Samstag, 6. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Medizin

29. Oktober 2019 Tumoren: Katalytische Immuntherapie soll Rezidive verhindern

Prinzipiell könnte unser Immunsystem Tumorzellen aufspüren und abtöten. Nur leider sind Tumoren bestens gegen Attacken des Immunsystems gerüstet. Trotz moderner Krebstherapien sind Metastasierungen und Rückfälle ein großes Problem. Der Aufbau einer „Antitumor-Immunität“ könnte jetzt aber greifbar werden – dank neuartiger Kupfertellurid-Nanopartikel, die unter NIR-Licht Enzyme nachahmen und oxidativen Stress in Tumorzellen auslösen, ihren immunsuppressiven Status aufheben und Entzündungsprozesse anstoßen, wie chinesische Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten.
Anzeige:
Venclyxto
Nanoenzyme sind heiße Kandidaten für eine katalytische Immuntherapie. Es handelt sich dabei um Nanopartikel, die zwar vollkommen anders aufgebaut sind als Enzyme, aber deren katalytische Aktivität nachahmen. Im Vergleich zu natürlichen Enzymen lassen sie sich einfacher herstellen, sind kostengünstiger und wesentlich stabiler.

Die Forscher um Wansong Chen und You-Nian Liu, Changsha, Hunan, China) stellen jetzt ein neues Nanoenzym vor: Kupfer-Tellurid-Nanopartikel (Cu2-xTe) ahmen die Aktivität der Enzyme Glutathion-Oxidase und Peroxidase nach. Die Aktivitäten basieren auf einem Wechsel der enthaltenen Kupfer-Ionen zwischen 2 verschiedenen Oxidationsstufen. Als Substrat wird Glutathion benötigt, ein Antioxidans, das in Tumorzellen in wesentlich höherer Konzentration vorkommt als in gesunden Zellen. Daher sind die Nanoenzyme nur in Tumorzellen aktiv. Die Nanoenzyme absorbieren NIR-II-Licht (nahes Infrarot im Wellenlängenbereich von 1.000 bis 1.350 nm), wodurch sich ihre Umgebung lokal aufheizt. Dieser Effekt verstärkt die enzymnachahmende Aktivität der Nanoenzyme ganz erheblich. Die NIR-II-Bestrahlung könnte bei einer Behandlung selektiv auf den Tumor ausgerichtet werden.

Versuche in Tumor-Zellkulturen und mit Tumormäusen ergaben, dass durch Nanoenzyme und NIR-II-Bestrahlung eine ganze Kaskade zellulärer Antworten ausgelöst wird, die den oxidativen Stress innerhalb des Tumors sehr stark erhöhen, was letztlich zur Apoptose führt. Entscheidend aber ist, dass gleichzeitig die Unterdrückung immunologischer Vorgänge innerhalb der Mikroumgebung des Tumors aufgehoben wird. Stattdessen werden entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt und eine Immunantwort ausgelöst. Im Einklang damit konnten die Forscher unter anderem eine erhöhte Konzentration Effektor-T-Gedächtniszellen beobachten. Das Immunsystem lernt dadurch, sich gegen Metastasen zu verteidigen und baut ein „immunologisches Gedächtnis“ auf, das einen Rückfall verhindert.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.


Das könnte Sie auch interessieren

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf

Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf
© littlebelli / Fotolia.com

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine sehr komplexe und aggressive Erkrankung, häufig mit einer ungünstigen Prognose. Oft bleiben nach dem ersten Schock für die Patienten viele Fragen im Arzt-Patientengespräch ungestellt oder die Betroffenen können nicht alle Informationen aufnehmen und verarbeiten. Auf der Patientenwebsite www.krebsratgeber.de von Janssen können Betroffene gezielt Antworten rund um das Thema AML in expertengeprüften...

Krebstherapie gestern, heute, morgen: Entwicklungen in der Onkologie

Krebs gilt heute als Volkskrankheit: Bei Frauen stieg die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen seit 1980 um 35 Prozent, bei Männern sogar um 80 Prozent an. Dass die krebsbedingte Sterberate dennoch im gleichen Zeitraum zurückging, ist u. a. Verdienst der modernen Forschung: In allen Bereichen der Krebsmedizin – von der Grundlagenforschung bis hin zur strukturierten Nachsorge der Patienten – haben sich enorme Erfolge eingestellt. Dies war jedoch ein weiter...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Tumoren: Katalytische Immuntherapie soll Rezidive verhindern "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.