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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. April 2019 Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC: Cabozantinib für Patienten nach Sorafenib-Vortherapie – Ein Patientenfall

Die sequentielle Therapie ist nun auch beim fortgeschrittenen Hepatozellulären Karzinom (HCC) möglich. Dabei wird die Zweitlinientherapie durch die Erstlinientherapie bestimmt, wie PD Dr. Marcus-Alexander Wörns, Mainz, auf dem EASL HCC Summit in Lissabon anhand eines Patientenbeispiels verdeutlichte. Der als Monotherapie für die Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC nach Vortherapie mit Sorafenib zugelassene Tyrosinkinasehemmer Cabozantinib (Cabometyx®) hat den Vorteil, dass er nach Sorafenib-Erstlinientherapie allen Patienten verschrieben werden kann, auch unabhängig von der Höhe des Tumormarkers AFP (Alpha-1-Fetoprotein) und davon, ob Sorafenib vertragen wurde.
Alle zugelassenen Zweitlinientherapien beim fortgeschrittenen HCC können nur nach Vorbehandlung mit Sorafenib eingesetzt werden (1-3). PD Dr. Wörns präsentierte den Fall einer 55-jährigen Patientin mit Hepatitis C- und Alkohol-bedingter Leberzirrhose, bei der sich nach 3-maliger TACE mit „drug-eluting beads“ im CT neu aufgetretene Lungenmetastasen zeigten. Es wurde daraufhin ein fortgeschrittenes HCC (BCLC C) diagnostiziert und Sorafenib als Erstlinientherapie verordnet.

Die Wahl fiel auf Sorafenib, da mit dieser Substanz die meisten Erfahrungen vorliegen, sagte PD Dr. Wörns. Es konnte eine 6 Monate lang anhaltende Krankheitsstabilisierung erreicht werden bis die typischen unerwünschten Ereignisse (UEs) von Sorafenib (Hauttoxizität, Hand-Fuß-Syndrom, Fatigue, Diarrhoe) zum Therapieabbruch führten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Patientin noch in einem guten Allgemeinzustand (ECOG-PS 1; Child Pugh A (6 Punkte)). Der AFP-Spiegel war aber leicht angestiegen (285 ng/ml), was als Zeichen einer Progression gewertet wurde.

Zugelassene Zweitlinientherapien nach Sorafenib-Erstlinientherapie sind Cabozantinib und Regorafenib. Die Patientin erhielt Cabozantinib. Rationale für diese Therapieentscheidung war, dass die Patientin Sorafenib nicht gut toleriert hatte und damit keine gute Kandidatin für Regorafenib war, sagte PD Dr. Wörns. In der zulassungsrelevanten Studie RESORCE waren nur Patienten eingeschlossen worden, die zuvor Sorafenib gut toleriert hatten (≥ 400 mg/d für mind. 20 Tage innerhalb der letzten 28 Therapietage). Als wichtigen Punkt für die Patienten stellte PD Dr. Wörns die orale Verfügbarkeit von Cabozantinib heraus. Der vollständig humane Antikörper Ramucirumab, für den eine positive Phase-III-Studie in der Zweitlinientherapie des HCC vorliegt, gilt als indiziert bei einem AFP ≥ 400 ng/ml (Zulassung erwartet, aktuell Off-Label-Use). Cabozantinib ist gemäß Fachinformation ohne Einschränkung nach alleiniger Sorafenib-Erstlinientherapie geeignet, unabhängig von der vorherigen Sorafenib-Verträglichkeit oder dem AFP-Level.

In der Patientengruppe nach alleiniger Sorafenib-Therapie lag das mediane Gesamtüberleben in der zulassungsrelevanten CELESTIAL-Studie (4) bei 11,3 Monaten vs. 7,2 Monate (HR=0,70; 95%-KI: 0,55-0,88). Der sekundäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben (PFS), lag bei 5,2 Monaten unter Cabozantinib und 1,9 Monaten unter Placebo (HR für Krankheitsprogression oder Tod: 0,44; 95%-KI: 0,36-0,52; p<0,001) in der Gesamtpopulation. In der Patientengruppe nach alleiniger Sorafenib-Therapie betrug das PFS 5,5 Monate unter Cabozantinib und 1,9 Monate unter Placebo (HR für Krankheitsprogression oder Tod: 0,40; 95%-KI: 0,32-0,50).

Mit Cabozantinib konnte bei der Patientin eine stabile Erkrankung über einen Zeitraum von 3 Monaten erreicht werden. Das AFP fiel auf 51 ng/ml. An UEs waren Hautreaktionen und Hand-Fuß-Syndrom (Grad 2), Hypertonie (Grad 1) und Fatigue (Grad 2) aufgetreten, die Wörns zufolge mittels Urea-haltiger Salben, Antihypertensiva und intermittierender Dosisreduktion auf 40 mg/d gut kontrollierbar waren. Das Verträglichkeitsprofil war vergleichbar mit anderen Tyrosinkinase-Inhibitoren.


Fazit

Die sequentielle Therapie hat nun auch beim fortgeschrittenen HCC Einzug gehalten. Das für die Zweitlinientherapie zugelassene Cabozantinib hat den Vorteil, auch unabhängig von der vorherigen Sorafenib-Verträglichkeit und dem AFP-Level verordnet werden zu können.


Mit freundlicher Unterstützung der Ipsen Pharma GmbH

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Interactive Session, EASL HCC Summit, 15.02.2019, Lissabon, Portugal; Veranstalter: Ipsen

Literatur:

(1) Cabometyx® Fachinformation, November 2018.
(2) Stivarga® Fachinformation, August 2018.
(3) Vogel A et al. Ann Oncol 2018;29:iv238-55.
(4) Abou-Alfa G et al. N Engl J Med 2018;379(1):54-63.


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