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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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13. Februar 2017

Praktische Erfahrungen mit nal-Irinotecan in der Therapie des Pankreaskarzinoms

Interview mit Prof. Dr. Gerald Prager, Wien.

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Entitäten mit der schlechtesten Prognose. Die Inzidenz ist nahezu so hoch wie die Mortalität, und es gibt wenige Therapieoptionen. Im Oktober 2016 wurde nal-Irinotecan (nal-IRI, Onivyde®) als neue Therapieoption zugelassen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Gerald Prager, Klinische Abteilung für Onkologie, Medizinische Universität Wien, über die Entwicklungen beim metastasierten pankreatischen duktalen Adenokarzinom (mPDAC) und den Wert des liposomal verkapselten Irinotecan für die Zweitlinientherapie.
JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Patienten behandeln Sie mit nal-IRI?

Prager:
Die Therapie mit nal-IRI in Kombination mit 5-FU/LV entsprechend der NAPOLI-1-Studie (1) im zweiwöchentlichen Schema nach Versagen einer Gemcitabin-haltigen Therapie betrifft alle mPDAC-Patienten, die fit genug sind, nach Versagen einer Erstlinientherapie weiterbehandelt zu werden. In unserer klinischen Routine sind das immerhin knapp zwei Drittel aller Patienten, die bezüglich Performance-Status und Organfunktionen für eine Zweitlinientherapie geeignet sind. Unsere bevorzugte Erstlinientherapie im palliativen Setting ist die Kombination nab-Paclitaxel+Gemcitabin, vor allem wegen der besseren Verträglichkeit im Vergleich zu FOLFIRINOX sowie der guten biologischen Aktivität. In der Sequenz, nach dem Versagen dieser Erstlinientherapie, ergeben sich Möglichkeiten für eine 5-FU-basierte Zweitlinientherapie mit dem Kombinationspartner Oxaliplatin oder mit nal-IRI, letztere Option hat in der klinischen Phase-III-Studie NAPOLI-1 sehr schöne Ergebnisse gezeigt und ist als einzige Option zugelassen. In dieser Studie zeigte Onivyde® in Kombination mit 5-FU und LV im primären Endpunkt Gesamtüberleben (OS) eine signifikante Verbesserung gegenüber dem 5-FU/LV-Kontrollarm. Das mediane OS konnte um 45% von 4,2 auf 6,1 Monate verlängert werden (HR stratifiziert 0,57; HR nicht stratifiziert 0,67; p=0,012). Wir haben nal-IRI zuerst in einem Compassionate-Use-Programm erfolgreich in unserem Zentrum eingeführt. Das ist mit der Zulassung jetzt übergegangen in die indikationsgemäße Verschreibung, sodass wir bereits Erfahrungen mit über 50 Patienten sammeln konnten. Hierbei hat sich gezeigt, dass nicht nur die Effizienz sehr gut ist – wir sehen in der Zweitlinie ein Ansprechen, welches beim Pankreaskarzinom schon in der Erstlinie selten zu erwarten ist – in der Regel beobachten wir auch eine gute Verträglichkeit unter Berücksichtigung der bekannten Nebenwirkungen. Unsere Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen der NAPOLI-1-Studie. Die häufigsten Nebenwirkungen mit Schweregrad 3 oder 4, die bei den 117 mit nal-IRI + 5-FU/LV behandelten Patienten in NAPOLI-1 auftraten, waren Neutropenie (32 (27%)), Diarrhoe (15 (13%)), Erbrechen (13 (11%)) und Fatigue (16 (14%)). Außerdem sehen wir unter der Therapie mit nal-IRI einen guten Erhalt der Lebensqualität der Patienten. Die Behandlung mit nal-IRI hat sich an unserem Zentrum sehr gut bewährt.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der nal-IRI-Kombination?

Prager:
Für unsere Patienten mit der prognostisch limitierten Diagnose eines metastasierten Pankreaskarzinoms ist es extrem wichtig, dass neue Substanzen in die Klinik eingeführt wurden. Erstmals können wir einen Therapie-Algorithmus entsprechend der Komorbiditäten, des Alters etc. aufstellen. Wir sind jetzt in der Lage, den Patienten palliativ durch den Krankheitsverlauf zu führen und wissen in den meisten Fällen zum Zeitpunkt der Erstlinientherapie bereits, welche Zweitlinientherapie infrage kommt. Wenn der Patient fit genug ist und der Wunsch nach weiterer systemischer Behandlung besteht, haben wir also jetzt die Option mit der nal-IRI-Kombination und in weiterer Folge erstmalig auch die Möglichkeit einer Drittlinienbehandlung mit Oxaliplatin im OFF- oder FOLFOX-Schema. Wir sprechen also über drei Therapielinien beim metastasierten Pankreaskarzinom – das ist wirklich ein Novum und mit der guten Verträglichkeit sehr positiv für die Patienten.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wird stratifiziert für eine Zweitlinientherapie mit nal-IRI?

Prager:
Wir schauen auf die klinischen Parameter, also Organfunktionen, Komorbiditäten, Allgemeinzustand des Patienten und seine Einstellung zu einer weiteren systemischen Behandlung. Wird der Patient symptomorientiert begleitet mit einem proaktiven Nebenwirkungsmanagement, werden die Therapien besser vertragen und die Patienten fühlen sich in der Regel so sicher, dass sie sich weiter systemisch behandeln lassen und damit bessere Resultate erzielen.


Vielen Dank für das Gespräch!


Mit freundlicher Unterstützung von Shire (vormals Baxalta, now part of Shire)
Dr. Ine Schmale, Westerburg
Literatur:
(1) Wang-Gillam A et al. Lancet 2016; 387(10018): 545-557.
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