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Medizin

11. Dezember 2017 Eisenchelation auch bei Niedrigrisiko-MDS mit Überlebensvorteil verbunden

Eine Eisenüberladung, meist durch häufige Erythrozytentransfusionen verursacht, erhöht Morbidität und Mortalität von Patienten mit den verschiedensten Grunderkrankungen, z.B. von solchen mit Niedrigrisiko-MDS (myelodysplastische Syndrome). Zahlreiche Untersuchungen lassen vermuten, dass eine Eisenchelationstherapie das Überleben solcher Patienten verlängert, und beim Kongress der American Society of Hematology (ASH) in Atlanta wurden 2 weitere, methodisch gut gemachte Studien dazu präsentiert.
Irische Hämatologen um Colleen Wong, Dublin, analysierten retrospektiv die Daten von 138 Patienten mit Niedrigrisiko-MDS nach dem IPSS. 59 von ihnen erhielten für median 13 Monate eine Eisenchelationstherapie (in den meisten Fällen mit Deferasirox), während 79 ohne eine solche Behandlung blieben. Beim Gesamtüberleben zeigte die Eisenchelation einen signifikanten Vorteil (Medianwert nach 105 Monaten nicht erreicht vs. 50,1 Monate für die nicht chelierten Patienten), der auch in einer multivariaten Analyse erhalten blieb. Außerdem verlängerte die Chelationstherapie hochsignifikant die Zeit bis zu einer ersten Infektion.

Diese Befunde sollten in einer größeren Studie bestätigt werden, so die Autoren. Da es kaum randomisierte Studien zu diesem Thema geben wird, unternahmen Kollegen um Marlijn Hoeks eine retrospektive Studie anhand des EUMDS-Registers, indem sie bis Sommer 2017 die Daten für 2.205 Patienten mit Niedrigrisiko-MDS fanden, von denen 205 eine Eisenchelation erhielten (zu etwa drei Viertel Deferasirox). Im Vergleich mit einer Gruppe von 657 nicht chelierten Patienten konnten die Eisenchelation das Mortalitätsrisiko um 34% reduzieren (HR=0,66), in einer multivariaten Analyse waren es noch 25% (HR=0,75). Beschränkte man die Analyse auf die Patienten, die Deferasirox zur Chelation erhalten hatten, lagen die Hazard Ratios bei 0,61 bzw. 0,79.

Um das Fehlen einer randomisierten Studie wenigstens teilweise zu kompensieren, wurde ein Propensity Score Matching-Modell auf die Daten angewendet, bei dem man noch mehr Störfaktoren kontrollieren kann als in einer klassischen multivariaten Analyse. Die grobe Hazard Ratio für Überleben lag hier für die 128 chelierten Patienten gegenüber 223 gematchten, nicht chelierten Kontrollen bei 0,77, bei Anwendung des Propensity Score Matchings hingegen bei 0,62 (95%-Konfidenzintervall 0,39-0,98). Beschränkte man die Auswertung auf die mit Deferasirox chelierten Patienten, lagen die entsprechenden Hazard Ratios bei 0,71 bzw. 0,58 (95%-KI 0,33-1,01).

Bei fehlenden Daten aus randomisierten, kontrollierten Studien kommt eine solche Analyse derartigen statistischen Ansprüchen noch am nächsten. Der klinische Nutzen einer Eisenchelation bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS wird damit zumindest sehr wahrscheinlich.


Josef Gulden

Quelle: 59. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH 2017)


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