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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

02. Dezember 2015 Lenalidomid ist fester Therapiebestandteil in der Hämatologie

Lenalidomid ist derzeit – gemeinsam mit niedrig dosiertem Dexamethason kontinuierlich gegeben – eine der wirksamsten Behandlungsstrategien beim Multiplen Myelom. Auch beim Rezidiv des Mantelzell-Lymphoms kann mit dem IMiD Studien zufolge eine gute Wirksamkeit erzielt werden. Im Rahmen eines Satellitensymposiums auf dem DGHO-Kongress wurden die aktuellen Therapieoptionen bei diesen beiden Entitäten diskutiert.

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Fachinformation

Aktuelle Primärtherapie beim MM

Für die Wahl der Primärtherapie bei Patienten mit Multiplem Myelom (MM) gibt es derzeit verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Entscheidung, welcher Weg eingeschlagen wird, wird u.a. anhand des Allgemeinzustandes des Patienten sowie anhand der Tatsache, ob ein „myelomdefinierendes Ereignis“ nach den neuen IMWG-Kriterien vorliegt, oder nicht, getroffen, erklärte PD Dr. Stefan Knop, Würzburg (Abb. 1). „Kommt ein Myelom-Patient nicht für eine Stammzelltransplantation in Frage, stehen wiederum mehrere Therapieoptionen zur Auswahl“, erklärte PD Dr. Michael Königsmann, Hannover. Er stellte die Ergebnisse einer aktuellen Analyse der FIRST-Studie zum Gesamtüberleben unter kontinuierlicher Therapie mit Lenalidomid/Dexamethason (Rd) vs. Melphalan/Prednison/Thalidomid (MPT) bei neudiagnostizierten, nicht-transplantierbaren MM-Patienten vor (1). Es zeigte sich, dass die Vorteile im progressionsfreien (PFS) und Gesamtüberleben (OS) unter kontinuierlicher Rd-Therapie ohne Resistenzentwicklung in der 2. Linie weiter erhalten blieben – und dies bei besserer Verträglichkeit als unter MPT. Laut Königsmann sei kontinuierliches Rd damit als neuer Standard bei diesen Patienten zu empfehlen.

Abb. 1: Wahl der Primärtherapie bei Myelompatienten. MP=Melphalan/Prednison; Rd=Lenalidomid/Dexamethason
Abb. 1: Wahl der Primärtherapie bei Myelompatienten.

 

Gefragte Alternativen sind hier wirksame Dreifach-Therapien, sagte Königsmann. So hat beispielsweise ein Update der GEM2005-Studie, in der die Kombination aus Bortezomib, Melphalan und Prednison (VMP) mit der Kombination aus Bortezomib, Thalidomid und Prednison (VTP) bei älteren MM-Patienten verglichen wurde, ein PFS unter VMP von 32 Monaten vs. 23 Monaten unter VTP gezeigt. Das mediane OS war mit 63 Monaten vs. 43 Monaten signifikant verbessert (2). „Das zeigt, dass man bei älteren MM-Patienten auf das Alkylans nicht verzichten sollte“, resümierte Königsmann.


Therapie im MM-Rezidiv

Königsmann berichtete darüber hinaus von der MM-003-Studie – einer multizentrischen Phase-III-Studie, in der Pomalidomid (POM) und niedrig-dosiertes Dexamethason (LoDEX) mit hoch-dosiertem Dexamethason (HiDEX) bei Patienten mit rezidiviertem MM verglichen wurde. Das PFS in der ITT-Population (medianes Follow-up: 15,4 Monate) betrug unter POM/LoDEX (n=302) 4,0 Monate im Vergleich zu 1,9 Monaten unter HiDEX (n=153) (HR=0,50; p<0,001) (3). Das Gesamtüberleben war in der ITT-Population unter POM/LoDEX mit 13,1 Monaten signifikant höher gegenüber 8,1 Monaten unter HiDEX (HR=0,72; p=0,009). Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass POM/LoDEX auch bei Patienten mit der Risikomutation del(17p) wirksam ist, merkte Königsmann an.


Neuerungen in der Therapie des Mantelzell-Lymphoms (MCL)

„MCL-Rezidive sind schwierig zu behandeln, Chemotherapeutika haben in der Rezidivsituation häufig nur eine begrenzte Wirksamkeit, aber neue Substanzen können bei guter Verträglichkeit lange Remissionen erzielen“, erklärte Prof. Dr. Christoph Renner, Zürich. Er stellte die Daten der MCL-002-Studie (SPRINT) vor, bei der Lenalidomid beim rrMCL mit der Wahl des Therapeuten (Investigator’s Choice (IC): entweder Chlorambucil, Rituximab, Cytarabin, Fludarabin oder Gemcitabin) in einer 2:1 Randomisierung verglichen wurde. Lenalidomid, Chlorambucil und Rituximab wurden dabei kontinuierlich bis zu Krankheitsprogress oder inakzeptablen Toxizitäten gegeben, Cytarabin, Fludarabin und Gemcitabin wurden für maximal 6 Zyklen verabreicht. Der primäre Endpunkt war das PFS, sekundäre Endpunkte waren u.a. die Gesamtansprechrate (ORR), das OS und die Sicherheit (4). Es waren 254 Patienten eingeschlossen worden (ITT-Population), davon 170 im Lenalidomid-Arm und 84 im IC-Arm; aufgrund von Progression der Erkrankung fand bei 39 Patienten vom IC- ein Cross-over in den Lenalidomid-Arm statt. Die Wirksamkeitsdaten sprechen für sich: unter Lenalidomid betrug die ORR 68% vs. 9% im IC-Arm (p<0,001), davon waren 8% vs. 0% komplette Remissionen (CR/Cru) (p=0,043) und 60% vs. 9% partielle Remissionen (PR). Ein Fortschreiten der Erkrankung wurde bei 34% vs. 26% festgestellt. Das beste Ansprechen lag bei den 39 Patienten, die vom IC- in den Lenalidomid-Arm gewechselt haben.

Unerwünschte Ereignisse (AEs) von Grad 3/4, die aufgetreten waren (jeweils Lenalidomid vs. IC): Neutropenie 73% vs. 28%, Thrombozytopenie 30% vs. 23%, Anämie 14% vs. 6%, Leukopenie 13% vs. 8%, febrile Neutropenie 10% vs. 2% und Lymphopenie 2% vs. 5%. Bei je einem Patienten pro Behandlungsarm war ein Tumorlysesyndrom aufgetreten.

(sk)

Quelle: Satellitensymposium „Multiples Myelom, AML und MCL – bewährte Strategien, neue Möglichkeiten“, 10.10.2015, Basel; Veranstalter: Celgene

Literatur:

(1) Facon T. presented at EHA 2015; S105.
(2) Mateos MV et al. Blood 2014;124(12):1887-93.
(3) Weisel KC et al. Blood 2013;122(21):3198-3198.
(4) Trneny M et al. Oral presentation at ASH 2014, Abstract 626.


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