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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Oktober 2015 Therapiemanagement mit Bortezomib

15th International Myeloma Workshop (IMW) 2015

Bortezomib ist der erste Vertreter aus der Substanzklasse der Proteasom-Inhibitoren und in der Therapie des Multiplen Myeloms (MM) etabliert. Er wird inzwischen in allen Stadien der Erkrankung eingesetzt, weltweit sind mehr als 600.000 Patienten damit therapiert worden. Eine klinisch relevante Nebenwirkung ist die Bortezomib-induzierte Polyneuropathie (PN), die im Median 2-3 Monate nach Therapiebeginn, also um den 5. Zyklus herum auftritt, berichtete Dr. Maria-Victoria Mateos, Salamanca, Spanien. Nicht alle Patienten entwickeln eine PN, betonte Mateos, und eine geringere Rate an PN ist durch die subkutane Verabreichung von Bortezomib zu erwarten.

Eine geringere Rate an PN mit Bortezomib s.c. im Vergleich zur intravenösen Verabreichung zeigte eine Phase-III-non-inferiority Studie (1) mit 222 Patienten mit rezidiviertem MM. Die Ansprechraten waren identisch bei einer PN Grad ≥ 3 von 16% mit i.v. und 6% mit s.c. Bortezomib. Basierend auf den Daten beim rezidivierten MM wurden in der MM-5-Studie der GMMG von i.v. auf s.c. Bortezomib umgestellt, nachdem 314 von 604 Patienten eingeschlossen worden waren. PNs von Grad ≥ 2 waren häufiger im i.v.-Arm mit 12% als im s.c.-Arm mit 8%. Die Wirksamkeit von s.c.-Bortezomib war unabhängig von der Risikogruppe, dem Stadium oder dem Vorliegen einer Niereninsuffizienz.

Mateos wies darauf hin, dass für das PN-Management auch der Kombinationspartner eine Rolle spielt. Niedrige PN-Raten seien zu erwarten in Kombination mit Melphalan/Prednison (MP) und Lenalidomid/Dexamethason (RD).

Wichtig, so Mateos, sind das engmaschige Monitoring der Patienten sowie eine regelmäßige Einschätzung der PN vor jeder Gabe und während der Behandlung mit dem Proteasom-Inhibitor. Patienten klagen nicht über Symptome, so die Erfahrung von Mateos, deshalb soll der behandelnde Arzt direkt nachfragen. Hilfreich sei dabei ein Patientenfragebogen mit einfachen Fragen („ich habe Schwierigkeiten beim Gehen“, „...beim Hemd zuknöpfen“ etc.).

Bortezomib-assoziierte PN sind in der Regel reversibel, und eine Dosismodifikation ist eine effiziente Strategie, eine PN zu vermindern. Die Dosismodifikation sollte bei Auftreten einer PN rasch erfolgen, betonte Mateos. Bei einer PN von Grad 3 oder 4 sollte nach den neuen Expertenempfehlungen Bortezomib abgesetzt werden. Bei einer Grad-1-PN lautet die Empfehlung, die Bortezomib-Dosis um ein Level zu reduzieren (z.B. von 1,3 auf 1,0 mg/m2) oder, falls der Patient ein 2-wöchentliches Schema erhält, auf ein 1-wöchentliches umzustellen. Die gleiche Empfehlung gilt für Grad 2 – hier kann auch ein zeitweises Absetzen von Bortezomib erwogen werden. Falls sich die Neuropathie auf mindestens Grad 1 verbessert hat, kann mit einer 1x wöchentlichen oder reduzierten Dosis wieder gestartet werden.

Ein Mangel an Vitamin B12 wird bei 17% der MM-Patienten berichtet und eine Vitamin-B12-Supplementierung könnte die Anämie und die Verträglichkeit gegenüber neurotoxischen Substanzen verbessern, sagte Mateos.

Falls die PN mit den empfohlenen Maßnahmen nicht in den Griff zu bekommen ist, dann ist laut Mateos die Umstellung auf einen Zweitgenerations-Proteasom-Inhibitor eine Option. Carfilzomib ist in den USA bereits zugelassen, die Zulassung in Europa wird in Kürze erwartet. Weitere noch nicht zugelassene Vertreter sind Marizomib und die oral verabreichten Medikamente Ixazomib und Oprozomib.

(as)

Quelle: Symposium, 15th International Myeloma Workshop, 24.09.2015, Rom; Veranstalter: Takeda Oncology

Literatur:

(1) Moreau P et al. Lancet Oncol 2011;12(5):431-440.


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