Donnerstag, 4. Juni 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juni 2013 NSCLC - Nintedanib: Neuer Wirkstoff in der Pipeline

Fortgeschrittenes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom

Da die molekularbiologischen Zusammenhänge in der Genese des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms immer besser verstanden werden, befinden sich derzeit mehrere neue zielgerichtete Therapeutika in der Entwicklung. Zu ihnen gehört Nintedanib*, ein oraler 3fach-Angiokinase-Hemmer. Er ist neben dem oralen ErbB Family-Blocker Afatinib* ein weiteres NSCLC-Medikament in der onkologischen Pipeline von Boehringer Ingelheim.

Anzeige:

Beim Lungenkarzinom handelt es sich um eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen und die häufigste Krebstodesursache weltweit (1, 2). Doch Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. So gibt es kleinzellige (13,6%, SCLC) und nicht-kleinzellige (85,3%, NSCLC) Lungenkarzinome (3). Zudem lassen sich letztere unterteilen in die 3 Haupttypen Plattenepithel-, Adeno- und großzellige Karzinome sowie andere (3). Weitere Unterschiede ergeben sich aus dem genetischen Profil. Diese Differenzierung spiegelt sich auch in der Entwicklung von innovativen Wirkstoffen wider, die auf zentrale Prozesse des Tumorwachstums und der Tumorausbreitung abzielen, wie die Tumorangiogenese und die Tumorzellsignaltransduktion.

Nintedanib*: Dreifache Blockade der Angiogenese

Die Tumorangiogenese bzw. Entwicklung neuer Blutgefäße im Tumor unterliegt einer komplexen Kontrolle durch Wachstumsfaktoren, etwa FGF, PDGF und VEGF. Die Weiterleitung der Signale erfolgt über spezifische Rezeptor-Tyrosinkinasen (4,5). Anders als andere, bereits verfügbare Angiogenese-Inhibitoren, blockiert der 3fach-Angiokinase-Hemmer Nintedanib* simultan 3 Rezeptorklassen, die bei der Angiogenese eine zentrale Rolle spielen: den FGF-, den PDGF- und den VEGF-Rezeptor (Abb. 1) (6). Dadurch wird die Signaltransduktion für 3 relevante Gefäß-Zelltypen simultan unterdrückt (Endothelzellen, Perizyten und glatte Muskelzellen).
 

Abb. 1: Der neue 3fach-Angiokinase-Hemmer Nintedanib* unterdrückt die Tumorangiogenese durch simultane Blockade der 3 Rezeptoren
FGFR, VEGFR und PDGFR (mod. nach (11)).
 

Aus der 3fach-Angiokinase-Hemmung resultieren neben der Inhibition der Angiogenese womöglich weitere positive Effekte: Da einige Tumoren FGFR oder PDGFR überexprimieren, könnte deren Blockade zusätzlich eine direkte antitumoröse Wirkung erzielen. Darüber hinaus unterdrückt die simultane Inhibition mehrerer Rezeptorklassen inklusive FGFR womöglich Resistenz-Mechanismen von Tumoren gegen die Anti-Angiogenese (6). Außerdem kann die Hemmung der Tumorangiogenese zu einer Normalisierung der Gefäßstrukturen und des Blutflusses führen, so dass Chemotherapeutika den Tumor besser erreichen könnten (7). Nintedanib* wird derzeit bei verschiedenen soliden Tumoren klinisch geprüft. Hierzu gehört die kürzlich beim ASCO 2013 präsentierte doppelblinde, placebo-kontrollierte Phase-III-Studie LUME-Lung 1, in der Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC nach Versagen einer Chemotherapie in der Zweitlinie Nintedanib* und Docetaxel erhalten (8).

Afatinib*: Inhibition der gesamten ErbB Family

Bei der Tumorzellsignaltransduktion, die Wachstum und Metastasierung steuert, spielt die ErbB Family eine zentrale Rolle. Sie besteht aus den Rezeptor-Tyrosinkinasen EGFR (ErbB1), HER2 (ErbB2), ErbB3 und ErbB4, wobei etwa 10-15% der kaukasischen bzw. 40% der asiatischen NSCLC-Patienten EGFR-Mutationen aufweisen, die die Krebsentstehung begünstigen (9). Afatinib* ist ein Tyrosinkinaseinhibitor, der irreversibel die gesamte ErbB Family blockiert (10). Der ErbB Family-Blocker wird bei verschiedenen soliden Tumoren geprüft, u.a. im LUX-Lung-Studienprogramm beim NSCLC. Die European Medicines Agency hat im Herbst 2012 den Antrag auf Zulassung für die Therapie des NSCLC mit EGFR-Mutation angenommen.

Petra Eiden (pe)

Literaturhinweise:
(1) Cancer Research UK: info.cancerresearchuk.org; letzter Abruf 14.5.2013.
(2) Ferlay J et al. Int J Cancer. 2010;127(12):2893-917.
(3) Surveillance Epidemiology and End Results: www.seer.cancer.gov; letzter Abruf 14.5.2013.
(4) Ferrara N et al. Nature. 2005;438:967-74.
(5) Armulik A et al. Circulation Research. 2005;97:512-23.
(6) Santos ES et al. Invest New Drugs. 2012;30(3):1261-9.
(7) Fukumura D et al. Microcirculation. 2010;17(3):206-25.
(8) Reck M, et al. ASCO 2013. Abstr. #LBA8011.
(9) Quest Diagnostics. Lung Cancer Mutation Panel (EGFR, KRAS, ALK): questdiagnostics.com; letzter Abruf 14.5.2013.
(10) Solca F et al. J Pharmacol Exp Ther 2012; 343(2):342-50.
(11) Hilberg F et al. Cancer Res 2008;68(12):4774-82.

Mit freundlicher Unterstützung von Boehringer Ingelheim

*Nintedanib und Afatinib sind bislang nicht zugelassene Substanzen, die sich noch in der klinischen Entwicklung befinden. Sicherheit und Wirksamkeit sind noch nicht belegt.


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Frauen mit Metastasen im Fokus

Brustkrebs: Frauen mit Metastasen im Fokus
© Expensive - stock.adobe.com

Jede 8. Frau in Deutschland erkrankt laut Statistischem Bundesamt in ihrem Leben an Brustkrebs. Im Brustkrebsmonat Oktober wird ein besonderer Fokus auf diese Krankheit gerichtet, um über Möglichkeiten der Früherkennung und der Behandlung zu informieren. Die Deutsche Krebshilfe und die Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH) nehmen in diesem Jahr eine spezielle Betroffenengruppe in den Blick: Frauen, die an einer nicht mehr heilbaren Brustkrebserkrankung leiden.

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen
© Carolin Lauer (carolinlauer.de)

Ganz unverhofft trifft die damals 30jährige Cristina aus Hannover die Diagnose Krebs. Erst dachte sie an einen schlechten Scherz, als sie den Anruf von ihrem Arzt erhielt und dann zog ihr die Nachricht den Boden unter den Füßen weg. Mit der Chemotherapie kamen der Verlust der Haare, Augenbrauen und Wimpern und damit auch teilweise unangenehme Situationen: „Selbst als ich noch Stoppeln auf dem Kopf hatte, haben mich sofort alle angestarrt. Teilweise getuschelt oder den...

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko

Ausgewogene Ernährung reduziert Krebsrisiko
© Daniel Vincek / Fotolia.com

Mit einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung erhält der Körper nicht nur wertvolle Nährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, sondern auch wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Umgekehrt gilt: Mit dem stetigen Bevorzugen bestimmter Lebens- und Genussmittel schadet man der eigenen Gesundheit. „Das heißt, schon mit der Ernährung kann das Risiko für Darmkrebs erhöht oder gesenkt werden“, betont Lars...

Neue Perspektiven für Frauen mit Eierstockkrebs

In der medikamentösen Behandlung von Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs wurde erstmals nach fast 15 Jahren ein Fortschritt erzielt: Das neue Medikament, ein sogenannter Angiogenesehemmer, greift den Tumor gezielt an und verzögert damit das Fortschreiten der Krebserkrankung. Für die betroffenen Frauen ist dies ein großer Vorteil: Die Therapie ermöglicht ihnen mehr Zeit, die sie – trotz der schweren Erkrankung – weitestgehend beschwerdefrei...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"NSCLC - Nintedanib: Neuer Wirkstoff in der Pipeline"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO20 Virtual
  • Immuntherapie mit Pembrolizumab setzt sich bei verschiedenen onkologischen Indikationen weiter durch
  • mSCLC: Patienten profitieren bereits in der Erstlinie von der Ergänzung der Chemotherapie mit Pembrolizumab
  • mRCC-Erstlinientherapie: Kombination Pembrolizumab + Axitinib toppt Sunitinib auch im Langzeitverlauf
  • mRCC: Pembrolizumab + Lenvatinib zeigen vielversprechende Anti-Tumoraktivität nach Versagen einer Checkpoint-Inhibition
  • KEYNOTE-054-Studie: Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verbessert beim Melanom auch im verlängerten Follow-up das RFS
  • MSI-H CRC: Pembrolizumab verdoppelt PFS im Vergleich zur Chemotherapie
  • Rezidiviertes Ovarialkarzinom: Trend zu besserem Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei höherer PD-L1-Expression
  • r/r cHL: Pembrolizumab auf dem Weg zum Therapiestandard nach autoSCT sowie für Patienten, die keine autoSCT erhalten können
  • mCRPC: Pembrolizumab in Kombination mit Enzalutamid nach Enzalutamid-Resistenz wirksam und sicher
  • r/m HNSCC: Erstlinienbehandlung mit Pembrolizumab mono und in Kombination mit Platin-basierter Chemotherapie verlängert PFS2

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden