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Imfinzi NSCLC
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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
30. Oktober 2008

Klinische Fallstudie II: Älterer Patient mit einem metastasierten hormonrefraktären Prostatakarzinom

Bei dem heute 76-jährigen Patienten wurde 1994 ein lokal begrenztes Prostatakarzinom diagnostiziert, das bis 2005 primär hormonell behandelt wurde. Nach zwischenzeitlich durchgeführter radikaler Salavage-Prostatektomie mit pelviner Lymphadenektomie erhält der mittlerweile metastasierte und hormonrefraktäre Patient seit November 2007 eine Chemotherapie mit Docetaxel, auf die er gut anspricht und die er gut verträgt.
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Klinischer Befund und primäre Therapie
Bei Erstdiagnose im Juni 1994 beträgt der PSA-Wert 11,8 ng/ml. Die 6-fache Stanzbiopsie der Prostata ist positiv (2/6) bei einem Gleason Score von 6 (3+3) (Abb. 2). Unter primärer Androgendeprivation fällt der PSA-Wert auf 1,7 ng/ml. Von Juli bis Oktober 1999 erhält der Patient außerdem eine perkutane 3-D konformale, CT-gestützte Bestrahlung (ad 72 Gy). Bei Beendigung der Androgendeprivation im Februar 2000 beträgt der PSA-Nadir 0,6 ng/ml.

Bei erneutem Anstieg des PSA-Wertes (2,3 ng/ml) wurde im Dezember 2001 erneut eine LHRH-Therapie eingeleitet, auf die der Patient gut ansprach (PSA-Wert: 0,3 ng/ml). 0

Im Dezember 2003 benötigte der Patient zusätzlich Bicalutamid als sekundäre Hormontherapie, da der PSA-Wert trotz Androgendeprivation erneut angestiegen war (5,6 ng/ml). Unter der maximalen Androgenblockade fiel der PSA-Wert auf 1,18 ng/ml. Nach wie vor bestanden keine Hinweise auf lymphogene, ossäre oder viszerale Metastasen.

Als der PSA-Wert im September 2004 wieder anstieg (2,2 ng/ml), wurde Bicalutamid für zwei Monate abgesetzt, um ein antiandrogenes Entzugssyndrom zu induzieren. Unter erneuter maximaler Androgenblockade ab November 2004 sank der PSA-Wert noch einmal, begann aber im April 2005 erneut zu steigen (4,3 ng/ml).

Im Mai 1999 war bei dem Patienten außerdem ein Nierenzellkarzinom (pT2bpN0G2) dia-gnostiziert worden. Der Patient unterzog sich seinerzeit einer radikalen Tumornephrektomie links.

Therapie des HRPC und Verlauf
Im Mai 2005 stellte sich der Patient erstmals einem Uro-Onkologen vor. Er war beschwerdefrei, aber beunruhigt durch den steigenden PSA-Wert (4,4 ng/ml) und hatte Sorge, dass der Tumor hormonrefraktär ist. Die transrektale Stanzbiopsie der Prostata und die 18C-Cholin-PET/CT bestätigten ein Androgen-unabhängiges Lokalrezidiv, Gleason Score 8 (4+4), Ki-67 Index 25%, ohne Hinweis auf eine systemische Metastasierung (Abb. 3). 1

Nach ausführlicher Beratung mit dem Patienten wurde im Oktober 2005 eine radikale Salvage-Prostatektomie mit pelviner Lymphadenektomie durchgeführt. Sie bestätigte ein lokal begrenzt-es Prostatakarzinom (ypT3bpN0)(0/22), Gleason Score 8 (4+4), das komplett reseziert wurde (R0).

Der PSA-Wert lag postoperativ bei 0,4 ng/ml. Ein Jahr später stieg der PSA-Wert langsam wieder an, was im März 2007 zur Einleitung einer sekundären Hormontherapie mit Ketokonazol und Hydrokortison führte, die aber keinen Erfolg brachte. Der PSA-Wert betrug im Mai 2007 26,6 ng/ml und im Juli 2007 54,8 ng/ml. Aufgrund der kurzen PSA-Verdopplungs-zeit (0,73 Monate) wurde mit dem Patienten die Option einer Chemotherapie besprochen, die der Patient jedoch wegen fehlender Beschwerden ablehnte.

Der PSA-Wert stieg weiter und betrug im Oktober 2007 89 ng/ml. Die bildgebende Dia-gnostik (Skelettszintigraphie und CT des Abdomens/Beck-ens) zeigte eine multilokuläre ossäre Metastasierung ohne Hinweis auf lymphogene oder viszerale Metastasen (Abb. 4). 2

Im November 2007 stimmte der Patient einer Chemotherapie mit 75 mg/m² Docetaxel in 3-wöchentlichen Intervallen zu, die er im Rahmen einer klinischen Studie erhielt. Nach den geplanten vier Zyklen Chemotherapie war der PSA-Wert von initial 89,0 ng/ml auf 20,1 ng/ml gefallen. Er sank weiter und lag im Juni 2006 bei 4,0 ng/ml. Trotz Nephrektomie und des fortgeschrittenen Alters hat der Patient die vier Zyklen Chemotherapie gut vertragen. Mit Ausnahme einer Grad 3-Alopezie traten keine Grad 3-4 Nebenwirkungen auf.

Im Juni 2008 stieg der PSA-Wert bei dem seinerzeit therapiefreien Patienten wieder an und betrug im August 2008 10,3 ng/ml. Mit dem Patienten ist aufgrund des guten Ansprechens auf die Behandlung mit Docetaxel eine Re-Induktion der Docetaxel-Chemotherapie vereinbart.

Quelle:


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