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Zeitschrift online - Ausgabe 05-11

nab-Paclitaxel – das bessere Taxan?

Die Substanz nab (nanoparticle albumin bound)-Paclitaxel/Paclitaxel-Albumin (Abraxane®) ist in der EU zur Behandlung des metastasierten Brustkrebs (MBC) bei Erwachsenen nach Versagen der Primärtherapie oder bestehender Kontraindikation gegen Anthrazykline zugelassen. Drei Experten erläuterten die Vorteile von nab-Paclitaxel, die dafür sprechen, Abraxane® in der metastasierten Situation bevorzugt einzusetzen.


Prof. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Universitätsklinikum Heidelberg

Herr Professor Schneeweiss, was macht Abraxane® einzigartig?



„Die Entwicklung von Abraxane® beruht auf der lösungsmittelfreien, tumorgerichteten nab-Technologie. Diese bewirkt, dass an Albumin gebundenes Paclitaxel durch die Gefäßzelle hindurch transportiert wird und sich bevorzugt in Geweben anreichert, wo das spezifisch albuminbindende Protein SPARC (Secreted Protein, Acidic and Rich in Cysteine) verstärkt sezerniert wird. Das ist hauptsächlich bei Tumoren der Fall.

Durch die lineare Pharmakokinetik von nab-Paclitaxel können höhere Dosen verabreicht werden, ohne dass dadurch überproportional mehr Nebenwirkungen auftreten. Es wird kein Lösungsvermittler benötigt. Dadurch kommt es zu weniger Überempfindlichkeitsreaktionen, sodass keine Begleitmedikation benötigt wird. In der Monotherapie ist nab-Paclitaxel dem freien Paclitaxel in der metastasierten Situation vorzuziehen.“

Prof. Christian Jackisch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiter des zertifizierten Brustzentrums der Klinikum Offenbach GmbH

Herr Professor Jackisch, worin liegt der klinische Vorteil von nab-Paclitaxel?



„Der wesentliche Vorteil ergibt sich aus der höheren Wirksamkeit von nab-Paclitaxel und dem günstigen Nebenwirkungsprofil gerade bei vorbehandelten Patientinnen in der metastasierten Brustkrebssituation. Die Überlebensdaten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie zeigen für nab-Paclitaxel einen signifikanten Vorteil von im Median ca. 10 Wochen gegenüber freiem Paclitaxel. Trotz einer um 49% höheren Dosierung des Wirkstoffs im nab-Paclitaxel-Arm, zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede in den Sicherheitsprofilen.

Der Benefit erstreckt sich auf alle Subgruppen. Eine gute Wirksamkeit ist bei Patientinnen mit mindestens einer Vortherapie in der metastasierten Situation zu sehen. Viszerale Metastasierungen sprechen auf nab-Paclitaxel sogar deutlich besser an als auf Paclitaxel oder Docetaxel.

Auch dem Docetaxel ist nab-Paclitaxel überlegen in Bezug auf Ansprechrate und progressionsfreies Überleben. Das ist eine sehr hohe Messlatte, da Docetaxel bisher eine der wesentlichen Substanzen beim metastasierten Mammakarzinom war.

Eine Phase-II-Studie konnte diesbezüglich zeigen, dass bei nicht vorbehandelten Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs die wöchentliche Dosierung von 100 oder 150 mg nab-Paclitaxel wirksamer ist als die 3-wöchentliche Gabe (300 mg) bzw. Docetaxel (100 mg).

Patientinnen, die auf die First-Line-Behandlung für die metastasierte Erkrankung nicht ansprachen und für die eine Anthracyclin-haltige Standardtherapie nicht indiziert ist, würde ich wöchentlich mit nab-Paclitaxel behandeln.

Durch den Wegfall der Steroide als prophylaktische Therapie haben die Patientinnen einen größeren theapeutischen Benefit und so ist der Nutzen von nab-Paclitaxel meiner Meinung nach höher anzusiedeln als bei anderen Taxanen. Dies wird sicher eine praxisändernde Einstellung bei den Therapeuten haben.“

Prof. Hans-Joachim Lück, gynäkologisch-onkologische Praxis, Hannover

Herr Professor Lück, welches Sicherheitsprofil weist nab-Paclitaxel auf und wie beurteilen Sie die Lebensqualität der Patientinnen?



„Da bei nab-Paclitaxel kein Lösungsvermittler notwendig ist, müssen wir mit keinen Hypersensitivitätsreaktionen rechnen und benötigen daher keine Prämedikation mit Steroiden wie bei den freien Taxanen. Die Patienten haben somit die gleichen Vorteile einer effektiven Therapie, ohne eine Begleitmedikation in Anspruch nehmen zu müssen. Trotz höherer Dosierung von nab-Paclitaxel entwickelt sich keine überproportionale Toxizität. Eine sensorische Neuropathie tritt wie bei anderen Taxanen zwar auch auf, jedoch bildet sie sich sehr viel schneller wieder zurück. Die Daten zur Lebensqualität sind publiziert und im klinischen Alltag hat sich gezeigt, dass Patienten, die keine Zusatzmedikation erhalten, eine bessere Lebensqualität haben. Ein kleines, enges Toxizitätsspektrum bei hoher Effektivität bedeutet einen hohen therapeutischen Index, ganz besonders in der metastasierten Situation. Es gibt kein besseres Taxan, das wir zur Verfügung haben, deshalb sollten wir es in der metastasierten Situation gemäß Zulassungsstatus einsetzen.“

Die kompletten Interviews hierzu finden Sie unter www.journalonkologie.de, Videofortbildung.

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Zuletzt geändert am: 08.07.2011

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