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Medizin

20. März 2017
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Kosteneffektiver Genexpressionstest beim Mammakarzinom

Von allen in Deutschland erhältlichen Genexpressionstests ist der Oncotype DX® Brustkrebstest der kosteneffektivste. Er kann am meisten zur Nettoreduktion der Ausgaben von Krankenkassen und des öffentlichen Gesundheitswesens beitragen. Das ergab eine detaillierte Budget-Impact-Analyse der in Deutschland verfügbaren Gentests, die am 17. März 2017 im Rahmen der 15. St Gallen International Breast Cancer Conference in Wien vorgestellt wurde. Mit dem Oncotype DX geht der höchste Rückgang an Chemotherapien einher, da der Test mehr Patientinnen richtig in eine niedrige Risikogruppe einstuft als andere Tests. Dies führt zu potentiellen Nettoeinsparungen für die Krankenkassen von 4.001 Euro pro getesteter Patientin. Die Analyse von Lux et al. schätzt die möglichen Einsparungen bei den gesamtgesellschaftlichen Kosten durch den Oncotype DX auf mehr als 577 Millionen Euro pro Jahr. Bei zwei der anderen drei analysierten Tests gehen die Autoren dagegen sogar von zusätzlichen Kosten für die Krankenkassen und die Gesamtgesellschaft aus. Die Analyse basiert darauf, dass jährlich bei etwa 20.000 Patientinnen in Deutschland unklar ist, ob sie von einer Chemotherapie profitieren können (1).
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Ein weiteres deutsches Abstract von Hartkopf et al. zeigt: Der Oncotype DX kann Patientinnen zuverlässig identifizieren, die – trotz eines hohen Risikos nach traditionellen Kriterien – sehr wahrscheinlich nicht von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren werden. Die retrospektive Untersuchung beschäftigte sich mit der Fragestellung, wie viele Patientinnen mit primärem Brustkrebs, die nach klassischen Kriterien als Hochrisikopatientinnen gelten, aufgrund des Recurrence Scores® in die Mittel- oder Niedrigrisikogruppe eingeordnet werden. In der Kohorte von 2.389 Patientinnen mit einem medianen Alter von 56 Jahren wurden 56% (1.341 Patientinnen) der Niedrigrisikogruppe zugeordnet, 37% (877 Patientinnen) der mittleren Risikogruppe und 7% (171 Patientinnen) der Hochrisikogruppe (2).

Insgesamt wurden auf der Konferenz in Wien 15 Abstracts zum Oncotype DX präsentiert. Der Test nutzt modernste Genanalysetechniken, um die individuellen Eigenschaften des Tumors der jeweiligen Patientin zu ermitteln und ein „Recurrence Score“-Ergebnis zu erhalten. Mit dem Recurrence Score können die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs der Krebserkrankung der Patientin sowie der Nutzen einer Chemotherapie vorhergesagt werden.

Die Abstracts tragen weiter zur bereits hervorragenden praktischen Evidenzlage des Oncotype DX bei und belegen die wachsende Akzeptanz des Tests. Er wird in Europa zunehmend angewendet, um Therapien zu personalisieren und die für die einzelne Patientin erfolgversprechendste sowie kosteneffektivste Therapie zu finden.

Daten aus internationalen Studien

• In einer Pool-Analyse von acht internationalen Studien mit über 2.500 Patientinnen wurde untersucht, wie sich der Oncotype DX auf die Therapieentscheidungen in der klinischen Praxis auswirkt. Die Ergebnisse zeigten nach dem Test einen durchschnittlichen Nettorückgang von 42% beim Einsatz von Chemotherapien (3).

• Eine Studie aus Frankreich zur Verwendung von Tests in der klinischen Praxis untersuchte 827 Patientinnen – einschließlich solcher, die nach klassischen Kriterien unter Hochrisikokrebs litten. Die Ergebnisse zeigten, dass der Einsatz von Oncotype DX in Frankreich die Anzahl von Chemotherapien um 35% gesenkt hat (4,5).

„Die klassischen Kriterien, die für klinische Entscheidungen für oder gegen eine Chemotherapie herangezogen werden, können zu einer deutlichen Überbehandlung und Toxizität führen, während gleichzeitig unnötige Kosten für das Gesundheitssystem anfallen. Die Entscheidung für eine Chemotherapie sollte so fundiert wie möglich getroffen werden. Aus der Perspektive des Gesundheitswesens sind Chemotherapien kostspielig und ressourcenintensiv, und für die Patientin können sie sogar noch sehr viel teurer werden“, erklärte Prof. Joseph Gligorov, Breast Cancer Expert Center, APHP-Hôpital Tenon, Paris. „Die neue Evidenz, die nun für den Oncotype DX Test vorliegt, zeigt deutlich den positiven Einfluss, den dieser Test auf die Qualität von Therapieentscheidungen in ganz Europa hat. Die auf Grundlage klinischer Praxis gewonnenen Ergebnisse belegen: molekulare Tests liefern klinisch wertvolle Informationen, die bei einem signifikanten Anteil der Patientinnen über die Erkenntnisse durch die klassischen pathologischen Kriterien hinausgehen. Die Tests sollten daher noch häufiger angewendet und die Kosten von den Kassen erstattet werden.“

Jedes Jahr werden in Europa über 490.000 neue Brustkrebsfälle diagnostiziert (6). Es handelt sich um die häufigste Krebsart bei Frauen. Sie tritt bei vielen in der Lebensphase auf, in der sie sich der Arbeit und der Familie widmen. Durchschnittlich 20% aller Brustkrebsfälle in Europa treten bei Frauen bis 50 Jahren auf; 37% zwischen 50 und 64 Jahren. Zwar wird routinemäßig eine Chemotherapie angeboten, doch zeigt die Forschung, dass weniger als 10% der Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium tatsächlich von ihr profitieren (7).
 
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