Donnerstag, 29. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Imnovid
Imnovid
 

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. Dezember 2002 Versorgungsdefizite bei kolorektalen Karzinomen

Qualitätskontrolle und Qualitätsoptimierung müssen in der Onkologie künftig einen höheren Stellenwert bekommen. An der Versorgungssituation von Patienten mit kolorektalen Karzinomen (CRC) lässt sich beispielhaft zeigen, dass gravierende Defizite in der adjuvanten und palliativen Therapie des fortgeschrittenen CRC bestehen. Auch die seit vielen Jahren existierenden Therapieleitlinien, haben diese Situation nicht grundlegend verbessern können.
Anzeige:
Polivy
33% der Patienten mit Kolonkarzinomen haben bereits bei der Diagnose Metastasen. Diese Patienten überleben median nur 6 Monate, wenn sie nicht behandelt werden. Doch sie können und sollten behandelt werden. Schon eine einfache FU-basierte Chemotherapie kann die mittlere Lebenserwartung verdoppeln, mit neueren Therapieschemata werden heute bereits Überlebensraten von median 2 Jahren erzielt. Darüber hinaus ist die adjuvante Chemotherapie Standard in der Therapie von Patienten mit lymphatisch metastasiertem kolorektalen Karzinom (Stadium III).

Eindeutige Überlebensvorteile für adjuvante Chemotherapie
Die überzeugenden Daten zur adjuvanten Therapie haben schon Mitte der 90er Jahre zu entsprechenden Leitlinien der Fachgesellschaften geführt. Danach sollten Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III (Dukes C) eine adjuvante Chemotherapie über 6 Monate nach dem Mayo oder Roswell Park Protokoll erhalten. Bei Rektumkarzinomen im Stadium II und III (Dukes B und C) sehen die Empfehlungen eine Radio-/ Chemotherapie für 6 Monate vor.
Des weiteren gilt es durch neuere
Daten als gesichert, dass auch ältere Patienten > 70 Jahren im Stadium III mit gutem Allgemeinzustand von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren (Sargent et al. NEJM 2001). 0

Therapieleitlinien – für wen?
Vor diesem Hintergrund sind Grothey und Mitarbeiter, Halle, der Frage nachgegangen, wie denn die seit Jahren gültigen Empfehlungen zur adjuvanten Nachbehandlung von Patienten mit CRC in Deutschland praktisch umgesetzt werden und wie viele Patienten mit metastasiertem CRC überhaupt eine palliative Chemotherapie erhalten.
Dazu wurden im 3. Quartal 1998 die Verläufe von 1001 Patienten dokumentiert, aufgeteilt nach Behandlungen in Universitätskliniken, Krankenhäusern mit bzw. ohne onkologische Fachabteilung, Reha-Kliniken und niedergelassene Praxen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. 1

Jeder dritte Patient erhält keine adjuvante Chemotherapie
Obwohl entsprechende Leitlinien 1998 bereits seit mindestens 4 Jahren bekannt sein sollten, erhielten von den Patienten im Stadium III (40,7%) in allen beteiligten Institutionen insgesamt nur 63,4% eine adjuvante Chemotherapie. Die meisten der in Frage kommenden Patienten wurden in chirurgischen
Fachabteilungen betreut, doch hier erhielten die wenigsten (unter 60%) eine onkologsich adäquate adjuvante Therapie.
An der Altersverteilung der Patienten ist abzulesen, dass die Wahrscheinlichkeit einer adjuvanten Chemotherapie mit dem Alter abnimmt. Patienten über 70 Jahre haben eine deutlich geringere Chance, eine solche Behandlung zu erhalten als jüngere, obwohl dies nach eindeutiger Datenlage nicht gerechtfertigt ist.
Bei den eingesetzten Chemotherapie-Protokollen wird nur zu 18% das durch Phase-III-Studien abgesicherte und von den Leitlinien empfohlene Mayo-Clinic Protokoll verwendet. Wird es verabreicht, bekommen nur wenige Patienten die einzelnen Substanzen auch fachgerecht als Bolus, d.h. innerhalb von 2 Minuten, appliziert. 2 3

500 vermeidbare Todesfälle pro Jahr
Aus den erhobenen Daten haben die Untersucher berechnet, dass pro Jahr etwa 530 Patienten mit CRC im Stadium III versterben, weil sie keine adjuvante Therapie entsprechend dem Standard erhalten. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Fachdisziplin, durch die diese Patienten onkologisch betreut werden. Eine neuere Untersuchung von 2001 an einem gleichgroßen Patientengut zeigte nur eine geringe Verbesserung des Qualitätsstandards der adjuvanten Therapie, da jetzt ca. 68% aller Patienten im Stadium III eine adjuvante Therapie erfuhren.

Defizite in der palliativen Therapie
Nicht viel besser steht es mit der palliativen Therapie. In der Erhebung von 1998 behandelten Krankenhäuser ohne onkologische Fachabteilung nur 50% der Patienten mit metastasiertem CRC chemotherapeutisch. Eine neuere Dokumentation mit wiederum 1000 Patienten aus dem 4. Quartal 2000 und 1. Quartal 2001 hat die palliative Situation noch einmal unter die Lupe genommen. Von den 280 Patienten im Stadium IV erhielten 38% keine postoperative Che-motherapie. Unterteilt nach Fachrichtungen fallen wiederum die chirurgischen Abteilungen aus dem Rahmen: nur 58 % ihrer Patienten erhalten auch eine Chemotherapie.
Von den Patienten, die palliativ nach dem Mayo-Regime behandelt werden, erfolgt diese Therapie unerklärlicherweise bei 28% stationär. Dabei ist die-ses Schema ideal für eine ambulante Versorgung. 4 5

Mehr Kooperationen bei komplexen Therapien
Nach diesen Daten, so das Fazit von Dr. Axel Grothey, sind in Deutschland gravierende Versorgungsdefizite in der adjuvanten und palliativen Therapie kolorektaler Karzinome zu konstatieren. Folge für die Patienten ist ein substanzieller Verlust an Heilungschancen, Überlebenszeit und Lebensqualität. Therapieoptionen durch neue Substanzen wie Capecitabin, Oxaliplatin und Irinotecan können die Chancen der CRC-Patienten weiter verbessern, erfordern aber aufgrund ihrer Komplexizität eine enge Kooperation mit onkologischen Spezialsten.
Wenn schon relativ „einfache“ Therapien nicht flächendeckend nach bestehenden Leitlinien umgesetzt würden, so sei bei komplexeren Schemata erst recht eine fachübergreifende Zusam-menarbeit erforderlich, um ein einheitliches Qualitätsniveau in der Betreuung krebskranker Patienten zu gewährleisten. Die Einrichtung von Kompetenznetzen könnte ein Weg zu diesem Ziel sein.

ra


Anzeige:
Kyprolis

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Versorgungsdefizite bei kolorektalen Karzinomen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab