Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
21. April 2015

Endometriumkarzinom: Keine diagnostische Methode kann derzeit ein operatives Staging ersetzen

Endometriumkarzinom: Keine diagnostische Methode kann derzeit ein operatives Staging ersetzen
© maya2008 / Fotolia.com

Am Endometriumkarzinom (Gebärmutterkörperkrebs, Korpuskarzinom) erkranken in Deutschland jährlich 11.280 Frauen. Mit einem Anteil von 5,1% liegt der Tumor hierzulande an 4. Stelle unter den Krebsneuerkrankungen (1).  Mit fortschreitendem Alter steigt die Erkrankungshäufigkeit an und erreicht zwischen 75 und 80 Jahren ihren Gipfel. Etwa 2-4% aller Endometriumkarzinomfälle werden bei Frauen unter 45 Jahren registriert (2,3).

Das 5-Jahres-Überleben bei Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs, beträgt etwa 90% in den Stadien Ia und Ib, 81% im Stadium Ic, 80% im Stadium IIa, 50% im Stadium IIIc und sinkt auf knapp 20% im Stadium IV (4).

Bei Endometriumkarzinomen wird zwischen zwei verschiedenen Entitäten unterschieden, die hinsichtlich Ätiologie, Pathogenese und klinischem Verlauf stark voneinander differenzieren (2, 5, 6). Das östrogenassoziierte Endometriumkarzinom (Typ-I) ensteht in der Regel über eine charakteristische Sequenz von hyperplastischen Veränderungen des Endometriums, deren präkanzeröse Potenz kontinuierlich zunimmt. Hyperöstrogene Zustände (anovulatorische Zyklen, metabolisches Syndrom mit Adipositas, östrogenproduzierende Tumoren, PCO-Syndrom, Langzeiteinnahme von Östrogenen ohne Gestagenschutz), eine Tamoxifen-Therapie sowie das HNPCC-Syndrom als autosomal-dominant vererbte Erkrankung gelten als gesicherte Risikofaktoren beim Typ-I-Endometriumkarzinom (2, 5). Das nichtöstrogenassoziierte Endometriumkarzinom (Typ II) entsteht wahrscheinlich durch eine maligne Transformation des atrophischen Endometriums der älteren Frau. Die einzigen bis heute bekannten Risikofaktoren dafür sind Alter (höhere statistische Wahrscheinlichkeit von Mutationen) und der Zustand nach pelviner Bestrahlung (2, 7, 8).

Endometriumkarzinome sind bis auf wenige Ausnahmen Adenokarzinome. Das endometrioide Adenokarzinom stellt mit ca. 80% den Großteil der Endometriumkarzinome dar [5]. Diese sind überwiegend östrogenabhängig (Typ I). Die Präkanzerose der Typ-I-Karzinome ist die atypische Hyperplasie. Prototypen des nichthormonabhängigen Typ-II-Karzinoms sind das seröse und das klarzellige Karzinom. Als Vorstufe der serösen Tumoren gilt das endometriale intraepitheliale Karzinom (EIC).

Als klassisches Symptom beim Endometriumkarzinom gilt die uterine Blutung postmenopausaler Frauen. Befunde wie eine Hämato- oder Pyometra müssen selbstverständlich auch auf ein Karzinom hin abgeklärt werden.

Bislang existiert keine diagnostische Methode, die ein operatives Staging beim Gebärmutterkörperkrebs ersetzten kann.

Auch in lokal fortgeschrittenen Stadien ist eine operative Intervention mit dem Ziel der maximalen Tumorresektion, wenn möglich makroskopisch tumorfrei, meist mit einem Nutzen für die Patienten verbunden. Bei isoliertem Befall von Harnblase und/oder Rektum gegebenenfalls vordere und/oder hintere Exentration. Möglicherweise steht mit der operativen Entfernung von Lymphknotenmetastasen auch Prognoseverbesserung im Zusammenhang. Es sollte deshalb, sofern der Allgemeinzustand der Patientin dies zulässt, bei Vorliegen eines High-risk-Karzinoms und wenn eine vollständige Entfernung der Tumormanifestation möglich scheint, eine pelvine und paraaortale Lymphonodektomie durchgeführt werden.

Neue Studie favorisieren die Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie (sequentiell, simultan) für die High-risk-Karzinome. Mögliche Chemotherapie-Regime für die kombinierte Radiochemotherapie sind Cisplatin oder Cisplatin/Paclitaxel.

Literatur:

1. www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/

GBEDownloadsB/KID2012.pdf?__blob=publicationFile

2. Emons G, Günthert AR, Viereck V et al. (2003) Endokrine Therapie des Endometriumkarzinoms und seiner Präkanzerosen. Gynäkologe 36:86-96

3. 15. Hanf V, Günthert AR, Hawighorst T et al. (2004) Endometriumkarzinom. Gynäkologe 37: 907-915

4. Creasman WT, Odicino F, Maisonneuve P et al. (2001) Carcinoma of the corpus uteri. J Epidemiol Biostatist 6:45-86

5. Amant F, Moerman P, Neven P et al. (2005) Endometrial cancer. Lancet 366:491-505

6. Farthing A (2006) Conserving fertility in the management of gynaecological cancers. BJOG 113:129–134

7. Boyd J (2002) Molecular genetics of endometrial carcinoma. American Society of Clinical Oncology. Educational Book pp 89-97

8. Sherman ME (2000) Theories of endometrial carcinogenesis: a multidisciplinary approach. Mod Pathol 13: 295-308

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Registrieren-Pfeil Registrieren-Pfeil Registrieren-Pfeil
Jetzt registrieren
News
Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Pembrolizumab + Lenvatinib verbessert PFS und OS im Vergleich zu Chemotherapie

Auf der virtuellen Jahrestagung der Society of Gynecologic Oncology (SGO) wurden erste Ergebnisse der Keynote-775-Studie (1) präsentiert. Danach verbessert Pembrolizumab in Kombination mit Lenvatinib das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben signifikant im Vergleich zur Chemotherapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Endometriumkarzinom nach einer vorherigen platinbasierten Chemotherapie – und dies unabhängig vom...

Endometriumkarzinom: Signifikant verbessertes OS unter Pembrolizumab + Lenvatinib

Frauen mit fortgeschrittenem Endometriumkarzinom haben nach Versagen einer initialen systemischen Therapie eine schlechte Prognose. Ein Lichtblick sind die Ergebnisse der Keynote-755/Studie 309: Darin hatte der Anti-PD-1-Antikörper Pembrolizumab plus Lenvatinib das Gesamtüberleben (OS), das progressionsfreie Überleben (PFS)und die objektive Ansprechrate (ORR) gegenüber der Chemotherapie signifikant verbessert. Die beim diesjährigen SGO...

Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Verbessertes PFS unter Pembrolizumab + Lenvatinib

MSD und Eisai zeigten erstmals neue Daten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie KEYNOTE-775/Studie 309 bei der virtuellen Jahrestagung 2021 der Society of Gynecologic Oncology (SGO) zu Krebserkrankungen bei Frauen. In der Studie wurde die Kombination von dem Anti-PD-1 Antikörper Pembrolizumab, der Anti-PD-1 Therapie von MSD, plus Lenvatinib, dem oral verfügbaren Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor von Eisai untersucht zur Behandlung...