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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
31. Mai 2017

mRCC: Über 24 Monate langanhaltende Remission unter Cabozantinib nach First- und Second-Line TKI-Vortherapie

L. Bergmann, Medizinische Klinik 2, Universitätsklinikum Frankfurt.
Zielgerichtete Therapien haben in den vergangenen Jahren zu deutlichen Verbesserungen in der Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms (RCC) geführt. Da die Erkrankung fast immer rezidiviert, ist es wichtig, dass auch in späteren Therapielinien wirksame Substanzen zur Verfügung stehen. Eine solche Option kann das 2016 zur Behandlung nach Vortherapie mit VEGF-Inhibitoren zugelassene Cabozantinib (Cabometyx®) sein, wie der Fall einer noch jungen Patientin verdeutlicht.
Diagnose

Bei der 31-jährigen Patientin wurde 2013
• linksseitig ein klarzelliges Nierenzellkarzinom diagnostiziert.
• Nach Nephrektomie mit Lymphaden­ektomie und kompletter Tumorresektion ergab sich pathologisch ein Stadium pT3a pN2 (3/4) cM0 V0 G3 (Fuhrmann) bzw. ein UICC-Stadium III.
• Es lagen bei einem MSKCC-Score von 0 keine Risikofaktoren vor, d.h. die Patientin hatte eine günstige Prognose.

Krankheits- und Therapieverlauf

Durch den Lymphknotenbefall wies die Patientin ein erhöhtes Rezidivrisiko auf, daher wurde sie in die PROTECT-Studie zur adjuvanten Gabe von Pazopanib vs. Placebo eingeschlossen und in den Verum-Arm randomisiert.

Unter dem Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Pazopanib kam es nach acht Monaten zu einem Rezidiv mit Lymphknotenmetastasen interkaval, paraaortal und iliakal rechts. Daher erfolgte in einem externen Krankenhaus eine Rezidivresektion mit Lymphadenektomie der befallenen Regionen. Im postoperativen Restaging zeigte sich jedoch bereits nach drei Monaten wieder ein Lokalrezidiv des Karzinoms sowie eine Weichteilmetastase an der lateralen Bauchwand links. Aufgrund des rasch aufgetretenen Rezidivs wurde in der interdisziplinären Tumorkonferenz eine systemische Therapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Axitinib empfohlen, einer Standardoption in der Zweitlinie. Hierunter konnte jedoch keine Remission oder Krankheitsstabilisierung erreicht werden. Bereits nach zwei Monaten zeigte sich bei einer Kontrolle mittels Computertomographie (CT) ein Progress mit neu aufgetretenen abdominellen Metastasen mesenterial links, lateral der Bauchwand sowie paraaortal links und para­iliakal rechts.

Bei weitgehenden normalen Laborwerten wurde die Patientin nach entsprechender Aufklärung im August 2014 in die METEOR-Studie eingeschlossen, in der sie eine Therapie mit täglich 60 mg Cabozantinib p.o. begann. Unter dem Multi-Target-Kinase-Inhibitor konnte eine Stabilisierung der progredienten Metastasierung erreicht werden, die über 24 Monate hinweg anhielt.

Grad-II-Nebenwirkungen umfassten unter anderem einen therapiebedürftigen Hypertonus, Diarrhoen mit Gewichtsverlust von 11 kg und ein Hand-Fuß-Syndrom. Grad-I-Nebenwirkungen waren eine mit L-Thyroxin substituierte Hypothyreose, Fatigue, Mundtrockenheit und Schlafstörungen. Die Diarrhoen ließen sich mit Loperamid nur eingeschränkt reduzieren, waren in der Folge aber mit Dronabinol und Tinctura Opii gut kontrollierbar. Aufgrund einer Abszessspaltung im Genitalbereich und massiver Diarrhoen musste die Gabe von Cabozantinib jeweils für ca. zwei Wochen unterbrochen und die Dosis für zwei Wochen auf 40 mg täglich reduziert werden. Danach war wieder eine Eskalation auf 60 mg möglich.

Im August 2016 wurde erneut ein Progress diagnostiziert. Die Therapie wurde daher auf den Immun-Checkpoint-Inhibitor Nivolumab umgestellt, unter dem die Erkrankung jedoch weiter fortschritt.

Seit Oktober 2016 erhält die Patientin nun die Kombination aus Everolimus und Lenvatinib. Unter dieser Therapie konnte bisher eine Stabilisierung der Erkrankung erreicht werden.

 
Fazit
Nach jeweils eingetretenem Progress unter den beiden zuvor verabreichten Tyrosinkinase-Inhibitoren führte die Therapie mit dem Multi-Target-Kinase-Inhibitor Cabozantinib zu einer 24 Monate andauernden Remission, die Nebenwirkungen waren therapeutisch gut beherrschbar.


Mit freundlicher Unterstützung der Ipsen Pharma GmbH

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