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Medizin
15. September 2015

Europäisches Forschungsprojekt zur personalisierten Medizin

18 europäische und ein japanischer Forscher aus Medizin, Biologie, Informatik und Rechtswissenschaften haben in den letzten Jahren gemeinsam innovative IT-Strukturen entwickelt, um die Vernetzung medizinischer Daten aller Art zu verbessern. So soll es künftig möglich sein, individuelle Risikofaktoren bei Patienten zu identifizieren und für sie maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln. Das Projekt „p-medicine“ wurde von der EU mit mehr als 13 Millionen Euro finanziert. Koordiniert hat es der Kinderonkologe Prof. Norbert Graf vom Uniklinikum des Saarlandes. Am 22. und 23. September kommen die Projektbeteiligten in Homburg zu einer Abschlusstagung zusammen. Die interessierte Öffentlichkeit ist am 22. September von 9 bis 12.30 Uhr zu den Vorträgen in englischer Sprache eingeladen.

Bildgebende Verfahren liefern Ärzten in Sekundenschnelle dreidimensionale Aufnahmen von Herz oder Leber, molekulargenetische Untersuchungen erlauben Medizinern heute, Tumore für den einzelnen Patienten besser zu klassifizieren – dies sind nur zwei Beispiele, die den aktuellen Wandel in der Medizin zeigen – in Kliniken und Diagnostiklaboren haben längst Computerprogramme und neue Technologien Einzug gehalten. Sie liefern eine große Menge an klinisch-relevanten Daten und können zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wie gut ein Tumor auf ein Medikament anspricht oder mit welchen Nebenwirkungen bei einer Therapie zu rechnen ist. Solche patientenbezogenen Angaben aus der Molekularbiologie und -genetik mit bildgebenden Daten der Radiologie zusammenzuführen, daran hat ein Verbund von Molekulargenetikern, Bioinformatikern, Softwareentwicklern, IT-Experten, Mathematikern, Rechtswissenschaftlern und Medizinern um Prof. Norbert Graf in den vergangenen Jahren in dem EU-Projekt „p-medicine“ gearbeitet.

„Mit diesen neuartigen Techniken lassen sich beispielsweise individuelle Risikofaktoren bei jedem Patienten identifizieren“, sagt Professor Norbert Graf. „Eine personalisierte Medizin wird so möglich.“ Dabei haben die Forscher ihre Computerprogramme und Datenbanken derart entwickelt, dass die Privatsphäre und der Datenschutz der Patienten stets gewahrt bleiben.

Ein Ziel des Projekts war es, Patienten mehr in die Behandlung miteinzubeziehen. Unter anderem werden Tools bereitgestellt, die es Patienten ermöglichen zu bestimmen, wer mit ihren Daten und Proben was erforschen darf. „Patienten behalten so die Hoheit über ihre Daten. Hierüber ist automatisch eine intensivere Kommunikation mit den behandelnden Ärzten notwendig“, so Graf weiter.

Um die personalisierte Medizin weiter voranzubringen, müssen die Wissenschaftler und Mediziner die erhobenen Daten verknüpfen, um sinnvolle Zusammenhänge aufzudecken. „Damit möchten wir neues Wissen generieren“, so Graf. Die Arbeiten werden im Rahmen der Initiative „STaRC – Study, Trial and Research Center“ weiter vorangebracht. Das computergestützte „Studien- und Forschungszentrum für klinische Studien“ will zu einer besseren Behandlung von Krebspatienten beitragen. Kernstück ist eine europaweite Datenbank, die klinische Studien über Tumorerkrankungen mit medizinischen Patientendaten verknüpft. Dazu entwickeln Mediziner des Uniklinikums gemeinsam mit Bioinformatikern der Saar-Universität ein innovatives Daten-Managementsystem. Dieses soll letztendlich individuell maßgeschneiderte Therapien für Tumorpatienten ermöglichen. „Jede Tumorerkrankung ist einzigartig. Wenn wir klinische Daten mit molekulargenetischen Analysen eines Tumors in Verbindung bringen, können wir die Therapie mit den größten individuellen Heilungschancen finden“, erläutert Norbert Graf, der auch „STaRC“ leitet.

Bei der Abschlussveranstaltung zum Projekt „p-medicine“ am 22. und 23. September kommen die beteiligten Partner im Homburger Schlossberg-Hotel zusammen. Dabei werden unter anderem die beiden renommierten Forscher Professor Metin Akay von der Universität Houston in Texas und Professor Yuzuru Tanaka von der Universität Hokkaido in Japan darstellen, welch großen Stellenwert die personalisierte Medizin inzwischen weltweit eingenommen hat. Welche Rolle das Saarland als Modellregion spielen könnte, um die personalisierte Medizin voranzubringen, zeigt ferner Professorin Sigrun Smola von der Saar-Uni auf.

Die Wissenschaftler werden von der EURICE GmbH in Saarbrücken unterstützt, die auch weitere europäische Forschungsprojekte an der Saar-Uni betreut.

Ort der Abschlussveranstaltung: Schlossberg-Hotel Homburg, Schlossberg-Höhen-Straße 1, 66424 Homburg

Das Programm der Tagung unter: http://p-medicine.eu/news/details/article/p-medicine-is-drawing-to-a-close

 

Quelle: Universität des Saarlandes


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