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Medizin

19. Juli 2017
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Wirksamkeit von Venetoclax bei rezidivierender/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie mit 17p-Deletion belegt

Neue Daten, die auf dem 22. Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Hämatologie (EHA) in Madrid erstmals vorgestellt wurden, bestätigen die initiale Auswertung der Phase II-Studie, die zur bedingten Zulassung von Venetoclax (Venclyxto®) geführt hatte. Die von Prof. Dr. Stephan Stilgenbauer von der Klinik für Innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm präsentierten Ergebnisse zeigen ein gutes und tiefes Ansprechen bei Patienten mit rezidivierender/refraktärer chronischer lymphatischer Leukämie (R/R CLL) und 17p-Deletion: Insgesamt sprachen 77% der Patienten auf die Therapie mit Venetoclax an und bei 27% konnte keine minimale Resterkrankung mehr festgestellt werden. Auch in Kombination mit dem Antikörper Rituximab zeigte Venetoclax ein gutes Ansprechen bei Patienten mit rezidivierender CLL/kleinzelliger lymphatischer Leukämie (small lymphocytic leukemia, SLL). Darauf weisen die Ergebnisse einer ebenfalls auf der EHA Jahrestagung vorgestellten Phase Ib-Studie hin.
Seit Dezember 2016 ist der orale BCL-2-Hemmer Venetoclax zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit R/R CLL und 17p-Deletion oder TP53‑Mutation, die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B‐Zell‐Rezeptor‐Signalwegs (BCRi) nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten (1). Zum anderen ist Venetoclax als Monotherapie auch bei Patienten ohne 17p‐Deletion oder TP53‐Mutation indiziert, bei denen sowohl unter einer Chemo‐Immuntherapie als auch unter einem BCRi ein Therapieversagen auftrat. Die Zulassung des Orphan-Drug war aufgrund der vorläufigen Auswertung von zwei Phase II-Studien erfolgt (1,2). Auf der EHA-Jahrestagung wurden nun zum ersten Mal die vollständigen Ergebnisse einer dieser Zulassungsstudien vorgestellt (3).

Erneut bestätigt: Hohe Gesamtansprechrate einschließlich kompletter Remission bei R/R CLL mit 17p-Deletion

Die Ergebnisse der kompletten Studienkohorte von 158 Patienten ergaben eine Gesamtansprechrate (ORR) von 77% (95%-Konfidenzintervall (KI): 69,9-83,5; primärer Endpunkt) nach einer medianen Behandlungsdauer von 16,7 Monaten (Bereich: 0–34,4) (3). Bei 18% der Patienten wurde eine vollständige Remission (CR) oder eine vollständige Remission mit unvollständiger Knochenmarkregeneration (CRi) erreicht (sekundärer Endpunkt), bei 53% eine partielle Remission (PR) und bei 6% eine partielle noduläre Remission (nPR) (3). Insgesamt wurde bei 27% der Patienten im peripheren Blut mittels Durchflusszytometrie keine minimale Resterkrankung (MRD) mehr nachgewiesen (explorativer Endpunkt) (3). Das bedeutet, dass weniger als eine CLL-Zelle unter 10.000 Leukozyten (weiße Blutkörperchen) festgestellt werden konnte (3). Ein negativer MRD-Status ist ein starker Prädiktor für progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) (4). Das PFS und das OS über einen Zeitraum von 24 Monaten (beides sekundäre Endpunkte) wurden auf 52% bzw. 72% geschätzt (3). Alle 158 Studienteilnehmer hatten im Median zwei Vortherapien erhalten und elf% wurden vorher mit einem BCRi behandelt (3). Unter den 18 Patienten, die bereits eine Vortherapie mit einem BCRi erhalten hatten, betrug die ORR 61% und die CR‑Rate 11% (3). Die neu vorgestellten Daten untermauern somit das in der initialen Auswertung der Zulassungsstudie beobachtete gute Ansprechen.

Ebenso entsprach das in der vollständigen Auswertung beobachtete Nebenwirkungsprofil dem initialen Ergebnis: Zu den am häufigsten berichteten unerwünschten Ereignisse in der Studie zählten Neutropenie (42%), Anämie (24%) und Fatigue (22%) (3). Die häufigsten unerwünschten Ereignisse mit einem Schweregrad von 3-4 waren Neutropenie (39%), Thrombozytopenie (15%) und Anämie (14%) (3). Bei 5% der Patienten trat ein Labor-TLS auf, das in allen Fällen ohne klinische Konsequenzen blieb und gut handhabbar war (3).
 
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