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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. Dezember 2008 Durch Therapie mit oralem Topotecan gewinnen Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs enorm an Lebensqualität

Trotz großer Bemühungen waren die therapeutischen Fortschritte beim kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC) in den letzten 15 Jahren gering, das gängige Erstlinien-Regime hat sich praktisch nicht wesentlich geändert. Eine Neuerung ist die Einführung von oralem Topotecan in die Rezidivtherapie. JOURNAL ONKOLOGIE befragte PD Dr. Skowasch, Oberarzt an der Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Bonn, zu seinen Erfahrungen mit der oralen Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem/rezidiviertem SCLC.
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Herr Dr. Skowasch, wie darf ich mir einen Patienten vorstellen, der mit einem rezidivierten SCLC bei Ihnen vorstellig wird?
Der Kleinzeller ist ein sehr aggressiver Tumor mit einer Tumorverdopplungszeit von 50 Tagen. Patienten mit fortgeschrittenem oder rezidivierendem SCLC sind häufig Patienten mit Husten, Luftnot, Hämoptysen aber auch Allgemeinsymptomen wie Gewichtsverlust, Schmerzen, Fieber, Heiserkeit und Fatigue-Syndrom.

Welche Therapie-Optionen können Sie diesem Patienten anbieten, wenn er für eine Reinduktion mit dem Regime aus der Erstlinientherapie nicht geeignet ist?
Neben den sog. Standardregimen Cisplatin/Etoposid und ACO (Adriamycin/Cyclophosphamid/Vincristin) als Secondlinetherapie gab es lange Zeit wenig Neues. Erst in den letzten Jahren zeigte sich, dass Topotecan als Rezidivtherapie die Überlebenszeit im Vergleich zu best supportive care nahezu verdoppelt.

Welches Regime präferieren Sie persönlich und warum?
Die Patienten benötigen eine möglichst wirksame und verträgliche Therapie und da wir im Vergleich zum ACO-Schema bei ähnlichem Therapieansprechen unter Topotecan eine deutlich niedrigere hämatologische Toxizität haben, ist unser Zweitlinienstandard Topotecan.

Wieviele Zyklen können Sie Ihren Patienten im Mittel in dieser Situation noch zumuten?
Im Prinzip sollte man 4-6 Therapiezyklen durchführen und bei guter Verträglichkeit kann die Therapie auch bis zur Progression der Erkrankung fortgeführt werden.

Welches Therapieziel verfolgen Sie für diesen Patienten?
Es handelt sich hier um einen rein palliativen Behandlungsansatz. Die Therapie zielt ab auf Verbesserung der Lebensqualität, des Allgemeinzustands, der Reduktion tumorbedingter Beschwerden wie Luftnot, Müdigkeit und Kachexie. Ziel ist aber auch die Lebensverlängerung. Das Wichtigste ist aber, eine Alltagskompetenz für die Patienten möglichst lange zu erhalten.

Seit Mitte des Jahres können Sie Topotecan auch oral (Hycamtin® Hartkapseln) verabreichen. Haben Sie die Hartkapseln schon eingesetzt und wenn ja, bei welchen Ihrer Patienten verschreiben Sie Topotecan oral?
Wir setzen Topotecan oral ein, seitdem es verfügbar ist bei allen Patienten, bei denen es möglich ist. Das Entscheidende ist, dass die Patienten eine entsprechende Compliance aufweisen müssen. Daneben gibt es wirklich seltene Kontraindikationen, wenn z.B. die Resorption des Medikaments durch unstillbares Erbrechen oder Schluckbeschwerden nicht möglich ist.

Was macht den Einsatz von Topotecan oral für Ihre Patienten attraktiv?
Das alte Regime war relativ komplex und musste mit 5 Infusionen an 5 Tagen in Folge in Klinik und Praxis durchgeführt werden. Durch die orale Therapie gewinnen die Patienten, da sie ihre Medikamente zuhause einnehmen können, enorm an Lebensqualität.

Wie schätzen Sie die Compliance der Patienten ein?
Wir kennen den Patienten, der eine Secondline-Chemotherapie bekommt ja schon relativ lange, da er die Erstlinie in der Regel auch schon bei uns bekommen hat. Dadurch kann man einschätzen, wie regelmäßig er seine Medikamente nimmt, und wir kennen das häusliche Umfeld. Wenn wir den Eindruck haben, der Patient ist compliant, dann verordnen wir das Medikament. Wir wollen den Patienten aber vor jedem Zyklus, also alle 3 Wochen einmal sehen. Wir verordnen immer nur einen Zyklus. Der Hausarzt muss den Patienten häufiger sehen, er muss mindestens einmal pro Woche eine Blutbildkontrolle machen.

In welcher Dosierung setzen Sie die Hartkapseln ein und welche Erfahrungen haben Sie damit gesammelt?
Nach Fachinformation ist die zugelassene Dosis 2,3 mg/m2 Körperoberfläche. Wir behandeln aber überwiegend mit 1,9 mg/m2 Körperoberfläche. Denn bei wahrscheinlich gleicher Effektivität im Vergleich zu höherer Dosis haben wir deutlich weniger hämatotoxische Nebenwirkungen.

Wie vertragen Ihre Patienten die Hartkapseln?
Bislang haben alle Patienten die Therapie relativ gut vertragen. Die hämatotoxischen Nebenwirkungen sind in der Regel gut behandelbar. Organtoxische Nebenwirkungen gibt es praktisch nicht. Relativ häufig treten Diarrhoen auf, die gut mit Antidiarrhoeika zu beherrschen sind.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Patienten zu Topotecan oral?
Der Patient gewinnt an Lebensqualität durch die Therapie zuhause. Zuerst kommt der Unglaube, dass eine orale Chemotherapie überhaupt funktionieren kann, dann kommt aber die Dankbarkeit des Patienten für diese Möglichkeit.

Arbeiten Sie mit den Hausärzten zusammen, tauscht man sich regelmäßig aus?
Selbstverständlich. In der Regel schicken die Hausärzte regelmäßig das Blutbild der Patienten und wir sprechen mit ihnen ab, wie man die Nebenwirkung sinnvoll behandelt.

Worin sehen Sie als behandelnder Arzt Vorteile von der oralen Gabe für sich und Ihren Praxisalltag?
Für uns bedeutet das den Wegfall von täglich aufwendigen Infusionen. Wenn man hochrechnet sind das bis zu 20 Infusionen pro Quartal.

Wie gestalten Sie die Patientenführung während der oralen Therapie?
Wichtig ist, dass das Blutbild regelmäßig überwacht und der Patient über die Symptome der Neutropenie und über das Auftreten von Diarrhoen informiert wird. Wir verschreiben immer gleichzeitig zu Topotecan Loperamid, das der Patient bei Bedarf einnehmen sollte.

Haben Sie abschließend einen Tipp für Ihre Kollegen, wenn dieser erstmals Topotecan oral einem Patienten verschreiben will?
Die Kollegen sollten wissen, dass man Topotecan als 1,0 und 0,25 mg Kapseln erhalten kann. Das heißt, vor der Verschreibung ist erst mal Rechnen angesagt: Bei einer Körperoberfläche von z.B. 2,0 m2 braucht der Patient 3,8 mg pro Tag, das sind 3x 1 mg und 3x 0,25 mg Topotecan oral pro Tag bzw. 15x 1 mg und 15x 0,25 mg pro Zyklus. Hiezu gibt es aber einfache Tabellen von der Herstellerfirma.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle:


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