Dienstag, 27. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lenvima
Lenvima
 
Medizin
30. September 2015

ALL: Genetische Disposition plus Infektionen in der frühen Kindheit als Ursache angenommen

Obwohl die Heilungschancen mit modernen Chemotherapieregimen bei Akuter Lymphoblastischer Leukämie (ALL) generell gut sind, erschüttert die Diagnose die betroffenen Kinder und ihre Familien sehr, schwerwiegende Spätfolgen der Krebstherapie bleiben häufig nicht aus. Leukämieprävention wäre also besser als jede Therapieoptimierung. Die aktuell publizierte, neue Studie einer deutsch-spanischen Forschergruppe, maßgeblich gefördert von der Deutschen Jose-Carreras-Leukämie-Stiftung e.V. geht davon aus, dass die ALL auf Grund eines komplexen Zusammenspiels von genetischer Disposition und Umweltfaktoren, sprich Infektionen, in der frühen Kindheit entsteht.

Die deutsche Arbeitsgruppe hat die Forschungsarbeiten unter der Leitung von Priv.Doz. Dr. Julia Hauer aus der Klinik für Kinder-Onkologie, -Hämatologie und Klinische Immunologie des Universitätsklinikums Düsseldorf (Direktor Prof. Arndt Borkhardt) in Kooperation mit der spanischen Arbeitsgruppe von Prof. Isidro Sanchez-Garcia vom Institute of Biomedical Research of Salamanca (IBSAL), Hospital Universitario de Salamanca durchgeführt. Die Arbeitsergebnisse wurden in der neusten Ausgabe der renommierten Zeitschrift „Cancer Discovery“, dem führenden Publikationsorgan der American Association of Cancer Research (AACR), unter dem Titel "Infection exposure is a causal factor in B-precursor acute lymphoblastic leukemia as a result of Pax5 inherited susceptibility" publiziert.

Die Hypothese, dass Leukämie durch infektiöse Trigger mit beeinflusst werden könnte, hatte bereits 1917 der britische Militärarzt Dr. Gordon Ward erstmals formuliert. Jedoch ist bis dato nicht bekannt, wie genau solche externen Faktoren das Immunsystem beeinflussen und dies dann bei genetisch suszeptiblen (disponierten) Kindern zur Leukämieentstehung führt. In aufwändigen Untersuchungen konnte nun gezeigt werden, dass Leukämie-suszeptible Mäuse nur dann eine Leukämie entwickeln, wenn sie nach der Geburt herkömmlichen Infektionserregern (Umwelt-Pathogenen) ausgesetzt sind. In Gegensatz dazu bleiben leukämiesuszeptible Tiere, die in keimfreien Käfigen untergebracht sind, lebenslang gesund.

Diese Studie wirft ein völlig neues Licht auf die Mechanismen der Leukämieentstehung. Zum einen zeigten die Forscher, dass erbliche Leukämiesuszeptibilität nicht automatisch in allen Tieren eine Leukämie auslöst. Zum andern identifizierten die Forscher eine präleukämische Zellpopulation, die weitere genetische Veränderungen bzw. Mutationen benötigt, um sich zu einer klinisch manifesten Leukämiepopulation zu entwickeln. Diese präleukämischen Zellen scheinen zudem besonders anfällig für solche zusätzlichen genetischen Veränderungen zu sein. Mit Hilfe der Next Generation DNA Sequenzierung und Maus-zu Maus Transplantationen gelang der Nachweis aktivierender Mutationen in bereits identifizierten, gut bekannten Onkogenen, die bei Mensch und Maus gleich sind.

Zum ersten Mal rekapituliert dieses neuartige in vivo Modell damit die Situation bei Kindern, die an einer ALL erkrankt sind und deren Immunsystem ebenfalls mit einer Reihe von infektiösen Erregern gefordert wird - besonders in der präleukämischen Phase, bevor die klinische Diagnose gestellt werden kann.

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Literatur:

Martin-Lorenzo A, Hauer J, Vicente-Duenas C et al. Cancer Discov. 2015,

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=nfection+exposure+is+a+causal+factor+in+B-precursor+acute+lymphoblastic+leukemia+as+a+result+of+Pax5+inherited+susceptibility


Anzeige:
Zavicefta
Zavicefta
 
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ALL: Genetische Disposition plus Infektionen in der frühen Kindheit als Ursache angenommen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose