Samstag, 28. März 2020
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC: Cabozantinib für Patienten nach Sorafenib-Vortherapie – Ein Patientenfall

Die sequentielle Therapie ist nun auch beim fortgeschrittenen Hepatozellulären Karzinom (HCC) möglich. Dabei wird die Zweitlinientherapie durch die Erstlinientherapie bestimmt, wie PD Dr. Marcus-Alexander Wörns, Mainz, auf dem EASL HCC Summit in Lissabon anhand eines Patientenbeispiels verdeutlichte. Der als Monotherapie für die Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC nach Vortherapie mit Sorafenib zugelassene Tyrosinkinasehemmer Cabozantinib (Cabometyx®) hat den Vorteil, dass er nach Sorafenib-Erstlinientherapie allen Patienten verschrieben werden kann, auch unabhängig von der Höhe des Tumormarkers AFP (Alpha-1-Fetoprotein) und davon, ob Sorafenib vertragen wurde.
Alle zugelassenen Zweitlinientherapien beim fortgeschrittenen HCC können nur nach Vorbehandlung mit Sorafenib eingesetzt werden (1-3). PD Dr. Wörns präsentierte den Fall einer 55-jährigen Patientin mit Hepatitis C- und Alkohol-bedingter Leberzirrhose, bei der sich nach 3-maliger TACE mit „drug-eluting beads“ im CT neu aufgetretene Lungenmetastasen zeigten. Es wurde daraufhin ein fortgeschrittenes HCC (BCLC C) diagnostiziert und Sorafenib als Erstlinientherapie verordnet.

Die Wahl fiel auf Sorafenib, da mit dieser Substanz die meisten Erfahrungen vorliegen, sagte PD Dr. Wörns. Es konnte eine 6 Monate lang anhaltende Krankheitsstabilisierung erreicht werden bis die typischen unerwünschten Ereignisse (UEs) von Sorafenib (Hauttoxizität, Hand-Fuß-Syndrom, Fatigue, Diarrhoe) zum Therapieabbruch führten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Patientin noch in einem guten Allgemeinzustand (ECOG-PS 1; Child Pugh A (6 Punkte)). Der AFP-Spiegel war aber leicht angestiegen (285 ng/ml), was als Zeichen einer Progression gewertet wurde.

Zugelassene Zweitlinientherapien nach Sorafenib-Erstlinientherapie sind Cabozantinib und Regorafenib. Die Patientin erhielt Cabozantinib. Rationale für diese Therapieentscheidung war, dass die Patientin Sorafenib nicht gut toleriert hatte und damit keine gute Kandidatin für Regorafenib war, sagte PD Dr. Wörns. In der zulassungsrelevanten Studie RESORCE waren nur Patienten eingeschlossen worden, die zuvor Sorafenib gut toleriert hatten (≥ 400 mg/d für mind. 20 Tage innerhalb der letzten 28 Therapietage). Als wichtigen Punkt für die Patienten stellte PD Dr. Wörns die orale Verfügbarkeit von Cabozantinib heraus. Der vollständig humane Antikörper Ramucirumab, für den eine positive Phase-III-Studie in der Zweitlinientherapie des HCC vorliegt, gilt als indiziert bei einem AFP ≥ 400 ng/ml (Zulassung erwartet, aktuell Off-Label-Use). Cabozantinib ist gemäß Fachinformation ohne Einschränkung nach alleiniger Sorafenib-Erstlinientherapie geeignet, unabhängig von der vorherigen Sorafenib-Verträglichkeit oder dem AFP-Level.

