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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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29. Dezember 2012

Metastasiertes Mammakarzinom: Mit Nanotechnologie auf Erfolgskurs

Die Nanotechnologie hat in vielen Bereichen der Medizin bereits Einzug gehalten. Für die Therapie des metastasierten Mammakarzinoms gibt es 3 zugelassene Substanzen, die dank Nanotechnologie zielgerichteter an den Tumor gelangen, berichtete Prof. Nadia Harbeck, München. Dabei handelt es sich um Abraxane®, Caelyx® und Myocet®, die dadurch wirksamer und besser verträglich sind als im „nicht verpackten“ Zustand.

Bei Myocet® und Caelyx® handelt es sich um liposomale Formulierungen von Doxorubicin, die sich vor allem durch eine bessere kardiale Verträglichkeit auszeichnen. Laut Harbeck können die Substanzen auch eingesetzt werden, wenn die Patienten bereits mit Doxorubicin vorbehandelt sind.

Abraxane® (nab-Paclitaxel) ist an Albumin gebundenes Paclitaxel, das in Nanopartikeln vorliegt. nab-Paclitaxel bindet zunächst an den gp60-Rezeptor auf Endothelzellen. Über Transzytose wird der Albumin-Paclitaxel-Komplex dann in das Tumorinterstitium transportiert, wo die Partikel an das Bindungsprotein SPARC binden, das von vielen Tumoren überexprimiert wird. Somit gelangt mehr Substanz an den Tumor, erklärte Harbeck. Es würde auch Hinweise darauf geben, dass eine hohe SPARC-Expression mit einer erhöhten Aggressivität des Mammakarzinoms einhergeht.

Im Vergleich zu herkömmlichem Paclitaxel zeigte sich in der Phase-III-Studie von Gradishar et al. (2005) mit nab-Paclitaxel eine fast doppelt so hohe Ansprechrate (33 vs. 19%; p=0,001), ein längeres progressionsfreies Überleben (TTP 23 vs. 16,9 Wochen; p=0,006) sowie ein längeres Gesamtüberleben (65 vs. 55,7 Wochen) bei überwiegend stark vorbehandelten Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom, die Paclitaxel oder nab-Paclitaxel als 1., 2. oder 3. Therapielinie erhalten hatten. Das Toxizitätsprofil war vergleichbar, es waren allerdings etwas häufiger Neuropathien unter nab-Paclitaxel aufgetreten, die jedoch kürzer andauerten als mit konventionellem Paclitaxel (median 22 vs. 79 Tage).

Als Vorteile von nab-Paclitaxel im klinischen Alltag nannte Harbeck, dass eine Prämedikation nicht notwendig sei, die Infusionszeiten kürzer seien als mit konventionellem Paclitaxel, und dass keine speziellen i.v.-Leitungen (PVC-frei) benötigt würden.

In der Phase-III-Studie CALGB 40502, die auf Überlegenheit gepowert war, unterschieden sich progressionsfreies und Gesamtüberleben nicht signifikant unter nab-Paclitaxel und konventionellem Paclitaxel, das jeweils mit Bevacizumab kombiniert worden war. In dieser Studie erwies sich konventionelles Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab als besser verträglich als die Kombination aus nab-Paclitaxel und Bevacizumab. Harbeck kritisierte, dass nab-Paclitaxel dabei in der hohen Dosierung von 150 mg/m2 wöchentlich verwendet wurde. Bei Patientinnen mit einer metastasierten Erkrankung sollte man vorher Toxizitätsstudien durchführen und hohe Dosen nicht kritiklos einsetzen. Eine Optimierung der Dosis von nab-Paclitaxel in Kombination mit Bevacizumab sei notwendig.

nab-Paclitaxel wird jetzt in Deutschland auch in der neoadjuvanten Therapie geprüft (GEPARSEPTO-Studie), wobei zuerst das Taxan und anschließend das Anthrazyklin eingesetzt wird, was laut Harbeck zu einer deutlich verringerten Nebenwirkungsrate führt als in der umgekehrten Reihenfolge.

In Zukunft wird es vermehrt Substanzen für die Behandlung gynäkologischer Tumoren geben, die auf der Nanotechnologie beruhen, so das Fazit von Harbeck. Es besteht die Hoffnung, damit Wirkstoffe besser an den Tumor heranzubringen und somit die Effektivität zu steigern und die Toxizität zu verringern.

as

Symposium „Tumorgerichtete Chemotherapie beim Mammakarzinom“, 59. DGGG-Kongress, München, 11.10.2012

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