Sonntag, 7. März 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Keytruda Pantumor
Keytruda Pantumor
JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

24. März 2020
Seite 3/4

Anzeige:
Kyprolis


Zweitlinientherapie
 
Viele kleine Phase-II-Studien mit unterschiedlichen Chemotherapeutika weisen auf eine Effektivität einer Secondline-Chemotherapie beim Magenkarzinom hin. Dennoch waren die Einschätzungen bezüglich des Nutzens für den Patienten lange Zeit recht unterschiedlich. So variiert der Einsatz einer Secondline-Chemotherapie zwischen 14% in Großbritannien, 42% in Europa und USA und 75% in Asien (10, 13, 27). Der Nutzen einer Secondline-Chemotherapie bezüglich einer Verlängerung des Überlebens im Vergleich zu best supportive care wurde in einer randomisierten Phase-III-Studie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) erstmals untersucht. Obwohl diese Studie nach 40 eingebrachten Patienten aufgrund schlechter Rekrutierung vorzeitig beendet werden musste, zeigt sich ein signifikanter Überlebensunterschied zwischen einer Secondline-Chemotherapie mit Irinotecan im Vergleich zur alleinigen supportiven Behandlung (Überlebensverlängerung von median 2,4 auf 4,0 Monate; HR=0,48; 95%-KI: 0,25-0,92) (28). Diese erste randomisierte Phase-III-Studie zur Secondline-Therapie beim Magenkarzinom zeigte, dass eine Secondline-Chemotherapie das Überleben verlängert und eine Behandlungsoption für das Magenkarzinom darstellt. Der positive Effekt einer Chemotherapie auf die Überlebenszeit und die Lebensqualität konnte durch 2 größere Studien bestätigt werden (29, 30). Die Wirksamkeit von Irinotecan ist als ähnlich der von Paclitaxel einzuschätzen (31).
 
Eine Secondline-Chemotherapie verlängert beim Magenkarzinom das Überleben und soll den Patienten angeboten werden. Chemotherapeutische Optionen sind Irinotecan, Docetaxel oder Paclitaxel.
 
Zielgerichtete Therapie in der Zweitlinienbehandlung
 
Phase-III-Studien untersuchten den Effekt des m-TOR-Inhibitors Everolimus im Vergleich zu best supportive care ohne Nachweis einer Verlängerung des Überlebens (32). Auch das beim Brustkrebs bewährte Antikörper-Chemotherapie-Konjugat T-DM1 (eine Verbindung von Trastuzumab und dem Chemotherapeutikum Emtansin) wurde bei HER2-positiven Tumoren in der Zweitlinie mit einer Chemotherapie mit Docetaxel oder Paclitaxel verglichen. Es zeigte sich keine Verbesserung des Überlebens (33). Der Anti-VEGF-Rezeptor-2-Antikörper Ramucirumab führt sowohl in der Monotherapie (vs. best supportive care) als auch in Kombination mit einer Chemotherapie (Paclitaxel + Ramucirumab vs. Paclitaxel alleine) zu einer weiteren Verbesserung des Überlebens in der Secondline-Therapie. Zwei randomisierte Phase-III-Studien haben die Wirksamkeit von Ramucirumab in der Secondline-Therapie beim Magenkarzinom untersucht (REGARD-Studie, RAINBOW-Studie). Als Monotherapeutikum in der Zweitlinie im Vergleich zu best supportive care führte Ramucirumab zu einer signifikanten Überlebensverlängerung (n=355, medianes Gesamtüberleben 3,8 vs. 5,2 Monate; HR=0,78; p=0,047) (34). In 665 vorbehandelten Patienten wurde eine Chemotherapie mit Paclitaxel mit einer Kombination aus Paclitaxel und Ramucirumab verglichen. Das mediane Überleben konnte von 7,4 auf 9,6 Monate verbessert werden (HR=0,81; p=0,017) (35) (Tab. 2). Mit Zulassung von Ramucirumab für die Zweitlinientherapie des Magenkarzinoms und des AEG in Kombination mit Paclitaxel steht auch für die Zweitlinientherapie ein zielgerichtetes Therapeutikum beim Magenkarzinom zur Verfügung. Die Hinzunahme von Ramucirumab zur Chemotherapie auch schon in der Erstlinienbehandlung konnte zwar das progressionsfreie Überleben, nicht jedoch das Gesamtüberleben verbessern (RAINFALL-Studie) (36), sodass die Indikation für Ramucirumab auf die Zweitlinientherapie beschränkt bleibt.
 
Eine Zweitlinientherapie mit Paclitaxel und Ramucirumab hat sich als ein therapeutischer Standard etabliert.
 
 
Tab. 2: Ausgewählte Phase-III-Studien zur Secondline-Therapie versus BSC. Irino=Irinotecan, Doce=Docetaxel, Pacli=Paclitaxel, BSC=best supportive care, Ram=Ramucirumab
Lupe
Tab. 2: Ausgewählte Phase-III-Studien zur Secondline-Therapie versus BSC

 
 
Drittlinientherapie
 
Aufgrund der zunehmenden therapeutischen Möglichkeiten stellt sich bei immer mehr Patienten auch die Frage einer Drittlinientherapie. Trifluridin/Tipiracil ist ein orales Therapeutikum, bestehend aus einer Kombination von Trifluridin (Nukleosid-Analogon) und Tipiracil (Thymidin-Phosphorylase-Inhibitor), welches anders als 5-FU hauptsächlich über Inkorporation in die DNA wirkt und so auch nach 5-FU-Versagen Wirksamkeit haben kann. In einer randomisierten Phase-III-Studie (TAGS-Studie) wurde Trifluridin/Tipiracil an 500 Patienten, die alle mind. 2 Vortherapien inkl. Platin und 5-FU gehabt hatten, im Vergleich zu Placebo untersucht. Trifluridin/Tipiracil induzierte v.a. eine vermehrte Krankheitsstabilisierung und führte so zu einer signifikanten Verlängerung des Überlebens (mOS 3,6 vs. 5,7 Monate; HR=0,69; p=0,0006) (37). Trifluridin/Tipiracil ist somit nachweislich eine wirksame Behandlungsoption bei vortherapierten Patienten mit metastasiertem Magenkarzinom und ist für diese Indikation in Europa zugelassen.
 
In China wurde der gegen VEGF-Rezeptor 2 gerichtete orale Tyrosinkinase-Inhibitor Apatinib in einer randomisierten Studie mit 273 ausgiebig vortherapierten Patienten im Vergleich zu best supportive care untersucht und zeigte eine signifikante Verbesserung des Überlebens (38). Eine beim europäischen Krebskongress (ESMO) 2019 vorgestellte Phase-III-Studie mit 460 Patienten konnte allerdings die Wirksamkeit von Apatinib nicht bestätigen (39).
 
In der Therapie des Magenkarzinoms befinden sich derzeit zahlreiche Immuncheckpoint-Inhibitoren, so z.B. Antikörper gegen PD-1 (Pembrolizumab und Nivolumab) und gegen PD-L1 (Avelumab, Atezolizumab und Durvalumab) in klinischer Erprobung (40).
 
 

Anzeige:
Adakveo
Adakveo
 

Das könnte Sie auch interessieren

Frauenselbsthilfe Krebs unterstützt Menschen mit Krebs auch während der Corona-Krise

Frauenselbsthilfe Krebs unterstützt Menschen mit Krebs auch während der Corona-Krise
©Photographee.eu - stock.adobe.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein schwerer Schock. In Corona-Zeiten kommt nun auch noch die Angst hinzu, dass die medizinische Versorgung nicht so gut sein könnte, wie sie es in normalen Zeiten in Deutschland ist. Gerade in dieser Situation brauchen die Betroffenen starke Partner an ihrer Seite. Zu diesen zählt Deutschlands größte und älteste Krebs-Selbsthilfe-Organisation, die Frauenselbsthilfe Krebs (FSH), die auch während der...

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online
© ernaehrung-krebs-tzm.de

Das neue Infoportal der Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ am Tumorzentrum München (TZM) ist ab sofort unter www.ernaehrung-krebs-tzm.de online. Es bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen, gibt praktische Hilfestellung und vermittelt Kontakte zu anerkannten Therapeuten und Beratungsstellen rund um das Thema Ernährung und Krebs. Die Arbeitsgruppe besteht aus qualifizierten Ärzten und Ernährungsfachkräften unter der Leitung von Professor...

Zielgerichtete Brustkrebstherapie ist erfolgreich

Brustkrebs kann jede Frau treffen. Eine von acht Frauen wird im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert - allein in Deutschland sind das 72.000 Frauen im Jahr. Doch dank innovativer Forschung und Entwicklung wurden gerade in der Behandlung von Brustkrebs in den vergangenen Jahren große Fortschritte erreicht. Heute sind zielgerichtete Medikamente verfügbar, die die Überlebensaussichten von Frauen mit Brustkrebs entscheidend verbessern.

HPV-Impfung schützt vor Krebs

HPV-Impfung schützt vor Krebs
© pixelaway - stock.adobe.com

Krebsprävention ist eine zentrale Strategie im Kampf gegen Krebs. Zur Prävention zählen auch Impfungen, mit denen vielen Krebserkrankungen gezielt vorgebeugt werden kann. Beispiel: Humane Papillomviren (HPV), deren Hochrisiko-Typen für Gebärmutterhalskrebs und andere Krebserkrankungen verantwortlich sind. Doch es gibt eine wirksame und gut verträgliche Impfung, die vor der Infektion mit HPV schützt und der Entwicklung von Krebs vorbeugt. Wer sollte sich...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"CME – Magenkarzinom – Teil 2: Sequenztherapie des Magenkarzinoms"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.