Sonntag, 29. März 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

21. Februar 2020 Deutscher Krebspreis an Andreas Du Bois, Rita Schmutzler und Andreas Trumpp

Der Deutsche Krebspreis, gestiftet von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebsstiftung, zählt zu den höchsten Auszeichnungen in der deutschen Krebsmedizin. In der Sparte „Klinische Forschung“ geht die Auszeichnung in diesem Jahr an Prof. Dr. Andreas du Bois (KEM – Evangelische Kliniken Essen Mitte gGmbH); im Bereich „Translationale Forschung“ wurde Prof. Dr. Rita Schmutzler (Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, Universitäts-Frauenklinik Köln) geehrt, in der Sparte „Experimentelle Forschung“ erhielt Prof. Dr. Andreas Trumpp (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg) den Preis. Die Forscher werden auf dem 34. Deutschen Krebskongress in Berlin ausgezeichnet.
Anzeige:
Fachinformation
Prof. Andreas du Bois gründete als junger Oberarzt die Arbeitsgruppe Gynäkologische Onkologie (AGO)– die Gruppe zählt heute zu den weltweit aktivsten in der Durchführung klinischer Studien zum Eierstockkrebs. Diese Studien haben die Therapiestandards bei dieser Krebserkrankung nachhaltig geprägt – das gilt sowohl für die Therapie nach einem Rückfall als auch für die Chemotherapie beim primären Eierstockkrebs. So wurde zum Beispiel der global noch immer gültige Standard, Carboplatin-Paclitaxel, hier entwickelt.  Durch die Arbeit der Gruppe konnten die Operationsverfahren beim Eierstockkrebs verbessert und zielgerichteter eingesetzt werden. Die AGO ist global eine der treibenden Kräfte für die Entwicklung und Integration neuer Wirkstoffe, wie zum Beispiel den PARP-Inhibitoren und den Angioneogenesehemmstoffen. Bei der Einführung der Angioneogenesehemmstoffe in die Therapie des Ovarialkarzinoms hatte die AGO einen maßgeblichen Anteil.
 
Prof. Rita Schmutzler ist eine Pionierin der risikoadaptierten Prävention bei familiär bedingtem Brust- und Eierstockkrebs. Etwa 30 von 100 Frauen mit diesen Krebserkrankungen sind familiär vorbelastet. Bei 5 bis 10 von 100 Brustkrebserkrankungen liegt das an einer erblichen Veränderung in einem Risikogen. Für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, wie hoch ihr Risiko ist, nach der ersten Erkrankung möglicherweise ein zweites Mal zu erkranken, wer in der Familie sonst noch ein erhöhtes Krebsrisiko trägt und was man dagegen tun kann. Nach dem Aufbau des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, das seit 1996 von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, entwickelte Schmutzler als Koordinatorin des Konsortiums ein Konzept der Wissen generierenden Versorgung auf dem Gebiet der risikoadaptierten Prävention. Dieses Konzept wird mittlerweile in 20 Konsortialzentren umgesetzt; sie beraten und betreuen ratsuchende Familien nach einheitlichen Standards und arbeiten dabei eng mit den wohnortnah betreuenden Krebszentren zusammen. Das Konsortium greift bei seiner Arbeit auf eine fundierte Datenbasis und eine umfangreiche Biobank zurück, deren regelmäßigen Auswertungen Grundlage für die Weiterentwicklung des Versorgungskonzeptes sind ‒ beide bilden auch die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Forschungsarbeit gemeinsam mit anderen internationalen Forschergruppen. So können zusätzliche Risikogene für familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs identifiziert, auf ihre klinische Bedeutung validiert und in die Genpanelanalysen des Konsortiums integriert werden.
 
Prof. Andreas Trumpp untermauerte mit seinen grundlegenden Arbeiten das Konzept der Tumorstammzellen und hat dadurch wesentlich zum Verständnis der Krebsentstehung und der Ausbreitung von Krebs im Körper beigetragen. Sein Hauptaugenmerk gilt der Aufklärung der molekularen und zellulären Grundlagen der Selbsterneuerung von Hämatopoetischen Stammzellen (HSCs) des blutbildenden Systems. Er konnte zeigen, dass sich HSCs oft in einem schlafähnlichen Zustand befinden und beim Verlust von reiferen Blutzellen aktiviert werden. In diesem Schlafzustand sind die Stammzellen multiresistent. Diese Regulationsprozesse der normalen Blutbildung übertrug Trumpp auf Leukämie-Stammzellen. Es stellte sich heraus, dass bei einer Leukämie das MYC-Onkogen darüber entscheidet, ob die Leukämiestammzellen gerade aktiv sind oder sich in einer Ruhephase befinden. Diese Erkenntnis ist für die klinische Praxis deshalb wichtig, weil aktivierte Krebsstammzellen sich durch eine Chemotherapie bekämpfen lassen, während ruhende Stammzellen darauf nicht ansprechen. Auch bei soliden Tumoren, zum Beispiel bei Brustkrebs, konnte Trumpps Arbeitsgruppe Krebsstammzellen nachweisen, die im Blut zirkulieren und für die Bildung von Metastasen verantwortlich sind. Gemeinsam mit Kollegen fand er außerdem eine Antwort auf die Frage, wie sich Leukämie-Stammzellen der AML vor der Immunabwehr schützen: Sie lassen ein Zielmolekül der Natürlichen Killerzellen von ihrer Oberfläche verschwinden – dieser Schutzmechanismus lässt sich mit PARP-Inhibitoren überwinden. Trumpps Forschung hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Stammzellforschung zu einem unverzichtbaren Teil der Krebsforschung geworden ist.

 

Quelle: Deutschen Krebsgesellschaft e. V.


Das könnte Sie auch interessieren

Wacken & DKMS: Gemeinsam gegen Blutkrebs

Wacken & DKMS: Gemeinsam gegen Blutkrebs
© DKMS gemeinnützige GmbH

Die DKMS ist zum vierten Mal mit einer Registrierungsaktion Teil des Wacken Open Air Festivals (W:O:A). Vom 3. bis zum 5. August 2017 können sich Besucher nicht nur über die lebensrettende Arbeit der internationalen gemeinnützigen Organisation informieren sondern sich auch als potenzielle Spender aufnehmen lassen. Parallel sind die Unterstützerinnen der Initiative „Wacken hilft“ mit viel Herzblut im Einsatz und verkaufen im Ort selbst gebackenen Kuchen zugunsten der DKMS...

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen

Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die ärztlichen Praxen versendet werden und darüber...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Deutscher Krebspreis an Andreas Du Bois, Rita Schmutzler und Andreas Trumpp"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden