Donnerstag, 4. Juni 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

28. März 2019 Sarkopene Adipositas bei Tumorpatienten

Mangelernährung ist bei Krebspatienten häufig und wird oft übersehen. Dass auch adipöse Tumorkranke unter einer zu geringen Muskelmasse bzw. Sarkopenie leiden können, ist eine wichtige Erkenntnis, welche die Ernährungsmediziner derzeit stark beschäftigt.
Anzeige:
Fachinformation
Mangelernährung findet sich im Krankenhaus bei etwa 40% der onkologischen Patienten (1). Sie wird nicht in allen Aspekten erkannt, wird zu selten und wenn, dann nur unzureichend behandelt, stellte Dr. med. Jann Arends, Freiburg, Erstautor der deutschen und der europäischen Leitlinien zur klinischen Ernährung in der Onkologie auf dem 33. Deutschen Krebskongress fest.

Muskelabbau unabhängig von Gewicht

Das Gleiche gilt für die Sarkopenie. Dabei liegt eine zu geringe Muskelmasse vor, die man mit Anthropometrie, Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) oder der Bioimpedanzanalyse (BIA) innerhalb der Körperkompartimente bestimmen kann (2). Auch Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) gelten als zuverlässige, jedoch aufwändige Hilfsmittel in der Diagnostik. „Um eine Sarkopenie zu diagnostizieren, reicht es also nicht, die Person auf die Waage zu stellen, denn das Gewicht sagt zunächst nichts über den Muskelabbau aus“, meinte Arends.

Adipositas als Risikofaktor und Vorteil

Bei Tumorpatienten bereitet ein Body Mass Index (BMI) von unter 18,5 bis 16, also extremes Untergewicht, Sorgen. Grundsätzlich ist jedoch jeder Gewichtsverlust ein Alarmsignal und sollte unabhängig vom BMI ernst genommen werden. Die Kranken leiden unter stärkerer Fatigue, reduzierter Leistungsfähigkeit, verringerter Lebensqualität und vor allem sterben sie früher, ergänzte Prof. Dr. Kristina Norman, Berlin/Potsdam-Rehbrücke. Adipositas gilt dagegen als Risikofaktor für das Entstehen von Tumorerkrankungen. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind ca. 40-60% der Krebspatienten übergewichtig; allerdings kann dies für die diagnostizierten Patienten möglicherweise sogar einen Vorteil darstellen, stellte Norman fest: „In gewissem Maße wirkt ein höheres Körpergewicht positiv auf den Verlauf der Erkrankung.“

Sarkopenie erhöht Risiken der Chemotherapie

Trotzdem kann man nicht davon ausgehen, dass ein adipöser Tumorkranker nicht an einer Kachexie oder Sarkopenie leidet. „Das höhere Gewicht maskiert häufig diese defizitären Zustände“, sagte Norman. Bei adipösen Patienten (mit BMI von 30) mit Kolorektalkarzinom leidet ein Viertel gleichzeitig an Sarkopenie. Bei Adipositas Grad I sind es 8,8%, bei Grad II 18,2% und bei Grad III noch 14,3% (3). Eine Bedeutung hat die Sarkopenie auch für die Verträglichkeit der Chemotherapie: Es resultieren z. B. sehr unterschiedliche Gewebekonzentrationen für 5-FU (5-Fluoruracil) bei fixierter Dosis pro Körperoberfläche mg/KG (4). „Sarkopene Patienten haben dadurch ein erhöhtes Risiko für dosislimitierende Toxizitäten, Therapieabbrüche und eine erhöhte Mortalität,“ sagte Norman. Bei präoperativem Vorliegen einer Sarkopenie zeigt sich nach Tumorresektion ein schlechterer Verlauf, eine erhöhte Komplikationsrate und gesteigerte Gesamtmortalität, stellte Norman klar. Der Einfluss der Sarkopenie auf die Mortalität bei 250 adipösen Tumorpatienten war so gravierend, dass sie eine um das Zweifache gesteigerte Mortalitätsrate zeigten, stratifiziert nach Alter, Geschlecht, Tumorentität und -stadium sowie Gewichtsverlust (5).

