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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Februar 2008 Langzeitdaten zur Behandlung des Prostatakarzinoms mit hochintensivem fokussierten Ultraschall (HIFU)

Andreas Blana, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik der Universität Regensburg, Caritaskrankenhaus St. Josef.

Das Prostatakarzinom (PC) ist weltweit der häufigste bösartige Tumor des Mannes. Der zunehmende Einsatz des prostataspezifischen Antigens (PSA) als Screeningmarker bewirkte eine Stage-Migration hin zu frühen und potenziell heilbaren Tumorstadien. Neben der externen Strahlentherapie, Brachytherapie und Kryotherapie ist die Behandlung mit hochintensivem fokussierten Ultraschall (HIFU) eine mittlerweile etablierte, minimalinvasive Behandlungsalternative für Patienten, die aufgrund ihres Alters, entsprechender Komorbidität oder aus Angst vor den potentiellen Nebenwirkungen nicht für eine radikale Prostatektomie geeignet sind. Erste klinische Daten für die Anwendung bei Patienten mit lokoregionärem PC wurden bereits 1995 publiziert. Seither gab es eine zunehmende Anzahl an Publikationen zur Effektivität dieser Behandlungsoption, die jedoch meist nur kürzere Nachbeobachtungszeiträume umfassten. Mit einer neuen Studie liegen nun erstmalig Langzeitdaten für die HIFU-Therapie beim lokoregionären PC vor.
HIFU-Technik
Mit Hilfe von akustischen Linsen oder parabolförmigen Reflektoren werden die Ultraschallwellen auf einen Fokuspunkt im Gewebe konzentriert. Durch Absorption des Ultraschalls im Gewebe kommt es zu einer Hitzedestruktion des Gewebes. Dabei ist die eingestrahlte Schallenergie zusammen mit einem Absorptionskoeffizienten des jeweiligen Gewebes für den Grad der Erwärmung (65-100°C) und somit den thermischen Effekt verantwortlich. Durch den Unterdruck der Schallwellen entstehen temporär kleine Hohlräume im Gewebe (Kavitationen), die nach wenigen Minuten kollabieren und durch damit verbundene, sehr hohe Drücke für den mechanischen Effekt der HIFU-Therapie verantwortlich sind. Die beiden genannten Mechanismen führen zur Ausbildung von Koagulationsnekrosen in längsovaler Form unter Aussparung von dem Gewebe, das zwischen Therapieschallkopf und Läsion liegt. Durch einen steilen Temperaturgradienten zwischen der Läsion und benachbartem Gewebe zeigen histologische Untersuchungen nach HIFU eine scharfe Demarkation zwischen Nekrose und nicht behandeltem Gewebe. Über eine löffelartig geformte Sonde werden Läsionen mit einer Länge zwischen 19 und 24 mm und einem Durchmesser von 1,7 mm erzeugt (Abb.1). 0 Durch Aneinanderlegen der Läsionen wird die Prostata in mehreren, sich überlappenden Behandlungsblöcken vom Apex bis zur Basis unter Schonung des Rektums behandelt. Nachdem die Behandlungsblöcke vom Operateur festgelegt sind, wird das definierte Gebiet der Prostata computergesteuert therapiert. Um die Behandlungssonde wird ein Ballon gezogen, der mit einer Kühlflüssigkeit zur Schonung des Rektums durchspült wird.

Weitere Sicherheitseinrichtungen sind ein sensibler Bewegungsmelder am Patienten und eine permanente Abstandsmessung zwischen Behandlungssonde und Rektum, die dafür sorgen, dass die Therapie nicht durch Bewegungen des Patienten beeinflusst wird. Seit 2005 steht eine Weiterentwicklung des Ablatherm-Gerätes (EDAP, Lyon, Frankreich) mit einer in die Behandlungssonde integrierten Bildgebungssonde zur Verfügung (Ablatherm Integrated Imaging). Diese neueste Technik macht es möglich, dass während der gesamten Behandlung ein Monitoring der Prostata mittels Ultraschall möglich ist.

Langzeitergebnisse
Mehrere Studien konnten die Effektivität der HIFU-Therapie zeigen, und bisher sind mehr als 14.000 Patienten weltweit mit dieser Technik behandelt worden. Erstmalig liegen nun auch Langzeitergebnisse von Patienten vor, die eine minimale Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren hatten (Publikation in „European Urology“). Eingeschlossen wurden Patienten mit einem PSA < 15 ng/ml und einem Gleasonscore von < 7, sowie einem klinischen Tumorstadium T1-T2.

In Lyon und an der Klinik für Urologie der Universität Regensburg sind 140 Patienten mit lokoregionärem Prostatakarzinom mittels transrektaler HIFU behandelt worden, die den Einschlusskriterien der Studie entsprachen. Es handelt sich dabei um Patienten mit einem mittleren Alter von 69,1 Jahren, die aufgrund von Komorbidität oder höherem Alter nicht für eine radikale Prostatektomie in Frage kamen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit der Patienten lag bei 6,4 Jahren.

Kontrollbiopsien der Prostata nach HIFU zeigten in 86,4% der Fälle ein negatives Ergebnis, und lediglich 15% der Patienten benötigten im weiteren Verlauf eine zusätzliche Tumortherapie (Bestrahlung, Hormontherapie). Nach den neuen Kriterien der ASTRO (Therapieversagen bei PSA-Anstieg über Nadir + 2 ng/ml) zeigten sich nach 5 Jahren 75% der Patienten ohne Hinweis auf ein biochemisches Rezidiv (Abb. 2). 1

Die Analyse der Nebenwirkungen zeigte, dass 5% der Patienten unter einer leichten, erstgradigen Form von Inkontinenz litten und lediglich 0,7% eine zweitgradige Stressinkontinenz aufwiesen. 7,1% der Patienten entwickelten einen Harnwegsinfekt nach der HIFU. 13,6% der Patienten hatten im postoperativen Verlauf obstruktive Symptome und mussten mit einer transurethralen Entfernung von Ne-krosengewebe behandelt werden. 5,7% der Patienten gaben bis maximal 6 Monate nach der HIFU-Therapie ein Missempfinden im Beckenbereich an. Bei der Befragung von Patienten, die vor der HIFU-Therapie potent waren, gaben zum Zeitpunkt der letzten Nachuntersuchung noch 56,8% der Befragten eine erhaltene Potenz an.

Schlussfolgerung
Diese erste Langzeitstudie konnte die effektive Tumorkontrolle durch HIFU-Therapie bei Prostatakarzinompatienten mit niedrigem und mittlerem Risikoprofil zeigen. Weiterhin zeichnet sich die HIFU durch ein günstiges Nebenwirkungsprofil aus. Bei der HIFU handelt es sich um eine viel versprechende neue Technik, die besonders für Patienten, die nicht für eine radikale Prostatektomie geeignet sind oder diese ablehnen, eine echte Behandlungsalternative des lokoregionären Prostatakarzinoms bietet.

Quelle:


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