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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Oktober 2019 5-Jahres-Daten der BLAST-Studie mit Blinatumomab: Therapie der MRD steigert Chance auf Langzeitüberleben bei ALL

Eine minimale Resterkrankung (MRD) nach einer hochintensiven Chemotherapie mit hämatologischer Komplettremission (CR) ist bei B-Vorläufer Akuter Lymphatischer Leukämie (B-ALL) der stärkste Prädiktor für ein Rezidiv. Als einzige onkologische Therapie in dieser Situation ist das bispezifische T-Zell-verstärkende Antikörperkonstrukt (BiTE®) Blinatumomab (BLINCYTO®) zugelassen (1). Die 5-Jahres-Ergebnisse der BLAST-Studie zeigen, dass Blinatumomab die Heilungschancen verbessert (2).
Trotz Erreichens einer hämatologischen CR (definiert als < 5% Blasten im Knochenmark) durch eine hochintensive Chemotherapie weisen bei Analyse mit hochempfindlichen Methoden etwa 30% der erwachsenen Patienten mit B-Vorläufer ALL noch eine MRD auf (3).

Das mediane Gesamtüberleben (mOS) liegt bei Erwachsenen mit ALL und MRD nach Chemotherapie nur bei etwa 2 Jahren (4). „Die Wahrscheinlichkeit, durch Fortführung oder Intensivierung der Chemotherapie eine MRD-Negativität zu erreichen, ist gering“, erklärte Dr. Nicola Gökbuget, Frankfurt/Main, anlässlich des Kongresses der European Association for Hematology 2019 (EHA) (2). Dagegen konnte in der europäischen Studie BLAST mit nur einem Zyklus Blinatumomab bei 88 von 113 Patienten (78%), die nach Chemotherapie noch eine MRD aufwiesen, ein vollständiges MRD-Ansprechen erreicht werden (5).


MRD-Therapie verlängert Überleben

Die BLAST-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Blinatumomab bei 116 erwachsenen Patienten mit B-Vorläufer ALL in Erstlinientherapie oder im Rezidiv, die nach mind. 3 Blöcken intensiver Chemotherapie zwar eine CR erreicht hatten, aber noch eine MRD ≥ 10-3 aufwiesen. Blinatumomab wurde als intravenöse Dauerinfusion über 28 Tage (1 Zyklus) in maximal 4 Zyklen angewendet. Nach einem Zyklus konnte eine allogene Stammzelltransplantation (alloSZT) durchgeführt werden. Die Nebenwirkungen der Therapie waren gut kontrollierbar. Ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) trat nur bei 2% der Patienten auf. Das Risiko für ein CRS sei in CR aufgrund der sehr geringen Tumorlast gering, erklärte Gökbuget. Das mediane OS betrug in der primären Analyse 36,5 Monate (5).


5-Jahres-Daten geben Hoffnung auf Heilung

Auf dem EHA wurde die Langzeitauswertung nach einer medianen Beobachtungsdauer von 59,8 Monaten vorgestellt (2). Das mediane OS von 36,5 Monaten wurde bestätigt, die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit betrug 43%. Am Ende der Nachbeobachtungszeit zeigte sich ein Plateau der Kaplan-Meier-Überlebenskurve. „Wir können davon ausgehen, dass diese Patienten wahrscheinlich geheilt sind“, meinte Gökbuget. In der Regel treten ALL-Rezidive bis zu 5 Jahre nach Erstdiagnose auf, danach nimmt die Rezidivwahrscheinlichkeit stark ab (6).

Patienten, die Blinatumomab in erster CR (CR1) erhalten hatten, wiesen ein mOS von 41,2 Monaten auf, Patienten in späterer CR von 23,1 Monaten (p=0,04) (2). Gökbuget betonte aber, dass auch in der zweiten CR noch eine erfolgreiche Salvagetherapie mit Blinatumomab bei MRD durchgeführt werden kann.

Bei Patienten mit vollständigem MRD-Ansprechen war das mOS nach 5 Jahren Beobachtungsdauer immer noch nicht erreicht, während es bei Patienten mit noch nachweisbarer MRD nach Blinatumomab-Therapie nur 14,4 Monate betrug (p=0,002). Das längere OS bei MRD-Negativität zeigte sich unabhängig davon, ob eine alloSZT durchgeführt worden war oder nicht (2).


Fazit

Blinatumomab kann bei Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom-negativer B-Vorläufer ALL das Gesamtüberleben sowohl bei MRD als auch im späteren Rezidiv verlängern. Gökbuget zeigte sich überzeugt, dass die MRD-Situation die beste ist, um Blinatumomab weiter zu entwickeln. Entsprechend wurde die MRD-Therapie mit Blinatumomab in aktuelle internationale Studienprotokolle integriert.

Mit freundlicher Unterstützung von Amgen

Friederike Klein

Literatur:

(1) Fachinformation Blincyto®, Stand Januar 2019.
(2) Gökbuget N et al. EHA 2019, Abstract S1619.
(3) Brüggemann M et al. Blood 2006; 107(3): 1116-1123.
(4) Berry DA et al. JAMA Oncol 2017; 3(7): e170580.
(5) Gökbuget N et al. Blood 2018; 131:1522-1531.
(6) Onkopedia-Leitlinie Akute Lymphatische Leukämie (ALL) Verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/akute-lymphatische-leukaemie-all/@@view/html/index.html


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