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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Juli 2014 BRAWO-Studie

ASCO - 30. Mai - 03. Juni 2014, Chicago, USA

Interview mit Prof. Diana Lüftner

Die Studie BRAWO ist eine große deutsche nicht-interventionelle Studie (NIS), in die 3.000 Patientinnen mit fortgeschrittenem/metastasierten Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen Brustkrebs mit Exemestan + Everolimus behandelt werden. Frau Prof. Diana Lüftner stellte auf dem diesjährigen ASCO die ersten Interimsergebnisse vor.

 

JOURNAL ONKOLOGIE: Frau Professor Lüftner, was war Rationale für diese Beobachtungsstudie.

Lüftner: Rationale für diese Studie war zu prüfen, wie die Kombination Everolimus + Exemestan in der täglichen Praxis eingesetzt wird, wie die Therapie funktioniert, wie sie angenommen und von den Ärzten positioniert wird.

JOURNAL ONKOLOGIE: Und wie wird die Kombination von den Ärzten positioniert?

Lüftner: Extrem gut. Die Mehrzahl setzt die Kombination sehr weit vorne in der Behandlung ein, was nicht unbedingt dem Phase-III-Studienkollektiv entspricht, bei dem die Kombination erst später eingesetzt wurde. Das heißt für mich, dass die Ärzte und Patienten großes Vertrauen in die Kombination Everolimus + Exemestan haben und zwar sowohl in die Effizienz als auch in das Nebenwirkungsmanagement. Sonst würden sie nicht so vorgehen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Hatte es einen Vorteil, die Kombination früher einzusetzen?

Lüftner: Wurde die Kombinaton von Anfang an eingesetzt so waren weniger Nebenwirkungen aufgetreten, als wenn sie erst zu einem späteren Zeitpunkt eingesetzt wurde. Das hatte ich auch erwartet, da die Verträglichkeit einer Therapie in einer späteren Linie immer schlechter ist. Die Kombinationstherapie ist nicht nebenwirkungsfrei und man sollte sie für die Patienten möglichst passend machen - das heißt auch, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt einsetzen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Erfahrungen konnten Sie in dieser Beobachtungsstudie in Bezug auf die Mukositis sammeln?

Lüftner: Die Mukositis ist eine Nebenwirkung von Everolimus, die am Anfang der Therapie auftritt, etwa in den ersten 4 Wochen. Nach etwa 6-8 Wochen stellt sie kein Problem mehr dar.

Sehr gute Erfahrungen haben wir mit der Mundpflege gemacht. Die Patientinnen achten sehr auf Mundpflege mit Mundspülungen, sie lutschen Eiswürfel oder gefrorene Ananasstückchen, was sehr gut angenommen wird. Dadurch können die Schweregrade der Mukositis gesenkt werden. Vorteil dieser Studie ist, dass wir die Patienten engmaschig sehen und beraten können, so dass wir die Mukositis sehr gut in den Griff bekommen können.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wäre auch eine einschleichende Dosierung eine Möglichkeit die Mukositisschweregrade niedriger zu halten?

Lüftner: Darüber wurde intensiv diskutiert. Tatsächlich beginnen etwa 20% der Ärzte mit der 5 mg Dosis und nicht mit 10 mg. Dies scheint allerdings eine Frage der Grundhaltung zu sein, da wir keine Assoziation zwischen Alter und Komorbiditäten feststellen konnten. Ich möchte hier einmal klarstellen, dass es kein onkologisches Prinzip darstellt, mit der halben Dosis einzusteigen. Es handelt sich um eine onkologisch endokrine Therapie und das Zeitfenster bis die Patienten progredient werden, liegt bei 2-3 Monaten. Danach werden sie aus der Studie ausgeschlossen. Wir müssen davon ausgehen, dass mit der niedrigeren Dosierung ein Anteil der Patienten untertherapiert wird und wir sie durch die Progression verlieren, obwohl sie sensitiv gewesen wären. Mit einer niedrigeren, weniger effektiven Dosis einzusteigen ist also keine gute Idee. Die Mukositis kann man prophylaktisch sehr gut behandeln.

JOURNAL ONKOLOGIE: Wie ist die Compliance der Patienten?

Lüftner: Der Abbruch wegen Nebenwirkungen spielt eine untergeordnete Rolle. Am häufigsten - zu etwa 80% - haben die Patientinnen die Behandlung wegen einer Progression abgebrochen.

JOURNAL ONKOLOGIE: Auf welche Ergebnisse darf man noch gespannt sein?

Lüftner: Bisher sind etwa 1.800 Patientinnen in die BRAWO-Studie aufgenommen worden, es sollen insgesamt 3.000 Patientinnen eingeschlossen werden. Wir erwarten sehr spannende Daten zum Einfluss der körperlichen Aktivität auf das Management und den Gesundheitsstatus. Hier handelt es sich um ein Projekt mit der deutschen Sporthochschule in Köln. Die Patientinnen bekommen Schrittzähler, außerdem wird mittels eines sehr ausgefeilten Fragebogens die körperliche Aktivität der Patientinnen in der Vergangenheit evaluiert. Von den Patientinnen wird das sehr gut angenommen. Momentan sieht es ganz danach aus, dass die aktiveren Patientinnen ein besseres Management und einen besseren Gesundheitsstatus haben. Dies unterstützt weiterhin die Idee Mammakarzinompatientinnen zu ermutigen, aktiv zu bleiben. Das gilt übrigens auch für alle gesunden Menschen.


Vielen Dank für das Gespräch!


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