaxis in 12-core transrectal prostate biopsy. Int J Urol. 2008;15(11):997-1001.
(11) Cuevas O, Oteo J, Lázaro E, et al. Spanish EARS-Net Study Group. Significant ecological impact on the progression of fluoroquinolone resistance in Escherichia coli with increased community use of moxifloxacin, levofloxacin and amoxicillin/clavulanic acid. J Antimicrob Chemother 2011; 66(3):664-9.
(12) Takenaka A, Hara R, Ishimura T, et al. A prospective randomized comparison of diagnostic efficiency between transperineal and transrectal 12-core prostate biopsy. Prostate Cancer Prostatic Dis 2008; 11:134-8.
(13) Cantiani A, Kuru TH, Lombardo R, Wadhwa K, et al. Repeat prostate biopsy after initial benign standard biopsies - comparison of 3 advanced techniques; MRI/TRUS fusion transperineal, transperineal sector, extensive transrectal prostate biopsies (MD Anderson protocol). ASCO 2013, Abstr. #548.
(14) Siddiqui M, Rais-Bahrami S, Stamatakis L, et al. Gleason Score Upgrading on MRI/Ultrasound Fusion Guided Prostate Biopsy versus Systematic 12-Core TRUS Biopsy M. ASCO 2013, Abstr. #2219.

Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
STICHWÖRTER:
Anzeige:
 
 
Anzeige:
Zur Fachinformation
 
 
 
Themen
CML
NET
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs
 
ASCO 2017