Multifaktorielle Ursachen

Ursachen für eine Sarkopenie sind multifaktoriell: die mangelnde physische Aktivität, das Alter (primäre Sarkopenie), die tumorinduzierte Katabolie, die Nebenwirkungen der Antitumortherapie sowie Malnutrition und Proteinunterversorgung. Gleichzeitig führt eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung ebenfalls zu einer weiteren Abnahme der Skelettmuskelmasse. Das Ziel der Ernährungsintervention bei sarkopener Adipositas sollte zwar die Erhöhung der fettfreien Muskelmasse sein (also die Steigerung der Skelettmuskulatur), kann aber auch lauten, dass man wenigstens darauf achtet, dass die fettfreie Muskelmasse beim Patienten nicht noch weiter abnimmt, betonte Norman.

Zufuhrempfehlungen

Die Zufuhrempfehlungen bei Tumorerkrankungen lauten: Bei Tumorpatienten kann in der Regel eine tägliche Eiweiß-/Aminosäurenzufuhr von 1,2-1,5 g/kg KG empfohlen werden. Der Bedarf kann bei ausgeprägter Inflammation auch höher (bis zu 2 g/kg KG) liegen. Der Gesamtenergiebedarf von Tumorpatienten ist nicht anders als der von Gesunden und sollte bestimmt werden. Bei Normalgewicht sollte der mobile Patient 30 kcal/kg täglich und der bettlägerige Patient 25 kcal/kg täglich erhalten (5). Dabei sollte der Patient entweder eiweißreiche Lebensmittel bevorzugen oder aber eiweißreiche Trinknahrung zu sich nehmen. Neben dieser ausreichenden Proteinversorgung sind adäquates Muskeltraining und physische Aktivität obligat, um einen Zuwachs bzw. Erhalt an Muskelmasse zu erzielen und damit der Sarkopenie vorzubeugen (5), betonte Norman. Bilanzierte medizinische Trinknahrung wie z. B. mit Fortimel® erhöht die Energie- und Nährstoffzufuhr und kann sich positiv auf den Ernährungszustand von onkologischen sarkopenen Patienten auswirken.
 

Quelle: Symposium „Optimierte Krebstherapie – Ernährung im Fokus“, anlässlich des 33. Deutschen Krebskongresses (DKK), 23.02.2018, Berlin; unterstützt von Nutricia GmbH

Literatur:

(1) Pirlich M et al Clin Nutr 2006
(2) Fearon K et al. Lancet Oncology 2011
(3) Prado CCM et al. Proceedings of the Nutrition Society 2016
(4) Prado CCM et al. Lancet Oncology 2008
(5) Arends J et al. Aktuelle Ernährungsmed 2015


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps

Als Krebspatient auf Reisen – hilfreiche Tipps
© Jenny Sturm / Fotolia.com

Ein Kurzurlaub in der Therapiepause – das hört sich für viele Betroffene verlockend an. Mal abschalten und die physischen und psychischen Belastungen der Erkrankung vorübergehend hinter sich lassen. Aber: Kann ich das als Krebspatient? Und worauf ist zu achten? Diese und weitere Fragen zum Thema „Reisen mit Krebs“ beantwortet der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums täglich von 08:00 Uhr bis 20:00 Uhr telefonisch unter 0800-420...

Gemeinsam ein Zeichen gegen Blutkrebs setzen - World Blood Cancer Day am 28. Mai

Gemeinsam ein Zeichen gegen Blutkrebs setzen - World Blood Cancer Day am 28. Mai
Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 28. Mai ist der World Blood Cancer Day (WBCD), der internationale Aktionstag im Kampf gegen Blutkrebs. Die DKMS stellt dazu auch in diesem Jahr Aufklärung und Information in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Die gemeinnützige Organisation möchte insbesondere junge Menschen nachhaltig an das lebenswichtige Thema Blutkrebs und Stammzellspende heranführen – und so künftig noch mehr Lebenschancen für betroffene Patientinnen und Patienten...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Sarkopene Adipositas bei Tumorpatienten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden