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Medizin

16. Januar 2019 PV: Neue Langzeitdaten bestätigen andauernde Wirksamkeit und Sicherheit von Ruxolitinib

Viele Patienten mit Polycythaemia Vera (PV) sind aufgrund hoher Symptomlast in ihrem Alltag in Beruf und Familie erheblich beeinträchtigt (1-4), wie bei der ASH-Jahrestagung präsentierte Daten erneut bestätigen (5,6). Eine Analyse von Registerdaten aus Deutschland weist darauf hin, dass belastende Symptome von den behandelnden Ärzten häufig unterschätzt werden (6). 5-Jahres-Daten der RESPONSE-Studie zur Zweitlinientherapie der PV mit dem JAK-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) zeigen, dass die effektive Verbesserung hämatologischer Parameter auch langfristig anhält (7,8).
PV gehört gemeinsam mit der Primären Myelofibrose und der Essentiellen Thrombozythämie zu den chronischen Myeloproliferativen Neoplasien (MPN) (1). Sie ist charakterisiert durch eine unkontrollierte Proliferation aller 3 hämatopoetischen Zellreihen (Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten) sowie eine hohe Symptomlast (1-6). Dies bestätigt eine Reihe neuer Studiendaten, die vor Kurzem anlässlich der 60. ASH-Jahrestagung in San Diego, USA, präsentiert wurden (5,6). Zudem zeigen neue Langzeitdaten zur Zweitlinientherapie der PV anhaltende Wirksamkeit und Sicherheit von Ruxolitinib über mittlerweile bis zu 5 Jahre (7,8).

PV – Jüngere Patienten im Fokus

Mit einem medianen Lebensalter bei Diagnose von 60-65 Jahren betrifft die PV überwiegend ältere Menschen (1). Eine Arbeitsgruppe der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota, analysierte phänotypische Merkmale und Langzeitverläufe von 3.023 jüngeren MPN-Patienten, einschließlich 665 jüngeren PV-Patienten im Zeitraum 1967-2017. 12% der Patienten waren bei Diagnosestellung ≤ 40 Jahre alt. Das mediane Überleben bei MPN betrug 37 Jahre und war damit länger als in den Altersgruppen 40-60 und > 60 Jahre mit 22 bzw. 10 Jahren. Die Autoren folgern, dass jüngere MPN-Patienten eine spezifische Population darstellen, bei deren Behandlung und Beratung Besonderheiten hinsichtlich Krankheitsverlauf und biologischer Merkmale sorgfältig berücksichtigt werden sollten (9,10).

Einschränkungen bei Berufstätigkeit und Einkommen

Von 904 US-amerikanischen an einer Befragung teilnehmenden MPN-Patienten (mittleres Alter: 54 Jahre, mittlere Krankheitsdauer: 6,1 Jahre) befanden sich 592 (65%) zum Zeitpunkt der MPN-Diagnose in einem Angestelltenverhältnis. 50,5% berichteten über mind. eine krankheitsbedingte Veränderung im Arbeitsverhältnis. Einkommenseinbußen waren am größten bei vorzeitig berenteten Patienten (rund 420.000 USD). Unter den 383 Befragten im Alter von 45-64 Jahren waren 18,8% aufgrund der Erkrankung in Frührente gegangen. In einer repräsentativen Vergleichspopulation betrug der Anteil der Rentner nur 7,8% bei sehr gutem/gutem und 9,2% bei schlechtem Gesundheitszustand (5).

Unterschätzte Symptomlast

Ergebnisse einer prospektiven, nicht-interventionellen Studie der GSG-MPN (German Study Group for MPN) bestätigen die erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität bei MPN. Das häufigste Symptom Fatigue trat bei mehr als 80% der 1.403 teilnehmenden Patienten mit MPN einschließlich PV auf. Mehr als die Hälfte der Patienten berichteten über rasches Sättigungsgefühl, Nachtschweiß, Konzentrationsstörungen oder Beeinträchtigung der Lebensqualität insgesamt. Beim Vergleich der Patientenangaben mit der ärztlichen Einschätzung zeigte sich eine bemerkenswerte Diskrepanz, etwa im Hinblick auf Fatigue, die von den Ärzten in ca. 20% der Fälle nicht wahrgenommen wurde. Dies weist darauf hin, dass die hohe Symptomlast bei MPN-Patienten von Ärzten bisweilen unterschätzt wird (6).

Besserung hämatologischer Parameter und der Symptomlast

Die Haupttherapieziele bei PV umfassen laut Onkopedia-Leitlinie die Reduktion des Risikos für Thromboembolien, Kontrolle klinischer Symptome sowie die Vermeidung eines Fortschreitens der Erkrankung. Das Risiko für thromboembolische Ereignisse lässt sich durch eine Verminderung des Hämatokrit (Hkt)-Wertes senken (1).

In der Zweitlinientherapie der PV kann der JAK-Inhibitor Ruxolitinib (Jakavi®) sowohl eine effektive Besserung hämatologischer Parameter als auch eine Reduktion der Symptomlast bewirken (11,12). Ruxolitinib ist seit März 2015 zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit PV, die eine Resistenz oder Unverträglichkeit gegenüber Hydroxycarbamid (Hydroxyurea, HU) aufweisen (11). Daten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie RESPONSE, in der Ruxolitinib mit der besten verfügbaren Therapie (BAT) verglichen wurde, zeigten eine dauerhafte und effektive Blutbild-Kontrolle und Reduktion der Symptomlast – darunter insbesondere sehr belastender Symptome wie Fatigue und Pruritus – bei insgesamt guter Verträglichkeit (1,11,12).

5-Jahresdaten unterstreichen anhaltende Wirksamkeit

Eine aktuelle Analyse der RESPONSE-Studie ergab eine effektive, anhaltende Wirksamkeit auch nach 224 Wochen. Die Kaplan-Meier-Schätzung für die Dauer der Aufrechterhaltung des primären Ansprechens lag bei 0,74 (Abb. 1). Die Kaplan-Meier-Schätzung für die Dauer der Hämatokritkontrolle ohne Aderlass betrug 67% (95%-KI: 0,54-0,77) (7).
 
Abb. 1: Anhaltendes primäres Ansprechen auf Ruxolitinib in der RESPONSE-Studie (7)
Abb. 1: Anhaltendes primäres Ansprechen auf Ruxolitinib in der RESPONSE-Studie.7


Anhaltendes Ansprechen auch bei PV-Patienten ohne Splenomegalie

Aktuelle 156 Wochen-Daten der offenen Phase-IIIb-Studie RESPONSE-2 unterstreichen die anhaltende Wirksamkeit und Sicherheit von Ruxolitinib auch bei PV-Patienten ohne Splenomegalie. Zu diesem Zeitpunkt erreichten unter Ruxolitinib knapp 61,7% (29/47) eine andauernde Hkt-Kontrolle und 24,3% (4/17) ein komplettes hämatologisches Ansprechen. Zudem profitierten Patienten im Langzeitverlauf von einer Reduktion der Symptomlast – ohne neue Hinweise in puncto Sicherheit. Den Autoren zufolge sind die Ergebnisse konsistent mit denen der RESPONSE-Studie und stützen den Einsatz von Ruxolitinib als Standardtherapie in der Zweitlinie bei Patienten mit unzureichend kontrollierter PV (8).

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Lengfelder E, Baerlocher GM, Gisslinger H et al.: DGHO-Leitlinie „Polycythaemia Vera (PV)“. Stand August 2018. Online verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/polycythaemia-vera-pv/@@view/pdf/index.pdf?filename=polycythaemia-vera-pv.pdf . Letzter Zugriff am 9. Januar 2019.
(2) Mesa R, Miller CB, Thyne M et al.: Myeloproliferative neoplasms (MPNs) have a significant impact on patients’ overall health and productivity: the MPN Landmark survey. BMC Cancer 2016;16:167.
(3) Harrison CN, Koschmieder S, Foltz L et al.: The impact of myeloproliferative neoplasms (MPNs) on patient quality of life and productivity: results from the international MPN Landmark survey. Ann Hematol 2017;96(10):1653-1665.
(4) Yu J, Parasuraman S, Paranagama DC et al.: Impact of myeloproliferative neoplasms on patients’ employment status and work productivity in the United States: results from the living with MPNs survey. Blood 2017;130:1637.
(5) Condliffe S, Yu J, Paranagama DC et al.: Impact of myeloproliferative neoplasms on patients’ employment and income: findings from the Living with MPN Survey. 60th American Society of Hematology (ASH) Annual Meeting, San Diego (California, USA), 1.-4. Dez. 2018, Abstract 2250.
(6) Isfort S, Stegelmann F, Klausmann M et al.: Comorbidities such as thromboembolic events significantly worsen patient-reported quality of life (QoL) and symptoms in myeloproliferative neoplasms (MPN) - data from the Bioregistry of the German Study Group for MPN (GSG-MPN). 60th American Society of Hematology (ASH) Annual Meeting, San Diego (California, USA), 1.-4. Dez. 2018, Abstract 4292.
(7) Kiladjian JJ, Zachée P, Hino M et al. Long-term efficacy and safety (5 years) in RESPONSE, a phase 3 study comparing ruxolitinib (rux) with best available therapy (BAT) in hydroxyurea (HU)-resistant/intolerant patients (pts) with polycythemia vera (PV). 60th American Society of Hematology (ASH) Annual Meeting, San Diego (California, USA), 1.-4. Dez. 2018, Abstract 1753.
(8) Passamonti F, Palandri F, Saydam G et al.: Ruxolitinib for the treatment of inadequately controlled polycythemia vera without splenomegaly: 156-week follow-up from the phase 3 Response-2 study. 60th American Society of Hematology(ASH) Annual Meeting, San Diego (California, USA), 1.-4. Dez. 2018, Abstract 1754.
(9) Szuber N, Mythri M, Nicolosi M et al. Myeloproliferative neoplasms in young patients: The Mayo Clinic experience with 361 cases age 40 years or younger. 60th American Society of Hematology (ASH) Annual Meeting, San Diego (California, USA), 1.-4. Dez. 2018, Abstract 3033.
(10) Szuber N, Vallapureddy RR, Penna D et al. Myeloproliferative neoplasms in the young: Mayo Clinic experience with 361 patients age 40 years or younger. Am J Hematol 2018;93:1474-1484.
(11) Fachinformation Jakavi®.
(12) Vannucchi AM, Kiladjian JJ, Griesshammer M et al. Ruxolitinib versus standard therapy for the treatment of polycythaemia vera. N Engl J Med 2015;372(5):426-35.


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