In der Patientengruppe nach alleiniger Sorafenib-Therapie lag das mediane Gesamtüberleben in der zulassungsrelevanten CELESTIAL-Studie (4) bei 11,3 Monaten vs. 7,2 Monate (HR=0,70; 95%-KI: 0,55-0,88). Der sekundäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS), lag bei 5,2 Monaten unter Cabozantinib und 1,9 Monaten unter Placebo (HR für Krankheitsprogression oder Tod: 0,44; 95%-KI: 0,36-0,52; p<0,001) in der Gesamtpopulation. In der Patientengruppe nach alleiniger Sorafenib-Therapie betrug das PFS 5,5 Monate unter Cabozantinib und 1,9 Monate unter Placebo (HR für Krankheitsprogression oder Tod: 0,40; 95%-KI: 0,32-0,50).

Mit Cabozantinib konnte bei der Patientin eine stabile Erkrankung über einen Zeitraum von 3 Monaten erreicht werden. Das AFP fiel auf 51 ng/ml. An UEs waren Hautreaktionen und Hand-Fuß-Syndrom (Grad 2), Hypertonie (Grad 1) und Fatigue (Grad 2) aufgetreten, die Wörns zufolge mittels Urea-haltiger Salben, Antihypertensiva und intermittierender Dosisreduktion auf 40 mg/d gut kontrollierbar waren. Das Verträglichkeitsprofil war vergleichbar mit anderen Tyrosinkinase-Inhibitoren.


Fazit

Die sequentielle Therapie hat nun auch beim fortgeschrittenen HCC Einzug gehalten. Das für die Zweitlinientherapie zugelassene Cabozantinib hat den Vorteil, auch unabhängig von der vorherigen Sorafenib-Verträglichkeit und dem AFP-Level verordnet werden zu können.


Mit freundlicher Unterstützung der Ipsen Pharma GmbH

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Interactive Session, EASL HCC Summit, 15.02.2019, Lissabon, Portugal; Veranstalter: Ipsen

Literatur:

(1) Cabometyx® Fachinformation, November 2018.
(2) Stivarga® Fachinformation, August 2018.
(3) Vogel A et al. Ann Oncol 2018;29:iv238-55.
(4) Abou-Alfa G et al. N Engl J Med 2018;379(1):54-63.


Das könnte Sie auch interessieren

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training

Startschuss für den Regensburger Leukämielauf 2017: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer übernimmt Schirmherrschaft und die Kapelle Josef Menzl beginnt Training
© ivanko80 / Fotolia.com

Vor der Kulisse des Alten Rathauses wurde gestern (26.06.) Bürgermeisterin Gertrud Maltz- Schwarzfischer das erste Laufshirt des Regensburger Leukämielaufes 2017 von Professor Dr. Reinhard Andreesen, Vorsitzender der Leukämiehilfe Ostbayern e.V., überreicht. Mit der Übergabe des Laufshirts an das Stadtoberhaupt startet traditionell der Countdown zum größten Benefizlauf in Ostbayern, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet.

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen
© Carolin Lauer (carolinlauer.de)

Ganz unverhofft trifft die damals 30jährige Cristina aus Hannover die Diagnose Krebs. Erst dachte sie an einen schlechten Scherz, als sie den Anruf von ihrem Arzt erhielt und dann zog ihr die Nachricht den Boden unter den Füßen weg. Mit der Chemotherapie kamen der Verlust der Haare, Augenbrauen und Wimpern und damit auch teilweise unangenehme Situationen: „Selbst als ich noch Stoppeln auf dem Kopf hatte, haben mich sofort alle angestarrt. Teilweise getuschelt oder den...

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe
© www.psyche-hilft-koerper.de

Die Website „psyche-hilft-koerper.de“ ermöglicht es, über eine Postleitzahl-Suche Psychoonkologen in der Region, in der man lebt, zu finden. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Patienten u. a. dabei, ihre Krebserkrankung zu verarbeiten, das seelische Befinden zu verbessern sowie körperliche Ressourcen zu stärken (1). Novartis Oncology hat sich nicht nur der Entwicklung innovativer Arzneimittel verpflichtet, sondern möchte durch Initiativen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC: Cabozantinib für Patienten nach Sorafenib-Vortherapie – Ein Patientenfall"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden