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Medizin

25. Juli 2019 Post-ASCO: Wichtige Studienergebnisse zu Prostata-, Nierenzell- und Kopf-Hals-Tumoren

Zum fünften Mal stellte das Uniklinikum Regensburg im Nachgang des amerikanischen ASCO-Meetings Studien in den Fokus, die klinische Relevanz haben. Darunter waren u.a. interessante Studienergebnisse zum Prostatakarzinom, Nierenzellkarzinom und Kopf-Hals-Tumoren. Im Rahmen der Veranstaltung wurden außerdem die Forschungsarbeiten junger Nachwuchswissenschaftler prämiert.
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Metastasiertes hormonsensitives Prostatakarzinom

Viel Neues gab es dieses Jahr auf dem ASCO zum Prostatakarzinom zu berichten, so Prof. Dr. Maximilian Burger, Regensburg. Er hob die ersten Ergebnisse der Phase-III-Studie TITAN hervor, in der beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) Apalutamid zur Androgendeprivationstherapie (ADT) gegen Placebo + ADT evaluiert wurde (1). 8% der Patienten hatten eine lokale Vortherapie, 11% hatten Docetaxel erhalten. Primäre Endpunkte waren das Gesamtüberleben (OS) und das radiologische progressionsfreie Überleben (rPFS). Nach 22,6 Monaten waren noch 66% der Apalutamid-Gruppe und 46% der Placebo-Gruppe unter Therapie. Es zeigt sich ein OS-Vorteil mit 33%iger Reduktion des Risikos zu versterben in der Apalutamid-Gruppe, und zwar sowohl bei hoher als auch niedriger Tumorlast (HR=0,67; p<0,0053, medianes OS in beiden Gruppen nicht erreicht). Das mediane rPFS wurde in der Apalutamid-Gruppe nicht erreicht vs. 22,1 Monate in der Placebo/ADT-Gruppe. Das Risiko für Tod oder radiologischen Progress reduzierte sich in der Apalutamid-Gruppe um 52%. „Der Überlebensvorteil war in allen Subgruppen zu beobachten, also bei hohem oder niedrigerem Tumorvolumen sowie auch bei Patienten mit einer Docetaxel-Vortherapie“, so Burger.

In der gleichen Indikation mHSPC zeigte die Studie ENZAMET, dass Patienten mit hohem Tumorvolumen von der Zugabe von Enzalutamid zur ADT profitieren, gegenüber einem nicht-steroidalen Antiandrogen Bicalutamid, Flutamid oder Nilutamid (2) zur ADT. „In der ENZAMET-Studie konnte Enzalutamid zusätzlich zur Standardtherapie das Überleben bei Low- und High-Volume-Patienten mit mHSPC verlängern. Die konkomitante Gabe von Docetaxel zu Enzalutamid bringt jedoch keinen Vorteil“, sagte er.

Metastasiertes Nierenzellkarzinom

Ein Update der KEYNOTE-426-Studie zeigt einen Benefit der Erstlinientherapie Pembrolizumab/Axitinib beim metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) auch in den Subgruppen mit Intermediate oder Poor Risk nach IMDC sowie mit sarkomatoiden Tumoren (3). In der ITT-Population betrug die Hazard Ratio für das 18-Monats-Gesamtüberleben 0,53 (p=0,0001). „Neben dem schon bekannten Benefit für Good-risk-Patienten zeigt sich ein Vorteil nun für alle Subgruppen, und auch bei sarkomatoiden Features bietet die Kombination einen Angriffspunkt“, schloss Burger.

Kopf-Hals-Tumoren

Die Ergebnisse der KEYNOTE-048-Studie stellte Prof. Dr. Thorsten Reichert, Regensburg, vor. Pembrolizumab wurde hier alleine oder in Kombination mit Chemotherapie (Platin + 5-FU) in der Erstlinie vs. Standard-Chemotherapie EXTREME (5-FU + Cisplatin + Cetuximab, gefolgt von Cetuximab-Erhaltungstherapie) bei Patienten mit rezidivierendem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (r/r HNSCC) und einem Combined Positive Score (CPS) von  > 1% und > 20% für PD-L1 getestet (4). Die Gabe von Pembrolizumab oder Pembrolizumab + Platin + 5-FU verbesserte das Gesamtüberleben bei diesen PD-L1-CPS-Scores gegenüber EXTREME . „Pem/Platin/5-FU wird daher in der Erstlinientherapie  des r/r HNSCC der neue Standard werden“, so Reichert.

Taxane werden zur Induktion, aber bisher nicht in der Erstlinientherapie eingesetzt. In der TPExtreme-Studie wurde gezeigt, dass bei r/r HNSCC-Patienten die Erstlinientherapie mit TPEx (Docetaxel + Cisplatin + Cetuximab, gefolgt von Cetuximab-Erhaltungstherapie) gegenüber dem Erstlinien-Standard EXTREME zwar in Bezug auf das OS keinen Vorteil bringt, dass die Toxizität jedoch geringer ausfällt (5). „Mit TPEx ergibt sich also eine neue Erstlinienoption mit besserer Verträglichkeit“, sagte er.   

Im Rahmen der Veranstaltung wurden noch Preise in den Kategorien Nachwuchsforscher sowie präklinische und klinische Forschung verliehen. Herausragende Arbeiten sind z.B. die in Cancer Research sogar auf dem Cover veröffentlichte Arbeit zur präklinischen Forschung von Maria Mycielska (6). In dieser wurde gezeigt, dass der extrazelluläre Citrat-Transporter pmCiC ein vielversprechendes Target für eine Krebstherapie sein könnte: Glykolyse und Fettsäurensynthese sind über den zytosolischen Citrat-Metabolismus in Krebszellen hochaktiv. Das extrazelluläre Citrat erhalten die Krebszellen durch eine Plasmamembran-spezifische Variante des mitochondrialen Citrat-Transporters pmCiC. Wurde pmCic im murinen Xenograft vom menschlichen Pankreaskarzinom spezifisch gehemmt, verlangsamte sich das Tumorwachstum.

ab

Quelle: „Highlights vom amerikanischen Krebskongress“, 3.07.2019, Universitätsklinikum Regensburg

Literatur:

(1)  Chi K et al. First results from TITAN: A phase III double-blind, randomized study of apalutamide (APA) versus placebo (PBO) in patients (pts) with metastatic castration-sensitive prostate cancer (mCSPC) receiving androgen deprivation therapy (ADT). Journal of Clinical Oncology 37, no. 15_suppl (May 20 2019) 5006-5006.
(2) Sweeney C et al. Overall survival (OS) results of a phase III randomized trial of standard-of-care therapy with or without enzalutamide for metastatic hormone-sensitive prostate cancer (mHSPC): ENZAMET (ANZUP 1304), an ANZUP-led international cooperative group trial.J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr LBA2)
(3) Brian I. Rini, Elizabeth R. Plimack, Viktor Stus et al. Pembrolizumab (pembro) plus axitinib (axi) versus sunitinib as first-line therapy for metastatic renal cell carcinoma (mRCC): Outcomes in the combined IMDC intermediate/poor risk and sarcomatoid subgroups of the phase 3 KEYNOTE-426 study. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 4500)
(4) Danny Rischin, Kevin J. Harrington, Richard Greil et al. Protocol-specified final analysis of the phase 3 KEYNOTE-048 trial of pembrolizumab (pembro) as first-line therapy for recurrent/metastatic head and neck squamous cell carcinoma (R/M HNSCC). J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 6000)
(5) Joel Guigay, Jerome Fayette, Ricard Mesia et al. TPExtreme randomized trial: TPEx versus Extreme regimen in 1st line recurrent/metastatic head and neck squamous cell carcinoma (R/M HNSCC). J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 6002)
(6) Maria E. Mycielska, Katja Dettmer, Petra Rümmele et al. Extracellular Citrate Affects Critical Elements of Cancer Cell Metabolism and Supports Cancer Development In Vivo. DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-17-2959 Published May 2018


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ESMO 2019
  • PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam
  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
  • Pembrolizumab + Chemotherapie beim Plattenepithelkarzinom-NSCLC: Überlegenes OS, PFS, ORR und PFS2 gegenüber alleiniger Chemotherapie
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  • PD-L1-positives Magenkarzinom und AEG: Vergleichbare Lebensqualität unter Pembrolizumab-Monotherapie und Chemotherapie
  • Pembrolizumab-Monotherapie beim vorbehandelten mTNBC: Klarer Trend zu verbessertem Überleben mit zunehmender PD-L1-Expression