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Medizin

Leitlinienautor Prof. Dr. med. Michael Untch im Interview

14. Oktober 2015 Mit pegyliertem liposomalen Doxorubicin das metastasierte Mammakarzinom leitliniengerecht behandeln

Prof. Dr. med. Michael Untch, Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums am Helios Klinikum Berlin-Buch, ist Mitautor der interdisziplinären S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms sowie der AGO-Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs.

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Herr Professor Untch, welche Faktoren sind für Sie in der Therapie des metastasierenden Mammakarzinoms entscheidend?

Aus meiner Sicht sind 5 Punkte bei der Entscheidung für eine Therapie wichtig: der Wunsch der Patientin, die Tumorbiologie, die Komorbiditäten, die Vortherapien und der zu erwartende therapeutische Index (Benefit vs. Nebenwirkungen).
 
Wie bewerten Sie den Stellenwert von Caelyx® (pegyliertes liposomales Doxorubicin, PLD) in der Therapie des Mammakarzinoms?

Anthrazykline sind hier mit die potentesten Substanzen (1). PLD wird von der AGO-Leitlinie 2015 für die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms für Anthrazyklin- und Taxanvorbehandelte Patientinnen empfohlen (2). Zudem ist PLD zugelassen für Patientinnen mit einem erhöhten kardialen Risiko. Es hat ein gutes Nebenwirkungsspektrum: es verursacht viel seltener Haarausfall als konventionelles Doxorubicin (3), was von den Patientinnen sehr hoch geschätzt wird.
 
Bei welchen Patienten setzen Sie PLD ein?

PLD setzen wir ein bei Patienten mit metastasiertem Brustkrebs, die meistens schon eine (neo)adjuvante Behandlung mit Anthrazyklinen und Taxanen erhalten haben, und die auf eine anthrazyklinhaltige Therapie in der adjuvanten Situation gut angesprochen haben (> 12 Monaten zwischen Therapie und dem Auftreten der Metastasen) (1). Hier verspricht man sich mit dem Einsatz von PLD eine dauerhafte und gute Remission.
 
Wie wichtig sind für Sie das geringere Risiko einer Kardiotoxizität sowie einer verringerten Alopezie?
Gerade bei Patienten, bei denen Anthrazykline erneut eingesetzt werden sollen, ist PLD eine sehr gute Alternative, weil es ein Anthrazyklin mit vergleichsweise günstigem Kardiotoxizitätsprofil ist (Zulassungsstudie: PLD ist weniger kardiotoxisch als konventionelles Doxorubicin) (3). Die unter PLD in der Regel sehr geringe Alopezie ist für die Patientinnen das wichtigste Thema.
 
Leitlinien zum Einsatz von Caelyx® als Monotherapie beim metastasierten Mammakarzinom:
 
AGO-Guidelines der DGGG und DKG, 20152
·         Bei einer Erstlinienbehandlung des metastasierten Mammakarzinoms wird unter anderem PLD uneingeschränkt und mit dem höchsten vergebenen Grad 1b/A/++ empfohlen
·         PLD kann außerdem nach einer Taxan- und Anthrazyklin-Vorbehandlung verabreicht werden
S3-Leitlinien der AWMF, 2012 (4)
·         Monotherapien sind besser verträglich und daher bei geringeren Beschwerden und langsamem Progress des metastasierten Mammakarzinoms vorzuziehen
·         Als Monotherapie können z.B. Anthrazykline (auch in liposomaler Form) zum Einsatz kommen

Quelle: Janssen-Cilag

Literatur:

(1) DGHO Leitlinien zum Mammakarzinom der Frau, Stand Januar 2013, Herausgeber: DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V., abrufbar unter https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/mammakarzinom-der-frau/@@view/html/index.html, Zugriff am 06.10.2015
(2) Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) zur „Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs“, Herausgegeben von der Kommission Mamma (vertreten durch: Anton Scharl) der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. sowie in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., 2015. Abrufbar unter http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/maerz2015/de/2015D_20_Chemotherapie_mit_oder_ohne_zielgerichtete_Substanzen_beim_metastasierten_Mammakarzinom.pdf Zugriff am 06.10.2015
(3) O’Brien ME et al., Ann Oncol 2004; 15:440–449
(4) AWMF, Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und Deutsche Krebshilfe e. V. (Hg.); Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 3.0, 2012, abrufbar unter http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-045OL.html, Zugriff am 06.10.2015


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